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Attraktiv trotz Krebs

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Klinik zeigt, dass Frauen auch nach einer Brust-OP noch Spitze tragen können.

Von Nina Nickoll

Die Zuschauerinnen sind begeistert: Magenta-pink, blau-türkis, gestreift, geblümt oder gepunktet – in allen Farben des Regenbogens leuchtet die Bademode, die zwei Models in der Cafeteria der Hochtaunuskliniken präsentieren. Der Unterschied zu anderen Badeanzügen jedoch ist, dass diese hier Taschen für Brustprothesen aus Silikon besitzen. In vielen ist außerdem eine Korsage für mehr Halt eingearbeitet.

Waltraud Krüger macht sich während der Modenschau, bei der auch Dessous gezeigt werden, Notizen. Von der ersten Modenschau für Frauen nach einer Brustkrebsoperation ist sie begeistert. „Mir passen immer nur die teuersten Modelle“, sagt Ursula Katharina Randrihamiana. Um die 40 Euro müsse sie beim BH-Kauf selbst übernehmen. Die Krankenkasse bezuschusst zwei neue BHs jährlich. Auch sie ist begeistert. Das Besondere der Modelle: Sie haben Prothesentaschen, extra breite Träger und sind an der Schulter wattiert. Sie sollen der Brust so mehr Halt geben, nicht einschnüren und auf Narben scheuern.

Schön, aber nicht billig

Spitzendessous dominieren bei den Entlastungs-BHs: „Damit kann man auch mal jemanden reizen“, sagt Corinna Gerhards, Moderatorin der Schau. Schön anzusehen, aber nicht billig: Der BH kostet zwischen 50 und 90 Euro, der Slip zwischen 20 und 30. Die Badeanzüge zwischen 100 und 150 Euro. Bei Rosenkranz Scherer, Mitveranstalter der Schau, soll es die Kollektion ab Anfang März geben, sagt Antje Wulff vom Sanitätshaus. Sie ist stellvertretende Gruppenleiterin der Frauenselbsthilfe nach Krebs (FSH).

„Wir haben immer großen Andrang bei den Modenschauen, da wir eng mit der FSH zusammenarbeiten“, sagt sie. Dieses Jahr wurde die Modenschau erstmals in der Klinik gezeigt, in der Reha-Klinik Wingertsberg gibt es das Angebot schon länger. Die Zahl der Besucherinnen steigt, weil die Betroffenen jünger und die jungen Alten modebewusster geworden seien, erklärt Wulff.

Zu ihnen zählt sich auch Erika Fössl. Sie ist zur Schau gekommen, weil sie sich für Mode interessiert, obwohl sie selbst nach einer brusterhaltenden OP ganz normale BHs tragen kann. Neben Fössl schauen rund 40 Frauen zu.

Mindestens so wichtig, wie die Mode, sei der Austausch bei solchen Veranstaltungen, sagt Heidrun Landsiedel, Gruppenleiterin der FSH in Bad Homburg.

Problematisch sei für viele Frauen, dass Angehörige und Arbeitgeber oft nicht verstehen, dass nach der Reha nicht alles so sei wie davor. „Viele werden danach genauso belastet wie vorher, aber der Körper macht das nicht mit“, sagt Landsiedel. Neben der gesundheitlichen und rechtlichen Beratung geht es dem Verein darum, die Krebskranken psychosozial zu begleiten.

Die nächste Modenschau ist am Mittwoch, 3. April, ab 15 Uhr in der Reha-Klinik, Am Wingertsberg 11.

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