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Angeklagter bestreitet Buckwitz-Mord

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Von: Anne Lemhöfer

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Dieser Mann ist angeklagt, dass er vor 20 Jahren die damalige Witwe Betsy Buckwitz ermordet haben soll. Vor dem Frankfurter Landgericht stritt er alles ab.
Dieser Mann ist angeklagt, dass er vor 20 Jahren die damalige Witwe Betsy Buckwitz ermordet haben soll. Vor dem Frankfurter Landgericht stritt er alles ab. © dpa

Es gibt Plastikhandschuhe, eine Kreditkarte und es gibt Schmuckstücke. Alle tragen seine DNA. Doch der angeklagte Busfahrer findet für alles simple Erklärungen. Von A. Lemhöfer

Arbeitsauftrag: Erzählen Sie eine Geschichte, in der a) ein Bus, b) die EC-Karte einer Toten, c) ein Leukoplaststreifen und d) keinesfalls ein Mord vorkommen. Horst-Josef K. lässt so eine Geschichte von seinem Verteidiger verlesen. Er müsste das nicht tun. Er könnte auch schweigen. In seiner Situation würden das wohl die meisten Menschen tun. Doch nicht so Horst-Josef K.

Der heute 57-jährige Familienvater aus Schmitten im Taunus steht als mutmaßlicher Mörder vor dem Frankfurter Landgericht. Er ist angeklagt, im Juni 1989 Margarethe Buckwitz, die Witwe des ehemaligen Frankfurter Schauspiel-Intendanten Harry Buckwitz, getötet und ihr Schmuck im Wert von 50.000 Euro gestohlen zu haben.

20 Jahre nach dem Verbrechen hatten die Ermittler die technischen Möglichkeiten, die DNA am Tatort zu entschlüsseln. Sie entdeckten Spuren am Leukoplaststreifen, mit dem Margarethe Buckwitz erdrosselt worden war. Im August 2008 war der Kraftfahrer in Schmitten festgenommen worden.

Der 2007 wegen sexueller Nötigung verurteilte Mann hatte im Zuge dieses Verfahrens DNA-Proben abgegeben, die sich mit Tatortspuren des Mords an der Intendantenwitwe deckten.

Der Angeklagte war nach der Tat von einer automatischen Kamera dabei fotografiert worden, wie er mit der Scheckkarte von Buckwitz Geld an einem Automaten abheben wollte. Doch für eine Anklage reichte das Bild damals nicht aus. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm jetzt Mord aus Habgier vor.

Er nennt sich einen Entertainer - für ältere Damen

Horst-Josef K. bestreitet das alles. Seine Geschichte geht so: 1989 war er Busfahrer ("Linien- und Kaffeefahrten"). Das habe ihm viel Spaß gemacht, besonders wenn er "ältere Menschen und Witwen" gefahren habe. Er habe sich als "Entertainer" verstanden, und mit seinen Passagierinnen bald auch ohne fahrbaren Untersatz Umgang gepflegt.

Es sei zu sexuellen Kontakten gekommen - unter anderem mit Magarethe Buckwitz, genannt Betsy, damals 74 Jahre alt. K., damals 37 Jahre alt, sagt, er sei häufig bei ihr in der Königsteiner Wohnung gewesen.

Kennengelernt habe er sie auf einem Parkplatz, wo er ihr defektes Auto ("es war nur der Kühlerschlauch") wieder funktionsfähig gemacht habe. Aus Dankbarkeit für seine Dienste ("ich war immer sehr warmherzig") habe sie ihn mit Geld und Geschenken entlohnt.

Einmal sei ihr Abfluss bei ihr im Bad verstopft gewesen. Da habe er hilfsbereit den Siphon mit einem Leukoplastreifen umwickelt, bevor beide gemeinsam in den Baumarkt fuhren und ein "Ersatzteil für 80 Pfennig" erstanden.

Dabei müsse Margarethe Buckwitz wohl blöderweise ihre EC-Karte zwischen den Sitzen in seinem Auto verloren haben. Er konnte sie dann nicht zurückgeben, denn Buckwitz fiel kurz danach dem Gewaltverbrechen, mit dem er nichts zu tun habe, zum Opfer.

K. lässt mitteilen, er habe die Karte ein Jahr später "entsorgen" wollen, doch der Bankomat in Fulda, wo er zu diesem Zweck "aufs geratewohl eine Pinnummer" eingab, machte fieserweise ein Foto von ihm.

Einzelne Stücke des geraubten Schmucks, die die Ermittler in seiner Wohnung fanden, seien Geschenke der alten Dame gewesen. Soweit die für die meisten Prozessbeteiligten überraschende Einlassung des Angeklagten.

Der Prozess gegen Horst-Josef K. wird ein Indizienprozess. Es sind lediglich fünf Verhandlungstage bis Ende April angesetzt, was für einem Kapitalverbrechen, das der mutmaßliche Täter leugnet, ziemlich wenige sind.

"Mutter erzählte nie etwas von einem lecken Abflussrohr"

An ein Liebesverhältnis zwischen ihrer Mutter und dem Busfahrer glaube sie nicht, sagt Sybille Buckwitz, die als Nebenklägerin und Zeugin auftritt. Sie hätte in den seinerzeit täglichen Telefonaten gegebenenfalls auch von einem lecken Abflussrohr erfahren. "Aber meine Mutter erwähnte das nie", sagt sie. "Sie war nicht auf der Suche nach einem Mann."

Auch die anderen Zeugen - , eine Bridge-Freundin der Ermordeten, Sybille Buckwitz' Lebensgefährte und eine Nachbarin - schildern Margarethe Buckwitz als eine Frau, die nach der Scheidung von ihrem Ehemann, der sie für eine andere Frau verlassen hatte, zunehmend verbittert gewesen sei und oftmals erwähnte, "mit den Männern" fertig zu sein.

Margarethe Buckwitz sei zudem eine ängstliche Frau gewesen, die immer die Tür-Kette schloss, keine Fremden in die Wohnung ließ und eins bestimmt nicht getan habe: ihren heiß geliebten Familienschmuck verschenkt.

Die Schwurgerichtskammer tritt am Freitag wieder zusammen. Dabei sollen auch Vernehmungen mittlerweile verstorbener oder sehr gebrechlich gewordener Zeugen verlesen werden.

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