Hochtaunus

Tod an der Applauskurve am Feldberg

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Nach zwei Jahren stirbt wieder ein Motorradfahrer bei einem Unfall unterhalb des Feldbergs. Im September werden die Straßen dort erneut für Biker gesperrt.

Am Dienstagvormittag um 6.20 Uhr ist es wieder passiert. Ein Motorradfahrer hat in der Nähe der berühmt-berüchtigten Applauskurve zwischen Hohemark und Sandplacken sein Leben verloren.

Wie die Polizei mitteilt, wurde der aus Schmitten stammende 35-Jährige von einem Auto erfasst, als dessen Fahrer etwa 500 Meter von der Kurve entfernt einen Kleinbus überholen wollte. Die an dem Unfall beteiligten Fahrzeuge wurden schwer beschädigt. Der 23 Jahre alte Autofahrer musste mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht werden. Lebensgefahr besteht bei ihm aber wohl nicht.

Dass ein Motorradfahrer bei einem Unfall im Gebiet rund um den Großen Feldberg stirbt, ist seit zwei Jahren nicht mehr passiert (siehe Infobox). Dennoch hat sich während dieser Zeit eine intensive Diskussion über Straßensperrungen für Biker entwickelt. Denn besonders die Landesstraße 3004, im Volksmund Kanonenstraße genannt, gilt als Unfallschwerpunkt. Allein in der Applauskurve verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr 17 Motorradunfälle. Die enge Kurve verdankt ihren Namen dem Beifall, den manche Biker dort von Gleichgesinnten für besonders waghalsige Kunststücke erhalten.

Aber auch im übrigen Feldberggebiet sehen die Verantwortlichen aus Politik und Polizei dringenden Handlungsbedarf. Deshalb haben sie in diesem Jahr einen Verkehrsversuch gestartet, der klären soll, ob sich durch eine dauerhafte oder zumindest teilweise Sperrung von Straßen im Feldberggebiet für Motorradfahrer Unfälle und Lärm reduzieren lassen.

Dazu wurde die Zufahrt auf den Feldberg bereits vom 11. bis zum 19. Mai für Biker weitgehend dichtgemacht. Das Feldbergplateau war für Biker nur über eine einzige Straße erreichbar. Die zweite Sperrung ist vom 7. bis zum 15. September vorgesehen. Die Daten sollen bis zum Frühjahr 2020 ausgewertet werden.

„Die Versuchssperrung ist ergebnisoffen“, versichern Hochtaunus-Landrat Ulrich Krebs und der Erste Kreisbeigeordnete und Verkehrsdezernent Uwe Kraft (beide CDU) immer wieder. Doch das will ihnen nicht jeder glauben.

Rainald Mohr von Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM) etwa befürchtet, dass der Versuch lediglich dazu dienen solle, die rechtliche Grundlage für dauerhafte Straßensperrungen zu schaffen. Deshalb hatte der BVDM Mitte Juni unter dem Motto „Gemeinsam für freie Wege“ einen Demonstrationskorso mit 500 Motorradfahrern organisiert.

Die politisch Verantwortlichen wiederum verweisen darauf, dass sie schon einiges versucht haben, um die Unfallzahlen zu senken. Speziell rund um die Applauskurve ist in den vergangenen Jahren tatsächlich viel passiert – von Rüttelstreifen bis hin zu Tempobegrenzungen. Hinzu kamen verstärkte Kontrollen durch die Polizei.

Die fordert auch Rainald Mohr - inklusive härterer Strafen für Raser und Krachmacher. Allerdings betont er auch: „Wir sehen in einer Streckensperrung eine Diskriminierung von Bürgern, die sich regelkonform verhalten.“ Deswegen kündigt er bereits jetzt an, dass sein Verband juristisch gegen dauerhafte Straßensperrungen vorgehen werde, sollten sie denn für das Feldberggebiet verhängt werden.

Unfallschwerpunkt

Laut Polizeistatistik ist zwischen 2017 und 2018 die Zahl der Motorradunfälle rund um den Feldberg von 29 auf 44 angestiegen. 38 Menschen wurden dabei verletzt, Tote gab es im vergangenen Jahr nicht.

Ein Unfallschwerpunkt ist die Applauskurve zwischen Hohemark und Sandplacken. Im vergangenen Jahr gab es dort allein 17 Unfälle. 2015 registrierte die Polizei ebenfalls 44 Zweiradunfälle in der Feldbergregion, ihre Zahl sank 2016 auf 35. 2016 und 2017 starb jeweils ein Mensch.

Im aktuellen Jahr hat die Polizei acht Motorradunfälle registriert. Bei vier von ihnen kamen Personen zu Schaden, in zwei Fällen mit lebensgefährlichen Verletzungen. Der 35-Jährige aus Schmitten ist der erste Tote.

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