1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus

Aida mit kleinen Pannen

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Mit "Aida" von Giuseppe Verdi wurde der Homburger Sommer eröffnet.
Mit "Aida" von Giuseppe Verdi wurde der Homburger Sommer eröffnet. © FR/Schick

Live, umsonst und draußen - die erste Open-Air-Oper im Kurpark hat den Bad Homburger Kultursommer eröffnet. Von Jürgen Streicher

Von Jürgen Streicher

Nun haben die von Champagnerluft verwöhnten Kurstädter und ihre Gäste also auch ihre Oper im Kurpark. Live, umsonst und draußen wie jegliche Kultur, die beim "Bad Homburger Sommer" serviert wird. In diesem Jahr erstmals sogar drei Wochen, bis zum traditionell klassischen Finale mit dem Johann-Strauss-Orchester am 18. Juli. Dann soll der Kreis sich schließen, wieder vor der Kulisse des Kaiser-Wilhelms-Bades, und natürlich wieder vor rund 5000 Besuchern wie bei der Eröffnung am Freitag.

Der Opern-Knigge gilt im Kurpark nicht. Am ersten wunderbar lauwarmen Abend des Sommers kommt der Kurstädter leger gekleidet zum Kulturgenuss, selbst der Kurdirektor trägt keinen Schlips. Das Volk kennt sich aus, von Aida in Verona ist die Rede, der Riesenarena dort, von Triumphmärschen und Gefangenenchören, man sitzt am gedeckten Tisch auf der Wiese zwischen Blumenrabatten, vor und hinter dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Ja, die Open-Air-Aida ist auch ein Riesen-Picknick im Freien.

Ich-bin-dabei-Buttons

Für Kurdirektor Ralf Wolter ein guter Moment, Herzen und Brieftaschen der Bad Homburger zu öffnen. Die (teure) Sommerkultur gebe es ja umsonst, ein anderes Projekt aber werde viel Geld verschlingen - die neue Orangerie und die neue Konzertmuschel. Dafür bieten rot gekleidete Damen für die Stiftung Historischer Kurpark sanft aufdringlich "Ich-bin-dabei"-Buttons an, um eine halbe Million Euro aufzubringen. "Die Mädchen dürfen nicht so schwer tragen", sagt der Kurdirektor, Scheine wären schon schöner.

Für die fehlenden Elefanten und Kamele hat sich Wolter vor der Aufführung unter Hinweis auf den Heilquellenschutz entschuldigt. Auch für nicht aufgebaute Pyramiden vor dem Kaiser-Bad, Denkmalschutz halt. Da konnte er noch nicht ahnen, dass Bühnenbild und Dekoration bei der Aufführung der Opera Classica Europa doch sehr karg ausfielen. Das angekündigte "herrliche Spektakel" Aida, das weltweit immer wieder fasziniert, blieb aus.

Verdis berühmter Triumphmarsch, mit dem Ägyptens Herrscher und ihre Priester den Sieg über Äthiopien feiern, hätte ruhig etwas triumphaler ausfallen können. Geschuldet auch der kleinen improvisierten Open-Air-Bühne, blieb die Aufführung statisch. Dass das Publikum im hinteren Bereich ob einer technischen Lautsprecherpanne bis zur Pause gar nichts hörte und viele frühzeitig abzogen, war ein Ärgernis.

Gut, wenn der Opernbesuch beziehungsweise das Picknick im Park in netter Gesellschaft stattfindet. Der Tonausfall wiegt dann nicht so schwer. Der Homburger geht um Mitternacht ohne Murren nach Hause, den Campingstuhl unterm Arm und mit dem Wissen, die erste deutschlandweit eintrittsfreie Open-Air-Oper erlebt zu haben. Sagt jedenfalls der Kurdirektor.

Auch interessant

Kommentare