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Hessische Naturschutzleitlinie: Die Natur genießt Priorität

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Von: Jutta Rippegather

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So was stimmt den Schwarzstorch heiter: Die Zone seines Horsts wird weiter. Monika Müller
So was stimmt den Schwarzstorch heiter: Die Zone seines Horsts wird weiter. Monika Müller © Monika Müller u000d Tagessatz

Hessen-Forst hat die Belange von Mopsfledermaus und Schwarzstorch im Blick.

Die Mopsfledermaus nutzt die abblätternde Rinde als Wochenstube, der Hirschkäfer siedelt sich im Totholz an und die Höhlen bieten Platz für Raufußkauz, Siebenschläfer oder Hohltaube: Sogenannte Habitatbäume gelten als Schlüssel der Artenvielfalt. Davon könnte Hessens Staatswald mehr verkraften. Statt bisher drei sollen künftig durchschnittlich zehn dieser Bäume pro Hektar in Laubbaumbeständen über 100 Jahre stehen. In Natura-2000-Schutzgebieten sogar fünfzehn dieser verwitternden Methusalems, die sich durch besondere ökologische Merkmale auszeichnen, genannt Mikrohabitate.

Dies ist ein Kernstück der neuen hessischen Naturschutzleitlinie, mit der Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) und die Expert:innen von Hessen-Forst die Artenvielfalt im Staatswald erhöhen wollen. Bei der Bewirtschaftung soll der Schutz künftig noch stärker berücksichtigt werden. „Das weltweite Artensterben bedroht das Leben, wie wir es kennen“, sagt Hinz. „Es gilt neben der Klimakrise als die größte Bedrohung der Menschheit.“ Bereits die erste Naturschutzleitlinie aus dem Jahr 2010 habe wichtige Maßstäbe für den Naturschutz im Staatswald gesetzt. Die neue entwickele die bisherigen Ziele und Standards konsequent weiter.

„Mehr Habitatbäume als Schlüssel der Artenvielfalt“: Das ist die erste von insgesamt vier Säulen. Die zweite widmet sich dem Wald als Lebensraum für viele Arten, die so selten geworden sind, dass sie eines besonderen Schutzes bedürfen. Bestimmte Vogelarten etwa oder Waldfledermäuse, die besonders hohe Ansprüche an die Höhlen- und Nischenausstattung des Waldes stellen. Wie die Mopsfledermaus mit den zusammengewachsenen Ohren und der gedrungenen Schnauze, die zur Familie der Glattnasen gehört. Die neuen Regeln setzen noch stärker darauf, die Brut- und Setzzeit durch verkürzte Holzerntezeiträume zu sichern. Die Horstschutzzonen für Großvögel wie den Schwarzstorch sind ausgeweitet.

Der Wasserrückhalt im Wald als dritte Säule ist neu in der Naturschutzleitlinie. Angesichts der Klimakrise wird die Verfügbarkeit von Wasser entscheidend sein für die Zukunftswälder. Feuchtwälder und insbesondere Waldmoore als wichtige Kohlenstoffsenken sollen revitalisiert werden. Für Quellen als hochsensible Lebensräume übernimmt der Landesbetrieb Hessen-Forst eine besondere Verantwortung. Für Tümpel und wasserführende Gräben, in denen sich Amphibien wie Feuersalamander und Gelbbauchunke wohlfühlen.

Bei der vierten und letzten Säule geht es darum, sich regelmäßig einen Überblick über den Istzustand zu verschaffen. Alle zehn Jahre sind lokale Naturschutzkonzepte für die Forstämter auszuarbeiten mit Analyse der Arten, Lebensräume und Schutzgüter, Handlungsfelder und Naturschutzvorkehrungen.

Ausdruck des gelebten Naturschutzes im Staatswald ist übrigens der sogenannte Naturschutzkodex aus dem Jahr 2020, den die neue Leitlinie ergänzt. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landesbetriebs verpflichten sich, bei Entscheidungen und Eingriffen im Wald immer auch die Auswirkungen auf den Naturschutz im Blick zu haben.

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