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Asylunterkunft schreckt Eltern ab

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Von: Andrea Herzig

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Manche Eltern haben Bedenken, ihr Kind in der Nähe einer Flüchtlingsunterkunft unterrichten zu lassen.
Manche Eltern haben Bedenken, ihr Kind in der Nähe einer Flüchtlingsunterkunft unterrichten zu lassen. © Michael Schick

Die beliebte Humboldtschule hat diesmal weniger Anmeldungen. Offenbar schreckt die nahe Flüchtlingsunterkunft die Eltern ab. Das KFG ist dagegen „übervoll“.

Die Angst vor der Nähe zu einer Flüchtlingsunterkunft hat offenbar einige Eltern dazu bewogen, ihr Kind nicht an der Humboldtschule (HUS) in Bad Homburg anzumelden. Die Schule wird im kommenden Jahr nur sieben fünfte Klassen mit insgesamt rund 200 Schülern unterrichten. In der Vergangenheit war die HUS immer sehr begehrt bei Schüler und Eltern. In der Regel startete sie mit acht bis neun fünften Klassen. Sie hat Platz für 240 Schüler in der Anfangsklasse.

Schulleiterin Ursula Balser geht mit dem Thema offen um. Ja, sie sei am Tag der offenen Tür, am Telefon und auch per Mail darauf angesprochen worden. Eltern hätten es bedauert, aber sie wollten ihr Kind nicht einer „potenziellen Gefahr“ aussetzen. Besonders kritisch waren die Eltern demnach in der Zeit nach der Bürgerinfoveranstaltung zur Flüchtlingsunterbringung im alten Krankenhaus am 19. Januar – „nach Köln“, wie Balser sagt. Eltern hatten bei dem Treffen hoch emotional ihre Ängste vor Übergriffen auf ihre Kinder formuliert.

Das alte Krankenhaus war im Winter als Unterkunft ausgebaut worden, in der Turnhalle Frölingstraße waren über Monate Geflüchtete untergebracht. Beide Unterkünfte sind in unmittelbarer Nähe der Schule. Die Turnhalle ist inzwischen wieder geräumt, das Klinikgebäude ist Reserveunterkunft des Landes. Kein Flüchtling ist bisher eingezogen.

Für Schulleiterin Balser ist das Ganze sehr bitter. Die Humboldtschule ist Unesco-Projektschule, sie hat eine Intensivklasse mit jugendlichen Flüchtlingen in den Schulbetrieb integriert, es gab Podiumsdiskussionen zum Thema Flucht und Integration, die Schule hat junge Syrer eingeladen, von ihrem Leben zu erzählen. Es hätten nicht nur potenzielle Eltern, sondern auch solche, die bereits Kinder an der Schule haben, Ängste geäußert, sagt Balser. Sie habe aber von keinem einzigen Übergriff auf Kinder oder Jugendliche in der Stadt gehört.

Das Kaiserin-Friedrich-Gymnasium (KFG), wie die HUS eine G8-Schule, ist dagegen mit 250 Fünftklässlern „übervoll“, wie Schulleiterin Heike Zinke bestätigt. Das für sechs Züge ausgelegte Gymnasium startet mit acht fünften Klassen, einige wenige Schüler kommen auch aus Frankfurt. An der HUS fahren rund 20 Schüler aus nahen Frankfurter Stadtteilen künftig nach Bad Homburg zur Schule.

Noch Kapazitäten frei hat die Homburger Gesamtschule am Gluckenstein (GaG). Im Herbst werden dort zwei Klassen mit insgesamt 40 Schülern in den Gymnasialzweig starten, eine Schülerin kommt aus Frankfurt, sagt Schulleiterin Rita Schild. Nach der zehnten Klasse wechseln die GaG-Schüler in der Regel auf berufliche Gymnasien oder die Oberstufe der Philipp-Reis-Schule in Friedrichsdorf.

Die Kooperative Gesamtschule hat 150 Plätze im G9-Gymnasialzweig. Laut Schulleiterin Martina Schilling war die PRS in diesem Jahr erneut gezwungen, einige Schüler abzulehnen, auch weil sie darauf achten muss, genügend Kapazitäten in der Förderstufe schaffen zu können. Im August starten fünf Gymnasial- und drei Förderstufenklassen.

Die größte Herausforderung hat das Gymnasium Oberursel. Ab August werden neun fünfte Klassen unterrichtet, das sind 265 Schüler. Die Schule musste rund 15 Kinder ablehnen. Das GO ist nur für sechs bis sieben Züge ausgelegt. Schulleiter Volker Räuber bezeichnet die räumliche Situation als „enorm angespannt“.

Der Kreis als Schulträger prüft derzeit, wo auf dem Schulgelände weitere Räume genutzt oder umwidmet werden können. Unter anderem sei ein früheres Verwaltungsgebäude in der Liebfrauenstraße als Ausweichquartier für Klassen möglich, gibt die Pressestelle des Kreises Auskunft.

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