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Abschied von Charly

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Von: Andrea Herzig

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Bis Ende 2016 wollen die Handwerker fertig sein. Bereits sanierte Fassade des alten Gebäudeteils des Steigenberger Hotels.
Bis Ende 2016 wollen die Handwerker fertig sein. Bereits sanierte Fassade des alten Gebäudeteils des Steigenberger Hotels. © M. Schick

Ein Hotel macht sich auf in die Moderne / Zehn Millionen Euro Renovierungskosten.

An Weihnachten will Ilgo Hagen-Höhn fertig sein. Ein ehrgeiziges Ziel, aber der rührige Direktor des „ersten Hauses“ in Bad Homburg wirkt sehr entspannt, als ob die Renovierung nur Spaß und kaum Belastung sei. Hotelkonzern und Immobilien-Eigner setzen dafür immerhin zehn Millionen Euro ein.

Gegenüber den Gästen wird der eineinhalbjährige Sanierungsmarathon offen kommuniziert. Wortwörtlich, in der Lobby erlauben Gucklöcher den Blick in Bar und Lounge, wo gerade die Schweißerflamme lodert. Man biete immer noch den kompletten Service eines Fünfsternehotels, sagt Hagen-Höhn selbstbewusst. Nur die Dauergäste, das Haus hat einige, die über Jahre oder Monate logieren, hat das Hotel vorübergehend umgezogen, wenn laute Mauerspitzereien anstanden.

Jetzt sind die Zimmer fertig, ein Teil der Fassade auch, nach und nach ist nun das Untergeschoss dran mit Bar und Bankettsaal. Das Haus zu schließen, kam nie in Frage. „Da sind Sie weg vom Markt“, urteilt Hagen-Höhn, der schon mehrere Häuser der Kette geführt hat.

Der letzte Umbau liegt 25 Jahre zurück und aus dieser Zeit stammt auch die bisherige Ästhetik der Räume. Das Bad mit Bordüren, viel Braun, Gelb, spiegelndes Dunkel, überall Dreiecke, die späten 80er grüßen. Einen angestaubten Charme attestierten Besucher dem Haus. Jetzt sei der Staub weg, garantiert der Chef und führt stolz über die traditionell dicken Teppiche der Flure.

Die Verantwortlichen haben sich Gedanken gemacht, wo das Hotel noch an seine Geschichte anknüpfen sollte. Herausgekommen ist zweierlei: Im Interieur wirbt das Haus mit dem historischen Homburg. Sieben Gemäldemotive aus dem Besitz des Sammlers Eric Leonhardt hängen in großformatigen Replika auf Fluren und Zimmern, schwarz-weiße Fototapeten versprechen die Anmutung von Park. Doch hier endet der Bezug zum Ur-Hotel, dem „Ritter’s Parkhotel“. „Charly’s Stubb“ in Erinnerung an Carl Ritter wird es nicht mehr geben. Das Steigenberger

zielt mit seiner neuen warmen, aber sachlichen Ästhetik in Naturtönen in die Moderne. Der Gast kommt fürs Business, nicht zur Kur.

Die knappe Hälfte der Fassade ist bereits renoviert. Nur hier hat die Denkmalbehörde mitgeredet, das dreiteilige Gebäude hat Ensembleschutz. Im Inneren ist alles aus den 1990ern, ans Original erinnert nur der Gebäudeteil rechts an der Ecke zur Kisseleffstraße mit seinen Spitzbögen an den Fenstern, hinter denen jetzt die 45 Quadratmeter großen Juniorsuiten untergebracht sind.

Die neue Fassade wirkt heller, zurückgenommener, eleganter. Auch die Auffahrt bekommt ein Lifting und verliert ihren kastigen Protzton. Mehr Garten vor der Fassade freut künftige Besucher der Terrassen von Bar- und Restaurant. An dieser Stelle stockt des Direktors Elan: die Lärmauflagen des Kurbezirks, der kurioserweise auf der anderen Seite der Kaiser-Friedrich-Promenade nicht besteht. Hagen-Höhn ist im Dauergespräch mit den Behörden.

Mit dem neuen Outfit will das Haus preislich nach oben. Die Zimmerpreise variieren sehr, der Basistarif liegt bei 109 Euro, zu großen Messen können das 500 Euro sein, plus Aufschläge für höhere Zimmerkategorien.

Das Steigenberger verdient sein Geld mit Geschäftskunden, Kur und Tourismus spielen keine Rolle. Hagen-Höhn macht sich Sorgen um das Image der Stadt. Sie werde nicht für ihre Gewerbeansiedlung wahrgenommen. Äußerst dringend müsse ein Stadtmarketing aufgestellt werden und die Stadt weg vom „Champagnerluft“-Slogan. Auch das ins Stocken geratene Kongressgeschäft im veralteten Kurhaus beurteilt der Hoteldirektor skeptisch und hofft auf ein neues Leitbild, das auch große Investitionen möglich machen könnte.

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