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Artisten gehen fremd

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Von: Torsten Weigelt

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Akrobatik der Brüder Grychenko im neuen Herbstprogramm des Tigerpalast Varieté Theaters.
Akrobatik der Brüder Grychenko im neuen Herbstprogramm des Tigerpalast Varieté Theaters. © Tigerpalast

Varieté Tigerpalast startet seine Jubiläumssaison im Taunus.

Nein, Understatement ist Johnny Klinkes Sache nicht: Von der „Champions League der Artistik“ spricht der Direktor des Frankfurter Tigerpalastes und sogar vom „größten Varieté-Ereignis des Jahres in Deutschland“. Im Juni wird Klinke mit seiner Truppe ein Gastspiel im benachbarten Bad Homburg geben – und damit gleichzeitig die Jubiläumssaison zum 30-jährigen Bestehen des Tigerpalastes einläuten.

Dass die von ihm engagierten Künstler die 776 Sitze des Kurtheaters gleich zwei Tage hintereinander füllen werden, davon ist Klinke überzeugt. „Ich habe keine Sorge, dass das klappt“, sagt er bei einem Pressegespräch. Immerhin kann Klinke auf die Erfahrung des vergangenen Jahres verweisen. Damals hatte die Bad Homburger Spielbank den Tigerpalast für ihr eigenes 175. Jubiläum engagiert. „Und die Resonanz war außerordentlich“, schildert Geschäftsführer Holger Reuter.

Was aber auch zu Problemen geführt habe, wie er einräumt. Ursprünglich habe man vorgehabt, die Artisten als Open Air vor dem Kaiser-Wilhelms-Bad auftreten zu lassen. Doch die aufwendige Technik und das Wetter hätten schließlich zum Ausweichen in das Kurtheater geführt. Folge: „Tumulte“. Weil es keine festen Sitzplätze gegeben habe, hätten sich einige Besucher aus den hinteren Reihen zu Beginn der Vorstellung massiv beschwert. „Da war was los“, erinnert sich Johnny Klinke und lacht.

Doch der Protest habe sich schnell gelegt und die Besucher seien am Ende allesamt zufrieden gewesen. Inzwischen seien einige Bad Homburger zu neuen Stammgästen in der Frankfurter Heiligkreuzgasse geworden. „Ich bin beeindruckt von der Begeisterungsfähgkeit des Bad Homburgers“, lobt Johnny Klinke. Und richtig in Fahrt gekommen lässt sich der Tigerpalast-Direktor sogar zu dem ethnologischen Befund hinreißen: „Der Bad Homburger ist erst reserviert, doch dann explodiert er.“

Das erhofft er sich auch für das Gastspiel im Juni. Zumal die gleichen Probleme wie im vergangenen Jahr nicht noch einmal passieren können, wie Holger Reuter versichert, der mit seiner Spielbank auch diesmal wieder Kooperationspartner ist. „Die Sitzplätze sind nummeriert.“ Außerdem werde der Tigerpalast aus Anlass seines Jubiläums bei der Qualität des Programms noch einmal eine Schippe drauflegen, kündigt Direktor Klinke an. Die Besucher erwarte ein „Best of“ aus den vergangenen 30 Jahren mit Artistik-„Legenden“ wie dem russischen Handstand-Equilibristen Oleg Izossimov oder den Grychenko Brothers aus Odessa, die als einzige Künstler weltweit eine Kopf-auf-Kopf-Nummer ohne Hilfsmittel zustande bekämen, wie Johnny Klinke schwärmt. Und auch die übrige Besetzung ist international, die Artisten kommen aus den USA, Frankreich, Italien und Finnland.

Aber auch ein wenig Lokalkolorit will er den Bad Homburgern bieten. Als „Special Guest“ wird der Schauspieler, Regisseur und Sänger Jo van Nelsen Chansons der Zwanziger- und Dreißigerjahre vortragen. Nelsen ist in Bad Homburg geboren und aufgewachsen. Und auch im Kurtheater ist er bereits aufgetreten. „Vor vollem Haus“, wie er betont. Das sei 1987 gewesen, ein Jahr vor seinem Abitur am Kaiserin-Friedrich-Gymnasium; er habe in einem Schulmusical den Professor Higgins in „My Fair Lady“ gespielt. Inzwischen lebt Nelsen in Frankfurt und gehört seit 20 Jahren zum Team des Tigerpalastes. Üblicherweise bekleidet er dort die Rolle des Moderators. Doch das wird in Bad Homburg der Chef selbst machen. „Das lasse ich mit nicht nehmen“, sagt Johnny Klinke. Die Jubiläumssaison seines Hauses wolle er schon selbst einläuten.

Der Besuch in Bad Homburg könnte auch für den einen oder anderen Frankfurter interessant sein, vor allem wenn er auf sein Portemonnaie achtet. Denn die Tickets im Kurtheater seien rund ein Drittel günstiger als der Eintritt im Stammhaus, wirbt Johnny Klinke. Das macht zum einen die Masse – in der Heiligkreuzgasse gibt es nur 200 Sitzplätze. Aber auch die Spielbank greife dafür noch einmal „in die Schatulle“, so Geschäftsführer Reuter.

Im September beginnt dann die neue Tigerpalast-Spielzeit im Frankfurter Haus. Auch dort werde man sich bemühen, dem Publikum ein noch hochwertigeres Programm zu bieten als üblich, verspricht Johnny Klinke. Nach 30 Jahren Betrieb kenne man alle internationalen Topkünstler, und die kämen auch gerne nach Frankfurt. Schließlich sei der Tigerpalast zurzeit „das wahrscheinlich führende Varieté in ganz Europa“.

Für das eigentliche Jubiläumsjahr ist im Sommer 2018 eine Festwoche im Palmengarten geplant. Am 30. September steht dann die Geburtstagsparty an. Als Johnny Klinke und seine Mitstreiter den Tigerpalast in den 80er Jahren ins Leben gerufen haben, „da gab es gar nichts mehr“, erinnert er sich. Inzwischen hätten sich in Deutschland immerhin wieder rund 15 Varietés etabliert. Das größte ist der Berliner Wintergarten mit 430 Plätzen.

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