1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus

Abwärts am Nordhang

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Olaf Velte

Kommentare

Mit Karacho: Mountainbiker suchen den Kick auf Gefällstrecken.
Mit Karacho: Mountainbiker suchen den Kick auf Gefällstrecken. © Bildagentur-online/Tetra

Ein Bike-Park am Feldberg soll Mountainbiker von den illegalen Strecken holen. Zwei Downhill-Strecken von jeweils zwei Kilometern Länge sollen entstehen. Bis zur Realisierung müssen noch einige Hürden genommen werden.

Die Feldbergregion ist seit jeher beliebtes Ausflugsziel. Zu den Spaziergängern und Radwanderern haben sich seit einigen Jahren auch Individualsportler gesellt: Mountainbiker auf der Suche nach dem ultimativen Adrenalinstoß.

Immer mehr Extremradler stürzen sich mittlerweile zu Tal, kommen Wanderfreunden in die Quere, verlassen die befestigten Wege. Eine Situation, mit der weder Waldbesitzer und Umweltschützer noch Forstbedienstete zufrieden sind. An einer Lösung des Problems wird derzeit gearbeitet: Am Nordhang des Großen Feldbergs soll ein Bike-Park entstehen – initiiert von dem Verein Wheels over Frankfurt und mit dem Segen der zuständigen Behörden.

Seit acht Jahren, so Vereinsvorsitzender Johannes Weinkauff, bemühe man sich um ein geeignetes Gelände. Die Wahl ist auf die sogenannte Nordbahn – eine längst stillgelegte Skipiste – gefallen. Im Gemarkungsteil der Großgemeinde Schmitten sollen zwei Downhill-Strecken von jeweils zwei Kilometern Länge entstehen. 200 Höhenmeter können dort bewältigt werden, garniert mit Kurven und Schikanen. Wenn alle Bewilligungen erteilt sind, will Wheels over Frankfurt als Erbauer und Betreiber des Parks fungieren. „Kommerziell ist das Ganze nicht“, sagt Weinkauff.

Vielmehr werde den Freebikern ein Angebot gemacht, das als Alternative zu den illegalen Abfahrten zu verstehen sei. „Das Potenzial dafür ist vorhanden.“ Als Zielgruppe nennt Weinkauff die „mehr als 200 Downhiller“ aus der näheren Umgebung. Eine Klientel, deren sportlicher Drang in andere Bahnen gelenkt werden soll. Ralf Heitmann, Leiter des Forstamts in Königstein, kann das nur begrüßen: „Was derzeit hier abläuft, verstößt gegen das Waldgesetz.“ Während sich viele Biker an die Regeln hielten, gebe es auch etliche Unverbesserliche, die rücksichtslos auf wilden Routen durch naturgeschützte Areale rasen würden. Besonders die empfindliche Südhangseite des Feldbergs ist betroffen.

In regelmäßigen Abständen bauen die Forstleute illegale Sprungschanzen ab und versperren die Zufahrten – ein Kampf gegen Windmühlenflügel. Da ist der Verein als Kooperationspartner sehr willkommen. Bis zur Realisierung des Bike-Parks müssen noch einige Hürden genommen werden: Letzte Einlassungen von Natur- und Denkmalschutz stehen noch aus, auch in Schmitten läuft die Detailprüfung.

Zwei Jahre Zeit für Anlage

Johannes Weinkauff ist zuversichtlich. „Das ist ein konstruktiver Prozess, bei dem alle an einem Strang ziehen.“ Im Mai kommenden Jahres – wenn die Saison der Zweiradfreunde beginnt – sollen Teilstrecken in Betrieb genommen werden. Die Bauarbeiten werden von den Vereinsmitgliedern durchgeführt – „mit Schaufel und Spitzhacke.“ Das Vorankommen werde aber von der Wetterlage beeinflusst.

Zwei Jahre Zeit gibt sich der Verein, um die Anlage reizvoll zu gestalten – Variationen des Eingefahrenen sind vorgesehen. Während die Gruppe der Downhiller am Nordhang begeistert werden soll, bereitet der Naturpark Hochtaunus den Distanzfahrern ein Angebot: Derzeit ist ein Arbeitskreis damit beschäftigt, sogenannte Flowtrails auszuweisen. Diese sollen unweit der forstlichen Hauptwege verlaufen und ein eigenes Streckennetz bilden.

Schon heute ist allen Beteiligten klar, dass nicht alle Extremfahrer gelenkt werden können. „Eine ideale Lösung wird es wohl nicht geben“, sagt Ralf Heitmann. Auch Weinkauff gibt sich keinen Illusionen hin: „Man wird niemals alle erreichen.“

Auch interessant

Kommentare