1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus

Acht Euro pro Quadratmeter

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Wer von Sozialhilfe oder Hartz IV lebt, findet im Vordertaunus kaum eine Wohnung. Deshalb fordert die Wohnhilfe den Kreis auf, endlich höhere Mieten zu akzeptieren. Von Klaus Nissen

Von Klaus Nissen

Wie viele Arme gibt es im Hochtaunus? Die Kreisverwaltung wisse es - aber sie behalte die Zahlen für sich, kritisiert Christoph Diringer vom Vorstand der Ökumenischen Wohnhilfe Taunus. Andere Landkreise hingegen veröffentlichten regelmäßig Sozialberichte.

Vierstellig ist nach Vermutung des von der evangelischen und katholischen Kirche getragenen Wohnhilfe-Vereins die Zahl jener Sozialhilfeempfänger, die dringend eine Wohnung brauchen, aber keine finden. Wegen der hohen Mieten und weil der Kreis nur für Kaltmieten aufkommt, die nach einer Mietpreistabelle von 1996 berechnet sind.

Bei einem Vier-Personen-Haushalt zahle der Kreis maximal 432 bis 620 Euro Kaltmiete pro Monat - je nach Baujahr des Hauses. So legten viele Sozialhilfeempfänger noch aus ihrem Regelsatz (359 Euro pro Erwachsener und Monat) drauf oder sie machten Mietschulden und würden schließlich auf die Straße gesetzt, beklagt Wohnhilfe-Geschäftsführer Marcus Krüger. Sozialdezernent und Erster Kreisbeigeordneter Wolfgang Müsse (FDP) weigere sich seit Jahren, die Mietpreistabelle der Realität anzupassen.

Am Montag machte die Wohnhilfe auch im Namen der Liga der Freien Wohlfahrtsverbände (Caritas, Diakonie, Rotes Kreuz) einen Verbesserungsvorschlag: Bis zu acht Euro Kaltmiete pro Quadratmeter solle der Kreis bei alleinstehenden Sozialhilfeempfängern im Vordertaunus zahlen. Die Nebenkosten (ohne Heizung) dürften zwei Euro pro Quadratmeter und Monat nicht übersteigen.

Beispiel: In Bad Homburg dürfte ein Zwei-Personen-Haushalt in einer 62-Quadratmeter-Wohnung dann maximal 570 Euro Mietkosten haben. Zurzeit übernimmt der Kreis laut Krüger maximal 486 Euro.

Zu diesem Thema veranstaltet die Wohnhilfe am Montag, 3. Mai, ab 20 Uhr ein gesellschaftspolitisches Forum in der Bad Homburger Stadtbibliothek an der Dorotheenstraße 20. Das Motto: "Als Kunde bezeichnet, als Bettler behandelt? Leben mit Hartz IV im Hochtaunuskreis".

Auf dem Podium sitzen unter anderen Wolfgang Gern, Vorstandschef des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau, der SPD-Kreispolitiker Manfred Gönsch und Kerstin Giger (CDU). Müsse habe die Teilnahme abgelehnt, so Krüger. Er wolle auch keinen Vertreter schicken. Müsse war gestern nicht erreichbar.

Auch interessant

Kommentare