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Hilfe für pandemiegestresste Familien

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Stadt will Eltern, Kinder und Jugendliche unterstützen / „Kinderbüro on Tour“

OBERURSEL - Monatelang waren Schulen und Kindertagesstätten im Jahr 2020 geschlossen. Kontakte zu anderen Menschen mussten auf das Allernotwendigste reduziert werden, um Ansteckungen mit dem damals neuartigen Coronavirus zu vermeiden. Denn die Corona-Pandemie wütete und Impfungen gab es noch nicht. Viele Oberurseler Familien hatten es in dieser Zeit schwer. Um herauszufinden, wie ihnen - mit den vorhandenen finanziellen Ressourcen der Stadt - künftig am besten geholfen werden kann, hatte der Magistrat eine Umfrage in Auftrag gegeben, die jetzt im Sozial-, Bildungs- und Kulturausschuss besprochen wurde. Denn im kommenden Winter droht möglicherweise wieder eine Verschärfung der Pandemiesituation.

Den Anstoß zu der Umfrage, die Ende 2021 durchgeführt wurde, hatte der Stadtelternbeirat gegeben. Die Quintessenz: „Gutsituierte Familien mit Haus und Garten kamen relativ gut durch die Krise. Für ärmere Familien, die in beengten Verhältnissen leben, war es dagegen sehr schwierig“, berichtete Erster Stadtrat Christof Fink (Grüne). Vor allem im Blick behalten müsse man die zehn- bis 14-Jährigen. Sie hätten es besonders schwer gehabt.

Und manche Eltern waren mit den Nerven am Ende: „Ich kam an meine persönlichen Grenzen. Meinen verzweifelten Kindern konnte ich nicht helfen, weil ich selber verzweifelt war, das war am schlimmsten“, klagte eine Person. Ein 14 Jahre alter Jugendlicher hatte sogar Suizidgedanken. „Ohne Freunde, ohne Kontakte macht mein Leben keinen Sinn“, sagte er frustriert. Auch Schulunterricht zu Hause war in manchen Familien ein Riesenproblem. Ein Elternteil berichtete: „Homeschooling, das ist eine Katastrophe. Mein Sohn möchte immer nur fernsehen oder mit dem Tablet spielen. Wenn wir gesagt haben, du musst mal was lesen, explodierte er.“

Die Stadt hat die Ergebnisse der Studie als Grundlage für einen Maßnahmenplan genommen. Schon gestartet sei das „Kinderbüro on Tour“, berichtete Fink. „Die Kollegen fahren regelmäßig per Lastenfahrrad zu den öffentlichen Spielplätzen und machen dort zusätzliche Freizeitangebote.“ Zudem könnten Eltern dort mit Sozialpädagogen sprechen. Für Jugendliche sollen die öffentlichen Freizeit- und Sportflächen aufgewertet werden. Von Ende 2023 an soll es dort feste Angebote der mobilen Jugendsozialarbeit geben.

Schon Anfang 2024 dagegen soll es speziell für Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 14 Jahren in Horten Projekte in Kooperation mit dem Café Portstrasse geben. „Wir begreifen den Maßnahmenplan als ständigen Auftrag“, sagte Fink. Wenn die eine oder andere Sache teurer würde, als im Haushalt geplant, werde eine separate Beschlussfassung notwendig. Alle Ausschussmitglieder stimmten zu.

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