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Auch mal einen Baum anschreien

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Von: Fabian Böker

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Viele Patienten schätzen den Standort des Waldkrankenhauses Köppern und wollen nicht umziehen.
Viele Patienten schätzen den Standort des Waldkrankenhauses Köppern und wollen nicht umziehen. © Michael Schick

Patienten des Waldkrankenhauses Köppern sehen einen Standortwechsel kritisch. Eva Bablick-Hoffmann, Sprecherin der Laienhilfe, hält die Ruhe gepaart mit den Freizeitmöglichkeiten für einen Standortvorteil.

Viel wurde in den vergangenen Jahren diskutiert über die Zukunft des Waldkrankenhauses Köppern. Gutachter, Fachleute, Politiker, alle kamen sie zu Wort. Gestern fanden nun die Menschen Gehör, um die es in einem Krankenhaus gehen sollte: die Patienten. Aktuelle und ehemalige äußerten sich zu ihrer Sicht auf die Zukunft und die Standortfrage der Klinik.

Fünf Patienten hatten sich auf Einladung des Freundeskreises Waldkrankenhaus und der Laienhilfe zum Gespräch eingefunden. Es war zu spüren, dass es ihnen nicht leicht fällt, in größerer Runde zu sprechen. Aber sie wollten sich stark machen für ihre Überzeugung, die da lautet: Der Standort Köppern des Waldkrankenhauses muss erhalten bleiben.

Die Auswahl der Patienten mag nicht repräsentativ gewesen sein. Auch – das haben alle immer wieder betont – fehlen ihnen genaue Einblicke in die Pläne eines möglichen neuen Standorts in Bad Homburg. Aber sie alle wussten, wovon sie reden; sie haben mehrwöchige Aufenthalte in Köppern hinter sich und sind voll des Lobes über die Klinik und deren Infrastruktur.

"Angenehm überrascht"

Charlotte-Alexandra Zahn etwa musste mehrfach in die Klinik im Friedrichsdorfer Ortsteil, und sie sei jedes Mal wieder „angenehm überrascht“ gewesen über die großzügigen Stationen, die ruhige Atmosphäre und das „liebevoll“ zubereitete Essen.

Momentan geht es ihr gesundheitlich gut; sie weiß nicht, ob sie überhaupt jemals wieder ins Waldkrankenhaus oder eine ähnliche Einrichtung muss. Dennoch fühlt sie sich der Klinik verbunden, sie nutzt oft die Angebote für ehemalige Patienten, geht zum Stammtisch oder besucht den Freundeskreis. Eine Aufgabe des Standorts wäre laut Zahn daher „furchtbar, sehr zu meinem Nachteil.“

Die anderen Gesprächsteilnehmer pflichteten ihr bei. Irmtraud Wiesner etwa kam vor 15 Jahren für neun Wochen nach Köppern und sagt: „Ohne das Waldkrankenhaus wäre ich nicht die, die ich heute bin.“ Sie habe während ihres Aufenthaltes viel unternommen, sei zur Lochmühle spaziert oder ins Kino gegangen. In Köppern sei sie akzeptiert gewesen und in einen Verein eingetreten. „Hier sind die Patienten nicht stigmatisiert“, beschreibt sie einen großen Vorteil der trotz aller Ruhe vorhandenen Nähe zur Stadt.

Ob ein solcher Kontakt an einem möglichen neuen Standort auch umsetzbar wäre, weiß natürlich niemand. Auch Eva Bablick-Hoffmann, Sprecherin der seit 1968 tätigen Laienhilfe, nicht. Aber sie hält die Ruhe, die sie in Köppern finden, gepaart mit den Freizeitmöglichkeiten, für einen großen Standortvorteil.

Dieser könne auch noch erweitert werden. Für Damian Bednorz vom Freundeskreis ist es denkbar, einen Streichelzoo auf dem Gelände zu errichten. Ex-Patient Jürgen Becker hat das Gelände auch unkoventionell genutzt: „Hier konnte man auch mal rausgehen und einen Baum anschreien.“ Wichtig sei es jedenfalls, so Eva Bablick-Hoffmann, dass die Stimme der Patienten gehört werde. Der Schwebezustand bei der Standortfrage sei unerträglich.

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