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Abschied von der Oldtimerbahn

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Von: Florian Leclerc

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Dieser Wagentyp hat nun endgültig ausgedient. Die Mitfahrer steigen am Oberurseler Bahnhof aus.
Dieser Wagentyp hat nun endgültig ausgedient. Die Mitfahrer steigen am Oberurseler Bahnhof aus. © Monika Müller

Nach fast 50 Jahren geht die U-Bahn vom Typ U2 in Rente. Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt beschert dem Oldie einen würdevollen Abschied und lässt ihn in mehreren Fahrten zwischen Frankfurt und dem Bahnhof Oberursel pendeln.

Die Veteranen des Frankfurter Nahverkehrs kommen in den Ruhestand. Am 4. Oktober 1968 rollte erstmals eine U-Bahn vom Typ U2 entlang der neu erbauten Strecke zwischen Hauptwache und Nordwestzentrum. Nun geht die Oldtimerbahn in Ruhestand. Gestern nahmen hunderte Besucher Abschied, auch am Oberurseler Bahnhof.

Damals, vor 48 Jahren, räkelten sich Anzugträger auf den hellbraunen Kunstledersitzen. Sie stiegen über ausfahrbare Klappstufen aus, klagten nicht über das Festhalterohr am Türeingang, an dem weder Rollstühle noch breite Kinderwagen vorbeikommen, und auch nicht über die fehlenden Klimatisierung.

„Im Sommer waren die Bahn eine Sauna“, sagt Mark Jacquemin. Mit Opa Klaus und Sohn Leo ist am Sonntag auf Abschiedsfahrt von Oberursel zur Römerstadt. „Ich habe einen Teil meiner Jugend in dieser Bahn verbracht“, sagt er. „Beeindruckend“ findet er, dass die Wagen so lange gehalten hätten. „Das spricht für die Qualität.“ Der achtjährige Sohn findet die Bahn gut, „weil sie so alt ist“.

„Sie ist ein Stück Geschichte“, sagt Niklas Broich. Aus Düsseldorf ist der 14-Jährige am Sonntag angereist, um dabei zu sein. Nahverkehr sei „sein Hobby, von klein auf“. Die fehlende Klimatisierung störe ihn nicht. „Einfach Fenster aufmachen.“

„Wenigstens kann man hier noch die Fenster öffnen, im Gegensatz zu den neuen Zügen“, sagt Wolfgang Schmidt aus Oberursel. Die Heizung sei im Winter „sehr wirksam“ gewesen. Der 65-Jährige war schon bei der Jungfernfahrt 1968 dabei. Er lobt die Schnelligkeit der Bahn, aber auch ihre Bremsen. Dann fährt er mit der Hand über den Sitz. „Die waren oft aufgeschlitzt“, sagt er. Das wissen auch die Polsterer der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) nur zu gut.

Der Nahverkehrshistoriker Heinz Urban vom Verein der Frankfurter Eisenbahn- und Nahverkehrsfreunde kennt sich nicht nur mit historischen Fahrplänen aus, sein Fachgebiet. Es sei „eine Leistung“, sagt der 79-Jährige, dass die Wagen von Hersteller Siemens Duewag fast ein halbes Jahrhundert gehalten hätten. Man müsse „abwarten“, ob die neuen U5-Wagen vom Hersteller Bombardier so robust seien. Die drei verbliebenen Wagen rollen nach der Tour am Sonntag in den Betriebshof Ost rollen, wo sie für Sonderfahren bereit stehen. „Für Partyfahrten sind sie mietbar“, sagt VGF-Sprecher Bernd Conrads.

Für die übrigen Wagen heißt es, Abschied nehmen. Sie werden verschrottet, weil sich kein Abnehmer findet. Ein kleiner Trost: Die neuen Wagen (Typ U5) sind klimatisiert, ebenerdig zugänglich und Rollstühle und Räder haben Platz. Nur die Fenster lassen sich nicht öffnen.

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