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Hilfeschrei der Handwerkerschaft

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Von: Walter Mirwald

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Protest gegen die „Geisterfahrt der Energiepolitik“: Metzger Oliver Weber, Bäcker Raimund Dorn und Landrat Cyriax (von links).
Protest gegen die „Geisterfahrt der Energiepolitik“: Metzger Oliver Weber, Bäcker Raimund Dorn und Landrat Cyriax (von links). © Walter Mirwald

Exorbitante Energiekosten treiben die Betriebe in den Ruin. In Hofheim wird eine Online-Petition vorgestellt.

Main-Taunus - Die Kreishandwerkerschaft Main-Taunus und Hochtaunus fordert in einer Petition die Bundesregierung auf, „angesichts der sich zuspitzenden Energiekrise die Sorgen der Menschen endlich ernst zu nehmen, jetzt zu handeln und die Verwaltung des Mangels zu beenden“. Die Petition, die online gestellt ist, wurde in Hofheim von dem Kreishandwerksmeister und stellvertretenden Obermeister der Bäckerinnung, Raimund Dorn, und dem Obermeister der Fleischerinnung Main-Taunus und Hochtaunus, Oliver Weber, im Beisein von Landrat Michael Cyriax (CDU) vorgestellt.

In der Petition heißt es, dass sich eine Vielzahl von Bürgerinnen und Bürgern sowie kleinen und großen Betrieben die extrem gestiegenen Energiepreise nicht mehr leisten können. „Deshalb brauchen wir eine zügige und wirksame Umsetzung des angekündigten Deckels für Gaspreise und die Festlegung eines Deckels für Strompreise“, sagt Bäckermeister Dorn, der in Kelkheim-Münster einen Betrieb in dritter Generation betreibt.

Die Forderung der Kreishandwerkerschaft lautet: „Vorziehen der Gaspreisbremse, denn bis das zum Gesetz wird, ist es für uns zu spät.“ Gefordert wird zudem, die Energieversorgung für Haushalte, Gewerbe und Industrie mit einer pragmatischen Nutzung aller Energiequellen und einem breiteren Energieangebot verlässlich zu gestalten.

Dorn und Weber weisen darauf hin, dass viele Betriebe schließen oder die Öffnungszeiten verkürzen müssen. „Wenn kerngesunde Betriebe überlegen zuzumachen, dann müssen doch die Alarmglocken läuten“, sagt Weber und fügt hinzu: „Der Staat muss eingreifen. Die Grundversorgung darf kein Spielkasino werden.“ Raimund Dorn sagt, dass er in diesen inflationären Zeiten einen Laib Brot eigentlich für 7 Euro verkaufen müsste. 2020 habe der Heizölpreis bei 41,9 Euro für 100 Liter gelegen, 2021 bei 90,3 Euro, heute bei 168,2 Euro. Auch der Mehlpreis habe sich im Vergleich zum Februar dieses Jahres verdoppelt.

„Ich kann die Kühlung nicht abschalten“

Metzger Weber klagt, dass sich der Preis für das notwendige Material bis zu 120 Prozent verteuert habe, zum Beispiel für Gewürze und Därme-Verpackungen. Er spricht zudem von einer überdimensionalen Steigerung der Gas- und Stromkosten, aber: „Ich kann die Kühlung nicht abschalten.“ Für die großen Fleisch- und Wurstfabriken werde gesorgt, aber die regionale Grundversorgung im Stich gelassen. Weber erinnert daran, dass Metzger und Bäcker die Gastronomie beliefern. Auch diese werde von steigenden Preisen erschlagen: „Viele Restaurantbesitzer überlegen, ob sie bei den Preisen überhaupt Weihnachtsgänse anbieten können.“ In Webers Schaufenster im Geschäft in der Sulzbacher Hauptstraße sind derzeit keine Fleisch- und Wurstwaren zu sehen, sondern die Aufforderung, die Petition zu unterschreiben unter dem Motto „Vereint gegen die Geisterfahrt der Energiepolitik - Versorgung bezahlbar und sicher gestalten“.

Landrat Michael Cyriax ist dankbar, dass die Kreishandwerkerschaft die Probleme öffentlich macht. Er fordert: „Wir brauchen eine andere Energiepolitik. Es muss alles bezahlbar sein. Große Teile unserer Bevölkerung sind betroffen.“ Cyriax appelliert, für eine Lösung alle Ressourcen zu nutzen, die infrage kommen. Raimund Dorn kann sich einen ironischen Schuss in Richtung Berlin nicht verkneifen: „Die Betriebe in unserer Region haben Fachkräftemangel, aber der herrscht auch in den Berliner Regierungskreisen.“ Dorn kritisiert die taktischen Spielchen der Parteien: „Die Grünen warten ihren Parteitag ab, die SPD die Niedersachsenwahl. Alle wollen nur mit ihrer Partei gut dastehen.“

Von Hofheim aus solle ein Signal ins Land gehen. „Wir schicken das über sämtliche Netzwerke, damit es deutschlandweit Gehör findet und möglichst viele Bürger unterschreiben“, sagen Dorn und Weber.“

Zu der Petition gelangt man über die Internetseite der Kreishandwerkerschaft. Die Adresse lautet www.kh-mtk-htk.de.

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