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Angriff mit dem Baseballschläger

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Zuerst meinte es Fortuna gut mit dem 41-jährigen Elektrotechniker: In der Spielothek gewann er 700 Euro. Doch dann kam es zum Streit. Von Klaus Nissen

Von Klaus Nissen

Die Glücksgöttin Fortuna flirtete am 6. November 2009 mit dem 41-jährigen Elektrotechniker Roland Frisch (alle Namen geändert). Der Friedrichsdorfer besuchte an jenem Freitagnachmittag die Spielothek am Houiller Platz. Fortuna sorgte dafür, dass ihm die Automaten 700 Euro Gewinn ausspuckten - in 350 Zwei-Euro-Stücken. Dann wurde die Szene zum Alptraum. Die Fortsetzung fand am Mittwoch vor dem Bad Homburger Amtsgericht statt.

Angesichts der Gewinnausschüttung fühlte sich Frisch von fünf jungen Männern gestört, die nah am Glücks-Automaten standen. Er forderte sie auf, Abstand zu halten. Ein junger Mann sei frech geworden, berichtete Frisch am Mittwoch im Zeugenstand. "Was willst du Bastard denn! Ich kann mich aufhalten, wo ich will!" Das quittierte der 41-Jährige mit zwei schnellen Schlägen auf die Nase des frechen Jugendlichen.

Felix, der schmächtige junge Mann mit den kurz geschorenen Haaren, fühlte sich gedemütigt. Gemeinsam mit seinem 19-jährigen Kumpel Max verließ der 21-jährige Gelegenheitsarbeiter die Spielothek, holte einen Baseball-Schläger aus seinem Auto, kam zurück und brüllte Roland Frisch an: "Komm raus, du Hurensohn. Ich mach dich alle!"

Ein Tritt in den Rücken

Roland Frisch rief nicht etwa die Polizei, sondern griff sich einen Billard-Queue: "Wenn du mich nicht totschlägst, dann bist du dran!" Er sei selbst ein böser Bub gewesen und nie einer Schlägerei aus dem Weg gegangen, erklärte der kräftige Elektrotechniker später der Amtsrichterin. Doch diesmal kam er nicht weit. Kaum war er in der Tür der Spielothek, traf ihn ein heftiger Tritt in den Rücken. Frisch stolperte, fiel hin und verlor den Queue. Flugs ergriff der 19-jährige Max den Stock und versetzte dem liegenden Glücksspieler mehrere Schläge auf Rücken, Kopf und Arme. Sie waren so heftig, dass der Queue zerbrach. Von vorn wurde Roland Frisch nach eigener Aussage vom 21-jährigen Felix mit dem Baseballschläger attackiert. Frisch: "Er zielte auf meinen Kopf. Wenn ich nicht die Hand hoch gehalten hätte, hätte er mir den Schädel zertrümmert." So brach sein linkes Handgelenk. "Ich kann die Hand bis heute nicht richtig gebrauchen."

Vor Gericht bemühte sich Max, seinen Freund Felix, dem ein eigenes Strafverfahren blüht, zu entlasten. Das gebrochene Handgelenk "kann auch von mir stammen", belastete er sich selbst. Neben ihm saß kein Verteidiger, der den jungen Mann vor sich selbst hätte schützen können. Warum er ohne Not den Glücksspieler attackiert habe, fragte die Richterin. "Das kann ich Ihnen nicht sagen. Ich hab nicht groß drüber nachgedacht."

Sein Betreuer von der Jugendgerichtshilfe nennt Max "leicht reizbar". Drei Monate vor der Schlägerei hatte er einen jungen Mann verprügelt, weil der angeblich seine Freundin beleidigt habe. Fünf weitere Vorstrafen fing er sich seit dem achten Schuljahr wegen Hehlerei, Diebstahl und Raubes ein. Er wuchs mit vier Geschwistern bei der alleinerziehenden Mutter auf, schaffte den Realschulabschluss und ist jetzt Zivildienstleistender in einem Altenheim. Dort wird er 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten müssen. Danach rückt er für vier Wochen in die Gelnhausener Arrestanstalt ein. Schlusskapitel wird ein Zivilprozess sein.

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