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Claudia Domnik.

Neu-Isenburg

Die Käsekuchenpiratin

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Claudia Domnik hat den Krebs besiegt und mit Erfolg eine Firma gegründet

Wenn die Neu-Isenburgerin Claudia Domnik mit ihrem feuerroten, elf PS starken Motor-Dreirad „Seppelino“ auf Märkten im Rhein-Main-Gebiet unterwegs ist und Kuchen verkauft, dann nennen Kinder sie auch schon mal die „Käsekuchenpiratin“. Kinder haben keine Hemmungen, und dass Domnik eine Augenklappe trägt, macht sie neugierig, sie fragen nach.

Erwachsene trauen sich das nicht – obwohl die 47-Jährige kein Geheimnis daraus macht, dass sie eine Krebserkrankung überstanden und dabei ein Auge verloren hat. Und sie könnte berichten, dass es geradezu ein Wunder ist, dass sie nun hier steht und Kuchen verkauft. Denn um ihre berufliche Selbstständigkeit hat die Neu-Isenburgerin lange und zäh gekämpft.

Immer gegen den Strom

Es ist eine Geschichte, die Domnik schon oft erzählt hat und über die sie selbst heute nur noch den Kopf schütteln kann. Sie ist eine dynamische Frau, die immer gegen den Strom geschwommen ist. Ausruhen war nie ihr Ding. Mit Mitte zwanzig schulte die gelernte Gärtnermeisterin wegen Rückenproblemen um, machte eine Ausbildung in einer Stadtverwaltung, arbeitete beim Hessischen Rundfunk und einer großen Immobilienfirma. „Ich wollte immer meinen Horizont erweitern“, sagt sie. Dann wurde sie krank, im Januar 2010. Und man ahnt, was sie durchgemacht hat.

Sechs Operationen in anderthalb Jahren, betäubt von starken Schmerzmitteln, und dazu zur Untätigkeit verdammt. Krankenkasse und Arbeitsagentur wollten sie in Frührente schicken, gegen ihren Willen. „Aber ich habe nicht gegen einen bösartigen Tumor gekämpft, um mich dann auf der Couch zu langweilen“, sagt sie.

Und kämpfte weiter, jetzt gegen die Arbeitsagentur. Nächtelang grübelte sie über einem Konzept, sich selbstständig zu machen. Hing stundenlang in Telefon-Warteschleifen der Arbeitsagentur. Setzte die Schmerzmittel ab, die sie betäubten. Verlangte ein Gegengutachten, das sie für arbeitsfähig erklärte. „Fast alle haben gesagt, ich solle doch aufhören. ‚Andere kämpfen um ihre Frührente, und Du willst das nicht‘, musste ich mit oft anhören“, sagt sie. Gründungszuschüsse gibt es nicht für Rentner. Doch sie ließ nicht locker.

Schließlich ging sie an die Medien. Hatte dann doch noch Erfolg und bekam einen Gründerzuschuss. Von ihrer Idee war sie felsenfest überzeugt. In Freiburg, der dem Genuss zugeneigten südbadischen Universitätsstadt, hatte sie auf dem Markt einen so köstlichen, saftigen Käsekuchen probiert, dass es schon fast unfair schien, das den Hessen vorzuenthalten. Ihr Mann und sie holen seither die frischen Kuchen aus der Freiburger Backstube. „Wenn sie in Neu-Isenburg sind, sind sie sogar noch warm“, sagt sie.

Tatsächlich kommt die Idee, den Kuchen auch im Rhein-Main-Gebiet anzubieten, sehr gut an. Inzwischen steht ihre Firma „Kuchenseppel“ mit mehreren Helfern auf vielen Märkten in der Region. Ihre Verkäufer lernt Domnik sorgfältig an und achtet darauf, wer zu welchem Markt passt. „Wir verkaufen ja keine Staubsauger“, sagt sie. Werbung müsse sie eigentlich keine mehr machen, sagt sie und lacht.

2013 schaffte sie es bis ins Halbfinale des Hessischen Gründerpreises, und kürzlich wurde sie für den bundesweiten „Werner-Bonhoff-Preis-wider-den-Paragrafendschungel“ nominiert. Für Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos), der im kommenden Jahr Gastgeber des Hessischen Gründerpreises sein wird, ist Domniks „Kuchenseppel“ sogar das „beste Beispiel für eine erfolgreiche Unternehmensgründung“ – ein Kompliment, so gut wie ihr Käsekuchen.

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