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Bernd Vorlaeufer-Germer in dem Fluchtstollen unterhalb des Kransberger Schlosses, den KZ-Insassen gegraben haben.

Bernd Vorlaeufer-Germer in Bad Homburg

KZ-Häftlinge im Taunus

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Der Bad Homburger Regionalhistoriker Bernd Vorlaeufer-Germer befasst sich intensiv mit der Nazi-Zeit. Er will seine Erkenntnisse in einem Buch zusammenschreiben.

Bis zu 42 politische Häftlinge waren im Winter 1944/45 aus dem KZ Buchenwald nach Kransberg gebracht worden, um einen Fluchtstollen zwischen dem Dorf und den Bunkeranlagen im Schloss zu graben. Sie wurden dazu im KZ-Außenkommando „Tannenwald“ interniert. Allerdings bereitete das harte Felsgestein des Kransberger Schlossberges große Probleme, die Arbeiten wurden kurz vor Kriegsende wieder eingestellt.

Lange Jahre war davon öffentlich nichts bekannt - bis der Bad Homburger Regionalhistoriker Bernd Vorlaeufer-Germer dem Schicksal der KZ-Häftlinge auf die Spur kam. Inzwischen gehört das KZ „Tannenwald“ zu den festen Stationen seiner Alternativen Taunusrundfahrt und auch zu seiner Vortragsreihe an der Volkshochschule Bad Homburg, die wieder Ende Oktober beginnt. 

Dabei kann der 75-Jährige immer wieder neue Erkenntnisse präsentieren. Denn die Zeit des Dritten Reiches in der Rhein-Main-Region ist zu seinem Lebensthema geworden. So ist er derzeit dabei, das Schicksal von Gefangenen aus Luxemburg zu recherchieren, die am Flugplatz in Merzhausen eingesetzt waren. Außerdem konnte er  mehrere mobile KZ-Außenkommandos des sogenannten „Arbeitserziehungslagers“ Frankfurt-Heddernheim im Taunus identifizieren, etwa am Waldkrankenhaus in Köppern oder der Motorenfabrik Oberursel, aber auch die 12. SS-Eisenbahn-Baubrigade des KZ Sachsenhausen in Bad Nauheim und Friedberg. 

Lange Zeit habe er sich überhaupt nicht für Geschichte interessiert, bekennt Vorlaeufer-Germer. Zwei Jahrzehnte lang arbeitete der studierte Volkswirt in der Reisebranche, anschließend als Gewerkschaftssekretär beim DGB. Sein damaliger Kollege Harald Fiedler, später DGB-Chef in Frankfurt, habe Anfang der 80er Jahre angeregt, sich doch einmal mit den Umtrieben der Nazis im Taunus zu befassen. Und das hat Bernd Vorlaeufer-Germer bis heute nicht mehr losgelassen. Geholfen habe dabei seine angeborene Penetranz, sagt er. „Wenn ich mich einmal festgebissen habe, lasse ich nicht mehr los. Da bin ich wie ein Rauhaardackel.“ Deswegen habe er sich auch nicht entmutigen lassen, als er anfangs in manchen deutschen Archiven „gegen Gummiwände“ gelaufen sei. Viele wichtige Unterlagen fand er dann in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem. „Das war wie eine Offenbarung.“ 

Darüber hinaus gelang es ihm, direkten Kontakt zu ehemaligen KZ-Häftlingen aufzunehmen. Etwa zu Gerard Dziemba, der an den Arbeiten in Kransberg beteiligt war. Ein Jahr lang habe er mit ihm Briefe ausgetauscht, schildert Vorlaeufer-Germer. Dziemba habe ihm immer nur auf Polnisch geantwortet. Erst bei der direkten Begegnung in Bad Homburg habe sich das geändert. Er sei der erste Mensch gewesen, mit dem der ehemalige KZ-Häftling seit dem Krieg wieder Deutsch gesprochen habe. „Das hat mich sehr berührt“, sagt Bernd Vorlaeufer-Germer und bekommt bei dem Gedanken daran heute noch feuchte Augen. 

Eine wichtige Rolle bei den Recherchen des Regionalhistorikers spielt das Führerhauptquartier „Adlerhorst“, das Adolf Hitler 1939 an der Grenze zwischen Wetterau und Taunus hat errichten lassen. Lange blieb es ungenutzt, lediglich zwischen Dezember 1944 und Januar 1945 verbrachte Hitler ein paar Wochen in einem Bunker im heutigen Butzbacher Stadtteil Wiesenthal. Auf Schloss Kransberg, das ebenfalls Teil des Führerhauptquartiers war, residierten während dieser Zeit abwechselnd Hermann Göring und Heinrich Himmler.

1999 hat Bernd Vorlaeufer-Germer in Butzbach seinen ersten Vortrag über dieses Führerhauptquartier gehalten. Derzeit ist er dabei, sein umfangreiches Wissen zusammenzufassen. Geplant ist ein Buch mit dem Arbeitstitel „Der Taunus im Zweiten Weltkrieg“. Wann es erscheinen kann, ist allerdings noch unklar. Bislang habe er dafür noch keinen Verlag gefunden, bedauert der Regionalhistoriker. 

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