1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus

3000 Schritte pro Tag

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Teilnehmer der Aktion "Bewegung macht Sinn"
Teilnehmer der Aktion "Bewegung macht Sinn" © Michael Schick

Jeder Mensch sollte jeden Tag 3000 Schritte zu Fuß zurücklegen - sagen Gesundheitsexperten. Acht Frauen haben's in Bad Homburg ausprobiert.

Von Martina-Propson-Hauck

Der Büromensch lebt mit permanent schlechtem Gewissen. Natürlich weiß er, dass er sich zu wenig bewegt, zu lange und meist falsch am PC sitzt und abends den Kampf mit dem bekannten Schweinehund fast immer verliert. Statt Jogging also Füße hoch und Couch, zu fettes Essen und das Feierabendgläschen. Gesund leben geht anders.

Wer mit gesenktem Haupt abends am Fitnessstudio vorbeifährt und beim Gedanken an glänzende Hanteln bereits mutlos wird, braucht mehr und andere Aufraff-Faktoren als die ohnehin Fitnessabonnierten. Warum also nicht einfach mal gehen? An der frischen Luft und unter Kontrolle der Apothekerin des Vertrauens. Klingt nicht allzusehr nach Anstrengung, dafür aber nach viel Effekt: 3000 Schritte sollen „Geist und Seele gut tun“, heißt es in der Ankündigung. Wieviel sind 3000 Schritte? Drei Kilometer bei recht raumgreifendem Ausschreiten, mit Trippelschrittchen eher weniger – zu schaffen für jeden.

Acht Frauen stehen also am Mittwochnachmittag pünktlich um 15 Uhr vor der Hirsch-Apotheke in der unteren Louisenstraße mit Schuhwerk vom derben Wanderstiefel über den Allzweckfreizeitschuh zum absolut overdressten Jogginggerät. Zügig geht es los, an der Russischen Kapelle und der Orangerie vorbei zu den sieben verschiedenen Mineralbrunnen des Kurparks. Die Sonne strahlt, Herbstlaub leuchtet, Kastanien prasseln auf die Erde. Die aufkeimende Bewegungsfreude wird einzig ein klein wenig durch Kostproben der salz-, schwefel- und eisenhaltigen Gebräue getrübt. Die Apothekerinnen Cora Menkens und Petra Kühl wollen ihre Kunden nicht nur in Bewegung bringen, sondern auch ein wenig informieren. Etwa darüber, dass der Arsenwert im Elisabethenbrunnen fast grenzwertig hoch ist und warum es am Louisenbrunnen so nach faulen Eiern stinkt. Der hohe Salzgehalt in fast all diesen Wassern erschreckt die Geherinnen dann doch. Nicht alles, was Kurenden zur Kaiserzeit verschrieben wurde, gäbe es heute ohne kritischen Ratschlag vom Apotheker. „Für Nieren und Blutdruck ist das in großen Mengen schlecht“, sagt Kühl beim Ausflug in die praktische Pharmakologie der Kurparkquellen.

Durch ein wenig mehr Bewegung im Alltag kann man Herz und Kreislauf in Schwung bringen, sein Immunsystem stärken, Stress reduzieren und Zivilisationskrankheiten wie Diabetes vorbeugen, weiß Cora Menkens, die Inhaberin der Apotheke, und alle nicken. Die Damen im Rentenalter bewegen sich offenbar ohnehin viel öfter als Berufstätige, die ständig am Schreibtisch sitzen. Die jüngste Teilnehmerin (37) ist gleich nach der Arbeit gekommen, weil sie nach einer Erkrankung jetzt richtig was für die Gesundheit tun will. Der frühe Nachmittag ist vermutlich aber nicht für allzuviele Berufstätige günstig für ein Fitness-Päuschen.

Damit die 3000 Schritte zur täglichen Gewohnheit werden, gibt es im Oktober noch drei weitere Treffs. Die Aktion „Bewegung macht Sinn – 3000 Schritte extra“ geht auf eine Initiative des ehemaligen Gesundheitsministers Jürgen Banzer zurück und wird von der Landesapothekerkammer unterstützt. In Hessen beteiligen sich 17 Apotheken. Treffpunkt mittwochs um 15 Uhr an der Hirsch-Apotheke, Louisenstraße 102.

Auch interessant

Kommentare