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Leere Sitze im Herzen von Europa: Das Spiel der Frankfurter Eintracht findet ohne Zuschauer statt.

Coronavirus

Hessischer Sozialminister verbietet Großveranstaltungen

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Nach dem Hickhack um das Eintracht-Spiel sorgt Hessens Sozialminister für Klarheit. Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern werden abgesagt.

Die Nachricht verbreitete Kai Klose am späten Donnerstagvormittag via Twitter: Wegen des Coronavirus ordnete Hessens Sozialminister an, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern abzusagen. Befristet ist die Allgemeinverfügung zunächst bis zum 10. April. Mit diesem Schritt reagiere das Land auf die neuen Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI), sagte der Minister wenig später vor der Presse in Wiesbaden. Das RKI hatte am Mittwoch auch das Elsass und Lothringen zu Risikogebieten erklärt. Donnerstag (12.3.2020), Stand 19 Uhr, zählte Hessen 99 Infizierte.

Bislang hatte der Minister es dabei belassen, den Kommunen lediglich zu empfehlen, Großveranstaltungen abzusagen. Das, sagte er, hätten die Entscheidungsträger vor Ort „unterschiedlich interpretiert“. Prominentestes Beispiel war am Mittwoch das Hickhack um das Europa-League-Spiel der Frankfurter Eintracht gegen den FC Basel. Am Vormittag hieß es, es werde mit Publikum, aber unter Auflagen stattfinden. Am Nachmittag war klar: Es wird doch ein Geisterspiel. Dazwischen muss es viele Gespräche zwischen Klose und seinem Frankfurter Parteifreund, Gesundheitsdezernent Stefan Majer, gegeben haben. Am Schluss siegte seine „Überzeugungskraft“, wie es der Minister formulierte. Das Publikumsverbot sei Resultat eines „gemeinsamen Erkenntnisgewinns über den Tag“.

Auch kleinere Veranstaltungen sollten möglichst abgesagt werden

Debatten wie diese habe es auch mit anderen Gesundheitsämtern gegeben, sagte Klose. „Jetzt ist das eindeutig geregelt.“ Die Zahl von 1000 sei lediglich eine Orientierung. Auch kleinere Veranstaltungen wie Kongresse, Messen, Aktionärsversammlungen oder Tagungen sollten möglichst abgesagt werden. Oberstes Ziel bleibe, die Steigerung der Neuinfektionen zu verlangsamen. Deshalb sollten nach aktuellem Stand nur Aktivitäten stattfinden, die wirklich wichtig sind: Schulen und Unis blieben bis auf weiteres in Betrieb, auch Betreuungseinrichtungen für Kinder unter 16 Jahren, damit deren Eltern, darunter auch Gesundheitspersonal, nicht zu Hause bleiben müssen. Der öffentliche Nahverkehr darf weiter rollen, damit die Menschen zur Arbeit kommen.

Es gebe Alternativen zu Schließungen, ergänzte Sabine Totsche, die im Ministerium die Abteilung Infektiologie und öffentliches Gesundheitswesen leitet. Etwa die Entzerrung des morgendlichen Schulanfangs, damit die Busse nicht so voll sind. Die wachsenden Fallzahlen machten es immer schwieriger, jeden einzelnen Fall zu identifizieren und Kontaktpersonen ausfindig zu machen. „Wir sind in der Situation, in der das Virus in der Bevölkerung zu kreisen beginnt.“ Deshalb beginne Hessen mit der nächsten Phase: dem Schutz. „Jetzt richten sich alle Maßnahmen darauf, gerade die vulnerablen Gruppen zu schützen, also jene, die besonders unter der Krankheit leiden würden.“ Klose betonte, dass Einschränkungen des Grundrechts verhältnismäßig sein müssen. Angesichts der Dynamik der Ausbreitung müsse die Situation immer wieder neu bewertet werden.

In Frankfurt wurde nach dem Erlass das Lichtfestival Luminale abgesagt. Oper und Schauspiel, Alte Oper und Mousonturm bleiben geschlossen.

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