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Blick in den Plenarsaal des hessischen Landtags.

Gut gebrüllt

Amtliche Mitteilungen im hessischen Landtag - auf Leben und Tod

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Eine Trauerfeier, vier Geburten und Wein statt Blumen. Die Kolumne aus dem hessischen Landtag.

Ausgerechnet in der Karwoche haben wir Abschied von einem langjährigen Journalisten-Kollegen genommen, von Karl Maria Müller. Der originelle Gentleman, der so gut malen wie schreiben konnte, berichtete drei Jahrzehnte lang für diverse Zeitungen aus dem Hessischen Landtag. Und er schrieb, lange bevor das „Gut gebrüllt“ in der Frankfurter Rundschau erfunden wurde, eine amüsante landespolitische Kolumne unter seinem Pseudonym B. O. Bachter.

Anfang April ist Karl Maria Müller im Alter von 79 Jahren an einer Krebs-Erkrankung gestorben. Der Journalist hinterlässt seine Bücher mit philosophisch versponnenen Gedanken, ein Atelier voller Gemälde und seinen geliebten Hund Julius.

Als Müllers Familie zur Trauerfeier in Wiesbaden lud, kamen auch journalistische und politische Wegbegleiter des Mannes, der für kurze Zeit in den 70er Jahren Geschäftsführer der FDP-Fraktion im Landtag gewesen war. Manche wie der ehemalige Kultus- und Justizminister Christean Wagner (CDU), der frühere Landtagsvizepräsident Dirk Pfeil (FDP) oder der einstige Regierungssprecher Dirk Metz (CDU) prägten die Politik in früheren Jahren. Andere wie der Wiesbadener Oberbürgermeister-Kandidat Gert-Uwe Mende (SPD) könnten ihre größten Aufgaben noch vor sich haben.

Der Tod ist ein steter Wegbegleiter des Lebens – auch im Hessischen Landtag. Etliche Sitzungswochen beginnen mit Totengedenken. Dann bittet der Präsident die Anwesenden, sich zu erheben, und erinnert an Abgeordnete oder, weit häufiger, ehemalige Abgeordnete, die kurz davor verstorben sind.

Unter der nüchternen Überschrift „Amtliche Mitteilungen“ verbergen sich aber auch erfreulichere Dinge. In den ersten drei Monaten des neu gewählten Landtags konnte schon die Geburt von vier Abgeordneten-Kindern vermeldet werden. Der Grüne Daniel May wurde Vater von Mirjam Hulda, konnte aber nicht dabei sein, weil seine Stimme zur gleichen Stunde für die Wahl von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) im Landtag benötigt wurde. In den Wochen danach wurden Finn, Avivah und Johannes Joad auf die Welt gebracht und von Landtagspräsident Boris Rhein (CDU) namentlich vorgestellt. Es sind die Kinder der Abgeordneten Dirk Bamberger (CDU), Dimitri Schulz (AfD) und Katrin Schleenbecker (Grüne).

Auch Geburtstagskinder werden gefeiert. Doch die Sitten ändern sich. Zuletzt hatte es Murren gegeben, weil Männer Wein erhielten, Frauen dagegen einen Blumenstrauß. Nun gibt es Wein für alle. „Ich hoffe nicht, dass das zu Problemen beim Floristengewerbe in Wiesbaden führt. Ich freue mich aber, wenn es dazu führt, dass der Absatz von Wein gesteigert wird“, sinnierte Rhein.

Karl Maria Müller hätte sich über beides gefreut. Aber mehr über einen guten Rheingauer Riesling. Und, da er ein bescheidener Mensch war, auch über möglichst wenig Worte. „Es müsste viel mehr geschwiegen werden“, hat Müller einst in seinem nachdenklich spöttischen Stil geschrieben. „Würde in der Politik mehr geschwiegen, wäre der Überdruss an den Parteien sicher nicht so groß.“

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