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Wenn sogenannte Klemmfixe - wie hier - in Frankfurt - Radweg und Fahrbahn trennen, sind Radfahrer sicherer unterwegs. 

Radverkehr

Hessisches Netz für Alltagsradler

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Tarek al-Wazir will Kommunen beim Radwegebau unterstützen und kündigt den Bau überörtlicher Routen an.

Am heftigsten sind die Proteste, wenn Parkplätze wegfallen sollen: „Da wäre den Kommunen sehr geholfen, wenn sie Argumentationshilfen bekämen“, sagt Anke Karmann-Woessner, Leiterin der Stadtplanungsamts in Karlsruhe. Auch müsse die Sicherheit noch stärker in den Fokus gerückt werden. Über allem stehe die Gleichberechtigung sämtlicher Verkehrsteilnehmer. Sie zeigt ein Bild von einer Baustelle mit dem Schild: Fahrradfahrer bitte absteigen. „Man stelle sich mal vor, dass ein SUV-Fahrer aufgefordert wird, zu Fuß weiterzugehen.“

Karmann-Woessner ist die Gastrednerin beim „Nahmobilitätskongress“, den das hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen am Mittwoch zum vierten Mal veranstaltete. Als die Stadtplanerin eingeladen wurde wusste noch keiner der mehr als 400 Teilnehmer, dass Karlsruhe die Siegerstadt des am Dienstag veröffentlichten Fahrradklimatests des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) sein wird. Was sie über die Radförderung in ihrer Stadt zu berichten hat, klingt relativ unspektakulär: Bürger beteiligt, den Öffentlichen Nahverkehr einbinden, Kommunalpolitiker gehen mit gutem Beispiel voran, Drei Personen kümmern sich im Rathaus alleine um den Radverkehr; das ist dann doch besonders. Karlsruhe ist es gelungen, den Anteil des Radverkehrs auf 27 Prozent zu steigern, 30 Prozent sind anvisiert, sagt Karmann-Woessner: „Der Weg ist lang, und es gibt immer wieder Herausforderungen auf diesem Weg.“

Die Landesregierung will den Kommunen dabei helfen, sie zu meistern, sagt Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Das Ziel der nächsten Jahre sei, Infrastruktur zu schaffen, die schnelles, komfortables und sicheres Alltagsradeln ermöglicht. Hessen unterstütze Kommunen bei Planung und Bau von Geh- und Radwegen sowie Infrastruktur wie Abstellanlagen mit durchschnittlich 13,5 Millionen Euro pro Jahr.

Schnell zur Arbeit

42 mögliche Korridore als Radschnellverbindung hat eine landesweite Studie identifiziert. Sieben gelten als empfehlenswert: Sie haben ein Potenzial von mehr als 2000 Radpendlern pro Tag.

Frankfurt - Schwalbach (4800 Radler) 

Frankfurt – Friedrichsdorf (4500)

Frankfurt – Hanau (3900)

Wiesbaden – Mainz (2900)

Frankfurt – Darmstadt (2800)

Kassel – Baunatal (2500)

Frankfurt – Wiesbaden (2100)

www.nahmobil-hessen.de

Die ADFC-Befragung zeige, dass noch einige Aufgaben zu meistern seien. Umgekehrt belege das gute Abschneiden Offenbachs, dass große Anstrengungen von den Bürgern honoriert werden: „Das sollte uns Mut geben, dass Veränderungen möglich sind.“

Am politischen Willen fehle es der Landesregierung nicht, signalisiert Al-Wazir den Vertretern von Kommunen, Vereinen oder Verbänden. Mehrere Millionen Euro sollen jährlich in den Bau von Radwegen an Bundes- und Landesstraßen fließen. Lückenschlüsse, einheitliche Beschilderung und Gestaltung der bestehenden überörtlichen Routen zu einem knapp 2900 Kilometer langen durchgängigen Hauptnetz vereinigen, das mit vorhandenen regionalen und lokalen Verbindungen verknüpft ist: „Wir legen die Basis für eine systematische Planung“, sagt der Minister. Das Motto laute: „Hessen-Standard schnelles Radfahren“.

Ergänzend würden zusätzliche Schnellwege für Berufspendler entstehen. Steigungsarm und mit vier Metern breit genug für den Gegenverkehr und zum Überholen, was ein Durchschnittstempo von 20 Kilometern pro Stunde erlaubt. 42 mögliche Korridore hat eine landesweite Studie dafür identifiziert. Sieben davon mit einem Potenzial von mehr als 2000 Radlern am Tag. Vom Land geförderte Machbarkeitsuntersuchungen sollen die Realisierungschancen ausloten.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Landtagfraktion, Stefan Naas, warf Al-Wazir vor, viel anzukündigen und wenig zu halten: „Unsere Planungs- und Bauzeiten beim Radwegebau sind zu lang.“ Das ADFC-Ranking habe gezeigt, dass es noch deutlichen Verbesserungsbedarf gebe.

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