Leute, entspannt Euch! Vor jeder Sexismus-Debatte erst mal die pralle Kunst betrachten.
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Leute, entspannt Euch! Vor jeder Sexismus-Debatte erst mal die pralle Kunst betrachten.

Kunst-Ausstellung Bad Homburg

Drall, üppig und lustvoll

Ute Ringwald stellt ihre Frauenbilder in der Englischen Kirche in Bad Homburg aus, passend zur gegenwärtigen Sexismus-Debatte.Ihre Frauen sind rund und stark dargestellt.

Von Martina Propson-Hauck

Drall und üppig, mit geschürzten Lippen und riesigen Ausschnitten präsentieren sich die Frauen auf den Bildern von Ute Ringwald. Manche laufen ganz nackt zwischen Birkenstämmen durchs Bild, eine küsst von fern ein haariges Lama. Sie haben rotes Schlangenhaar wie Medea und stieren den womöglich voyeuristisch gestimmten Betrachter gleich selbst durchs Fernglas an. Alice Schwarzer würde vor so viel „Praller Lebenslust“ – so der Titel der Ausstellung – vermutlich nach Luft schnappen, Rainer Brüderle sicher ein Dirndl empfehlen.

Die Ausstellung erscheint wie eine geplante Bebilderung zur gegenwärtigen Sexismus-Debatte. Warum sie Frauen so rund und drall darstellt, sei kein politisches Statement, weder gegen Magermodells noch für Fettleibigkeit, sagt Ute Ringwald. Auch Angela Merkel hat sie gemalt: mit rotem Jackett, Dekolleté mit üppiger Oberweite, Pausbäckchen und den typisch zusammengepressten Fingern zwischen lauter Hähnen im Bundestag. Angies Gockel haben alle sehr unterschiedliche Gesichtsausdrücke.

Starke Frauen

„Ich habe schon beim Aktzeichnen im Studium viel lieber Frauen als Männer gemalt, sie sind einfach schöner und runder“, erläutert Ringwald. Ihre Motive changieren zwischen der matriarchalisch-archaischen Anmutung einer Venus von Willendorf (und ihren feministischen Vereinnahmungen) und frechem Augenzwinkern. Kunsthistorische Zitate finden sich in Mengen, unter anderem ein an da Vincis Abendmahl angelehntes weibliches Weingelage. Starke Frauen zwischen Kokotte und Bundeskanzlerin genießen das Leben in all seinen bunten Zügen.

Ringwald setzt ihre Figuren aus lauter Kugeln zusammen, die sie mit intensiven Aquarellfarben aufs Papier bringt: „Es macht einfach Spaß, solch sinnliche Formen künstlerisch umzusetzen.“ Lustvoll greift eine Dicke in Rot auf einem der Bilder dem Schwein auf ihrem Schoß an die Pobacke, während dieses genussvoll den Kopf an ihrem Kinn reibt.

Als Tochter einer Kunstmalerin im Schwarzwald aufgewachsen, lebt Ringwald (53) heute in Bad Vilbel. Im Brotberuf ist sie Produktdesignerin, entwickelt Verpackungen, Logos, Werbefilme für renommierte Agenturen. Vor zehn Jahren griff sie zum Pinsel – als Ausgleich zur Werbung. Mittlerweile unterrichtet sie eigene Schüler und lässt sich zur Kunstgeragogin (kulturelle Bildung für Ältere) weiterbilden. Ihr Ziel ist es, künftig künstlerisch mit an Demenz Erkrankten zu arbeiten.

Zu sehen sind die Bilder bis 24. Februar samstags und sonntags von 11 bis 14 Uhr sowie jeweils eine Stunde vor Beginn der Veranstaltungen in der Englischen Kirche, Ferdinandstraße.

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