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Bad Homburg

Armut auch in der Kurstadt

Rund 2900 Menschen haben seit 2010 den Homburg-Pass beantragt. Er gibt Menschen mit niedrigem Einkommen Rabatt bei Kulturveranstaltungen und Vhs-Kursen. Auch in Bad Homburg wachse die Altersarmut, sorgt sich Sozialdezernent Dieter Kraft.

Von Martina Propson-Hauck

Stadtrat Dieter Kraft (Grüne) würde die Geschichte des Bad-Homburg-Passes gern als tolle Erfolgsgeschichte erzählen. Doch er weiß, dass es wohl mehr als zynisch wäre, als durchschlagenden „Erfolg“ zu präsentieren, dass es offenbar auch in der Kurstadt immer mehr Geringverdiener und Hilfebezieher gibt. „Bad Homburg hat außer seinen Millionären eben auch ganz normale Durchschnittsbürger“, sagte Kraft gestern vor Journalisten.

Ein Erfolg ist die Geschichte des Passes nur insofern, dass in den knapp zweieinhalb Jahren nach seiner Einführung bereits 2899 Menschen den Pass beantragt haben, mit dem man Ermäßigungen für die Monatskarte im Stadtbus, für Kurse der Volkshochschule und der Musikschule erhält und vergünstigte Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen im Kurtheater oder in der Englischen Kirche in Bad Homburg erwerben kann.

Anspruch darauf haben alle Empfänger staatlicher Hilfeleistungen sowie Geringverdiener oder Menschen mit nur kleiner Rente. Im Vorjahr hatten sich erst 798 Personen für den Bad-Homburg-Pass registrieren lassen.

Bislang haben laut dem gestern öffentlich vorgestellten Bericht 57 Prozent der anspruchsberechtigten Hilfeempfänger den Pass beantragt. 1034 Passinhaber gehören zu den Geringverdienern, deren Gesamtzahl allerdings nirgendwo offiziell erfasst ist. Laut Einwohnerstatistik sinkt in Bad Homburg gegenwärtig die Zahl der Menschen, die älter als 65 Jahre sind. Bei den Bad-Homburg-Pass-Inhabern allerdings steigt der Anteil älterer Menschen rapide an. Das ist für Sozialdezernent Kraft ein Indiz dafür, dass zunehmende Altersarmut nicht erst in der Zukunft in der Kurstadt eine Rolle spielen wird, sondern auch schon jetzt ganz real ist. Durch die Einführung der Stadtteilzentren habe sich wahrscheinlich auch die Mund-zu-Mund-Propaganda über das Angebot erhöht. Von den Ermäßigungen, die der Pass bietet, wird die Stadtbusmonatskarte am häufigsten genutzt, vor allem von den Älteren. Aber auch die Bildungsangebote erfreuen sich einer regen Nachfrage: So besucht fast jedes vierte Kind im Alter zwischen 6 und 13 Jahren mit Bad-Homburg-Pass auch einen Kurs der Musikschule.

Die Kulturangebote nutzen wiederum hauptsächlich diejenigen, die älter als 65 sind. Die Gutscheine für das Kurtheater oder andere Kulturangebote kosten die Passinhaber noch sechs Euro, die sie dazuzahlen müssen. Auch das, so kann man aus der Statistik entnehmen, ist für manche Geldbeutel wohl zu viel. Deshalb überlegt der Sozialdezernent gegenwärtig, wie die Vorstöße des Evangelischen Dekanats hin zu einer Kulturloge nach Marburger Beispiel mit dem Bad-Homburg-Pass vereint werden können. Dabei geht es darum, Karten für nicht ausgebuchte Kulturveranstaltungen kostenlos weiterzugeben.

Insgesamt hat die Verwaltung vom 1. Juli 2011 bis 30. Juni 2012 knapp 190000 Euro für den Pass bezahlt. Der Betrag ist bereinigt um die Zusatzeinnahmen beim Stadtbus. Ursprünglich waren für den Pass im städtischen Etat etwa 380000 Euro kalkuliert und eingestellt worden. Am 25. Mai 2010 ist der Pass mit dem blauen Stadtwappen darauf zum ersten Mal ausgegeben worden, am 17. Dezember 2009, also vor knapp drei Jahren, hatten sich die Stadtverordneten nach langem Ringen um die Modalitäten einstimmig für die Einführung des Passes ausgesprochen. Geringverdiener dürfen 748 Euro für den Haushaltsvorstand und 262 Euro für jedes weitere Familienmitglied verdienen. Abgezogen werden vom Gesamteinkommen noch die Kosten für die Wohnung.

Kraft betont, es sei kein „Makel“, den Bad-Homburg-Pass zu beantragen, sondern eine Leistung der Stadt. Viele, besonders ältere Menschen, fürchteten, mit dessen Beantragung „in die Sozialhilfe abzugleiten“. Von allen, die den Pass gleich zu Beginn beantragt hatten, haben ihn mehr als drei Viertel auch wieder verlängern lassen. Der Pass ist jeweils für ein Jahr gültig.

Den Bad-Homburg-Pass kann man montags, mittwochs und freitags von 8 bis 12 Uhr im Rathaus beantragen, mittwochs auch von 14 bis 17 Uhr.

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