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Alex Jantjies, mit Herzblut an der Trommel.
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Alex Jantjies, mit Herzblut an der Trommel.

Oberursel

Von Atlantis nach Oberursel

  • Götz Nawroth-Rapp
    VonGötz Nawroth-Rapp
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Südafrikanische Lehramtsanwärterin schaut den Lehrern in der Waldorfschule über die Schulter. Ihr Aufenthalt wurde mit Spenden finanziert.

Alex Jantjies nimmt an einem ganz besonderen Austauschprogramm teil: Die 28-Jährige aus Südafrika schaute zwei Wochen lang Lehrern in der Freien Waldorfschule Oberursel über die Schulter. Am Sonntag fliegt sie von Frankfurt zurück in die Heimat.

Jantjies arbeitet selbst an einer Waldorfschule. In Atlantis, einer Vorstadt von Kapstadt mit gut 200 000 Einwohnern, managt sie die Finanzen der Schule. Es ist ein Unterfangen, das nicht immer leicht ist, wie sie erzählt. Zuerst habe sie wissen wollen, wie die Oberurseler Schule die Schulgebühren bei den Eltern eintreibt. „Nun, sie bezahlen einfach“, sei die Antwort gewesen, für Jantjies war das erst mal schwer zu glauben.

Im südafrikanischen Atlantis gibt es große Probleme. Die Stadt leidet seit langer Zeit am Niedergang der lokalen Wirtschaft, Arbeitslosigkeit und Kriminalität sind die Folge. Das Geld ist knapp, die Eltern müssen ans Bezahlen „erinnert“ werden.

Etwa 15 Prozent der Schüler können nur dank Stipendien überhaupt am Unterricht teilnehmen. Die Einrichtung von Alex Jantjies bräuchte, so sagt sie, das Schulgeld von 200 Schülern, um aus den roten Zahlen zu kommen. „Es sind derzeit aber nur 110, auch wenn es gerade einen Aufschwung gibt“, sagt sie. Im Moment gebe es viel Interesse an der Schule.

„Wir leben hier im Luxus“

Das war nicht immer so, wie Ortrud Schmidt bestätigt. Sie ist Klassenlehrerin an der Waldorfschule im Eichwäldchenweg im Oberurseler Norden. Bei einem Südafrika-Aufenthalt habe sie vor 13 Jahren von einer Schule gehört, „wo niemand hin will“. Ortrud Schmidt schaute sich die Schule an, die Zustände, den Mangel. „Wir leben hier im Luxus“, sagt sie, in Südafrika zu helfen war für sie sonnenklar. Die Südafrika-AG wurde ins Leben gerufen, jedes Jahr fahren Waldorfschüler aus Oberursel einige Wochen nach Südafrika, wohnen bei Gastfamilien. „Sie werden immer sehr herzlich aufgenommen, Tränen fließen jedes Mal beim Abschied“, sagt Schmidt.

Deutlich seltener werden Lehrer geholt – Jantjies ist die dritte seit 1998. In Oberursel unterrichtete sie auch, auf Englisch, in Südafrika wird sie zur Lehrerin ausgebildet. Ihre Reise und ihr Aufenthalt wurde aus Spenden finanziert. Die hatte die AG gesammelt, professionell mit Fundraising-Events. Gebasteltes wurde verkauft, Kuchen gebacken, die Erlöse angespart. Davon werden der Schule auch in einem gewissen Rahmen Wünsche erfüllt.

Es sind vermeintlich profane Dinge, ohne die ein Schulbetrieb aber nicht möglich ist. Funktionierende Toiletten etwa. Alex Jantjies ist glücklich, Deutschland dank des Programms zum ersten Mal zu besuchen. Welche kulturellen Unterschiede konnte sie feststellen? Die Frage bedenkt sie mit einem warmen, breiten Lächeln. „In Südafrika sind die Menschen von Anfang an sehr offen. In Deutschland muss man sie erst öffnen.“

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