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Interview mit Kinobetreiber

„Der alte Projektor ließ uns in 70 Jahren nie im Stich“

Warum Kinobetreiber Achim Weidinger trotzdem die Digitaltechnik besser findet.

Herr Weidinger, Ihre Familie betreibt im kleinen Köppern seit 1918 ein Kino, das aus weitem Umkreis Besucher anzieht. Wie kommt es, dass in Bad Homburg und Oberursel mit zusammen 90000 Einwohnern nur ein weiteres Kino existiert?

Die beiden Städte liegen nahe an Frankfurt und sind verkehrstechnisch optimal angebunden. Da gibt es Multiplexkinos und Programmkinos, die das Publikum anziehen und den Trend bestimmen.

Es gibt also keine Marktchance für neue Kinos in den Vordertaunusstädten?

Das sind Millionen-Investitionen, die ein Einzel-Unternehmer nur schwer stemmen kann. In Bad Homburg scheint die Stadt ja bereit zu sein, viel Geld einzuschießen. Ob das wettbewerbsgerecht ist stelle ich schon in Frage. Wir in Köppern müssen halt ohne Subventionen aus den Steuergeldern der Bürger auskommen.

Aber Sie können trotzdem überleben. Es gibt ja auch Kinos in anderen kleineren Städten wie Hofheim, Karben und Bad Nauheim. Und der hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch hat gerade verkündet, dass er auch an kleine Kinos 17500-Euro-Zuschüsse für die Umstellung auf Digitaltechnik auszahlt.

Da gehen wir leider leer aus. Die Subventionen kommen gerade in Hessen sehr spät. Wir haben die Digitalisierung mit größter Mühe selbst gestemmt. Aber das ist auch unser Anspruch an die eigene Innovationskraft und einer der Gründe für 93 Jahre Kino in Köppern.

Es gedeiht ja. Es muss einen Grund geben, warum die einst fünf Homburger Kinos bis auf eins ausstarben und Ihres nicht.

Wir haben unsere Kosten im Griff. Das Konzept scheint auch zu stimmen. Wir zeigen Schulkino, Programmkino und Mainstream und sind bei jeder Vorstellung persönlich präsent.

Stimmt es, dass die jungen Leute nach Frankfurt gehen und die älteren zu Ihnen ins Programmkino? Neulich führten Sie den türkischen Film „Bal – Honig“ auf. Da war der Saal voller Leute mit silbernem Haar.

Die Mehrheit der Besucher ist über Mitte dreißig. Die suchen oft eher das Familiäre. Das ist in größeren Häusern nicht zu finden. Gerade Arthouse Filme laufen bei uns besser als in mancher Großstadt. Da macht es nichts aus, wenn ein Film ein paar Wochen später ins Kino kommt.

Sie haben jetzt schon Erfahrungen mit dem modernen Videobeamer. Hat der Vorteile?

Klar. So eine herkömmliche 35-Millimeter-Filmrolle wiegt an die 30 Kilo. Ich kriege den Digitalfilm auf einer Festplatte mit einem Terabyte Volumen, ziehe ihn auf meinen Server und bekomme dann vom Verleih den Freigabeschlüssel. Ich kann den Film im vereinbarten Zeitraum so oft abspielen wie ich will. Es werden viel mehr Filme verfügbar. Außerdem haben Digitalfilme eine bessere Wiedergabequalität und ermöglichen uns die 3D-Projektion.

Und den Projektor aus den Vierzigern halten Sie noch in Schuss?

Ja, obwohl die 35-Millimeter-Kopien jetzt schon seltener werden. Für den Film „Menschen und Götter“ gab es nur 70 Kopien für über 4000 Leinwände. Aber ich bringe es nicht übers Herz, den Projektor zu verschrotten. Er hat uns in 70 Jahren nie im Stich gelassen.

Interview: Klaus Nissen

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