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Hessische Neonazis von bundesweiter Razzia betroffen – Fokus auf Terrornetzwerk „Combat 18“

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Von: Hanning Voigts

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Unter den Beschuldigten ist der hessische Neonazi Stanley R., ein Kopf der Gruppe „Combat 18“. Foto: dpa
Unter den Beschuldigten ist der hessische Neonazi Stanley R., ein Kopf der Gruppe „Combat 18“. © dpa

Der Generalbundesanwalt ist am Mittwoch bundesweit gegen militante Neonazi-Netzwerke vorgegangen. In Hessen gab es Durchsuchungen mit Bezug zum rechten Terrornetzwerk „Combat 18“.

Frankfurt/Kassel – Es war eine der größten Polizeiaktionen gegen die rechtsextreme Szene seit Jahren. Mehr als 800 Polizist:innen durchsuchten am Mittwoch (06.04.2022) insgesamt 61 Wohnungen und Gebäude in elf Bundesländern. Die vom Generalbundesanwalt geführten Ermittlungen richten sich gegen 50 Beschuldigte, die in mehreren miteinander vernetzten Strukturen der militanten Neonaziszene aktiv gewesen sein sollen, darunter die Thüringer Gruppe „Knockout 51“, das verbotene Netzwerk „Combat 18“, die aus den USA stammende Gruppe „Atomwaffen Division“ (AWD) und die Gruppierung „Sonderkommando 1418“. Vier Männer wurden festgenommen.

Auch in Hessen schlugen die Ermittler:innen zu. Wie die Bundesanwaltschaft der Frankfurter Rundschau am Donnerstag (07.04.2022) auf Nachfrage sagte, hat es in Hessen im Rahmen der bundesweiten Razzia fünf Hausdurchsuchungen gegeben, alle mit Bezug zu „Knockout 51“ und zum militanten Netzwerk „Combat 18“.

Bei Razzia gefasst: Neonazi aus Hessen war in Eisenach aktiv

Eine der bundesweit vier Festnahmen erfolgte am Mittwoch in Rotenburg an der Fulda nördlich von Bad Hersfeld. Den dabei verhafteten Bastian A. sieht die Bundesanwaltschaft als Führungsfigur bei „Knockout 51“, einer vor allem in Eisenach aktiven rechtsextremen Kampfsporttruppe, die junge Neonazis indoktriniert und für den Straßenkampf ausgebildet haben soll. Bastian A. und seine Mitstreiter sollen versucht haben, in Eisenach einen „Nazi-Kiez“ zu etablieren, zudem sollen sie für Angriffe auf Polizist:innen und vermeintliche Linke verantwortlich sein, unter anderem am Rande von Demonstrationen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen.

Gegen Bastian A., bei dem in Rotenburg auch eine Hausdurchsuchung lief, wird wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, gefährlicher Körperverletzung und tätlichen Angriffen auf Vollstreckungsbeamte ermittelt. Er wurde am Donnerstag einem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gab es noch eine weitere Durchsuchung mit Bezug zu „Knockout 51“.

Hessen: Polizei konzentriert sich bei Razzia auf Neonazi-Gruppe „Combat 18“

Die drei übrigen Durchsuchungen in Kassel sowie im Landkreis Fulda und im Landkreis Limburg-Weilburg haben dagegen alle mit „Combat 18“ zu tun. Die gewaltbereite Gruppe, die sich als bewaffneter Arm des europaweiten Neonazinetzwerks „Blood and Honour“ begreift und deren Name übertragen etwa „Kampfgruppe Adolf Hitler“ bedeutet, war 2020 vom damaligen Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) verboten worden. „Combat 18“ propagiert rechten Terrorismus und gilt auch als Vorbild des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU). Den 21 nun Beschuldigten wird vorgeworfen, die Organisation trotz des Verbots weitergeführt zu haben.

Wie die Bundesanwaltschaft der FR bestätigte, ist unter den Beschuldigten auch Stanley R., der aus der Kasseler Neonaziszene stammt, lange im nordhessischen Kaufungen gelebt hat und seit Jahren als Schlüsselfigur von „Combat 18“ gilt. Heute ist R. überwiegend in Thüringen aktiv. Er war auch einer von zwölf Neonazis aus dem Umfeld von „Combat 18“, die 2017 auf der Rückreise von einem Schießtraining in Tschechien von der Polizei aufgehalten worden waren. Von früher kennt R. zudem den Neonazi Stephan Ernst, den Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. (Hanning Voigts)

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