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Die Schülervertreter wollen auch mehr Flexibilität – etwa die Möglichkeit, bei Hitze die Unterrichtsstunden von 45 auf 30 Minuten zu verkürzen.

Petition

Hitzefrei auch in Hessens Oberstufe

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Der Landesschülerbeirat startet Petition. Doch das Ministerium will die aktuelle Regelungen nicht ändern.

Eine Reform des Hitzefrei-Erlasses fordert der Landesschülerrat. Am Montag hat er dazu eine zweimonatige Unterschriftensammlung für eine Petition an den Landtag gestartet. Ziel ist, dass auch Schüler der Berufsschulen und Oberstufen bei großer Hitze nicht mehr in ihren Klassenräumen brüten müssen. Auch sollen die 2009 abgeschafften Temperaturrichtwerte wieder eingeführt werden. Derzeit liegt es alleine im Ermessen der Schulleiter, ob es zu heiß ist, um zu lernen.

Die Schülervertreter wollen auch mehr Flexibilität – etwa die Möglichkeit, bei Hitze die Unterrichtsstunden von 45 auf 30 Minuten zu verkürzen. Die gesetzlichen Regelungen müssten dem spürbaren Klimawandel angepasst werden, argumentiert der für Recht zuständige Ausschussleiter Marcel Kalif: „Die derzeit gültigen sind es nicht, was insbesondere daran erkennbar wird, dass zahlreiche Schulen in der Praxis heute bereits rechtswidrig davon abweichen.“

Wie es die anderen regeln

In Baden-Württemberg, Hamburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Thüringen gelten gleiche Regeln wie in Hessen: Die Entscheidung über Hitzefrei liegt im Ermessen der Schulleiter.

In Bayern kann in Sekundarstufe I bei „besonders heißen Temperaturen“ der Unterricht „ausnahmsweise vorzeitig“ beendet werden kann. Auch in Baden-Württemberg gibt es keine Vorgaben. In Berlin soll „der Unterricht den Witterungsverhältnissen angepasst stattfinden.“

In Bremen kann ab mindestens 25 Grad im Gebäude der Unterricht in der nächsten Stunde beendet werden. In Nordrhein-Westfalen entscheidet der Schulleiter ab einer Raumtemperatur von mehr als 27 Grad Celsius. 

Wie in meisten Bundesländern gilt auch in Hessen Hitzefrei nicht für Oberstufenschüler, Berufsschüler sowie Schüler des Zweiten Bildungswegs. Dabei könnten auch sie und ihre Lehrer sich bei hohen Temperaturen nur noch schwer konzentrieren, sagt Landesschulsprecher Tom Sohl der FR. Nicht immer gebe es die Möglichkeit, in Räume auf der Nordseite des Schulgebäudes umzuziehen oder unter einen Baum. Dass Hitzefrei die Vorbereitungen für das Abitur gefährden könnte, lässt er als Argument nicht gelten. Oberstufenschüler seien durchaus in der Lage, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen. „Man traut uns da zu wenig zu.“

Die konkreten Forderungen stehen in der Petition: Bei Temperaturen von mehr als 24 Grad kostenlose Getränke ab der Mittagspause für alle. Verzicht auf Hausaufgaben oder andere Unterrichtsformen, wenn um 11 Uhr das Thermometer mehr als 24 Grad in der Sekundarstufe 1 zeigt beziehungsweise 26 Grad für die Älteren. Kürzere Stunden oder Unterrichtsende nach der 5. Stunde bei mehr als 26 Grad respektive 28 Grad. Ein festes Quorum gebe es nicht, so Sohl. „Unser selbstgesetztes Ziel beläuft sich auf 2000 Unterschriften.“

Das Kultusministerium sieht keinen Anlass, die auf Eigenverantwortlichkeit der Schulen basierenden Regelungen zu ändern, sagt Sprecher Stefan Löwer. Weder Staatliche Schulämter noch die Verbände, der Landeselternbeirat oder der Landesschülerrat hätten bisher eine Erweiterung des Erlasses auf die Sekundarstufe II angeregt. Zudem seien die Schüler dort in einem Alter, in dem sie auch in der Arbeitswelt tätig sein könnten, in der es auch kein Hitzefrei gebe. Der Verzicht auf eine starre Temperatur- und Zeitgrenze habe sich bewährt.

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