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Ort der Lehrerbildung: Das Erwin-Stein-Haus liegt direkt am Frankfurter Hauptbahnhof, ist aber sanierungsbedürftig.

Hessen

Hessische Lehrkräfteakademie vor dem Umzug

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Das Gebäude in Frankfurt ist marode, etwas besseres soll her. Doch nun fürchten die Mitarbeiter und die Lehrer eine Verlagerung aufs Land. Eine Option immerhin scheint vom Tisch.

Zentraler geht es kaum: Die hessische Lehrkräfteakademie hat ihren Sitz in unmittelbarer Nähe zum Frankfurter Hauptbahnhof in der Stuttgarter Straße. Gut erreichbar nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für die vielen Lehrkräfte, die hier an Workshops und Seminaren zur Aus- und Weiterbildung teilnehmen. Doch damit könnte es bald vorbei sein. Das Gebäude ist marode, und der Mietvertrag läuft aus.

„Wir sind auf der Suche nach einem möglichen neuen Standort“, bestätigt Philipp Bender, Sprecher des Kultusministeriums, auf Nachfrage der FR die kursierenden Gerüchte über einen bevorstehenden Umzug. Allerdings sei nichts entschieden, auch ein Verbleib sei noch denkbar.

Die Zeit aber drängt, denn der Mietvertrag für das Erwin-Stein-Haus, in dem die Lehrkräfteakademie untergebracht ist, läuft nur noch bis 30. Juni nächsten Jahres. Und auch den Mitarbeitern brennt die Situation auf den Nägeln. „Das Haus ist eine Katastrophe“, sagt Personalrätin Claudia Kilian. Im Sommer werde es schrecklich heiß, die Raumluft verursache Kopfschmerzen, die beiden Aufzüge seien häufig defekt, das verwinkelte Gebäude alles andere als barrierefrei. Und in den Sitzungssälen sei es mitunter so laut, dass man sich kaum unterhalten könne.

Die Akademie
Die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften wird in Hessen durch die Lehrkräfteakademie organisiert. Vor allem ist sie für die Begleitung der Referendare zuständig.

Hauptsitz ist Frankfurt, weitere Standort sind die Nebenstelle in Wiesbaden und die Tagungsstätten in Fuldatal und Weilburg. Auch die in den 15 Schulamtsbezirken angesiedelten Studienseminare gehören zur Akademie. pgh

Kilian würde lieber heute als morgen ausziehen. Die Frage ist nur, wohin? Noch ist Frankfurt als Standort gesetzlich festgeschrieben. Mit der geplanten Neuauflage des Lehrerbildungsgesetzes aber rüttelt die schwarz-grüne Landesregierung an dieser Festlegung. Wird der Gesetzentwurf so beschlossen, könnte die Akademie überall hinziehen.

Als heißer Kandidat wird bislang Bad Vilbel-Dortelweil gehandelt. Konkret geht es dort um ein modernes, großzügiges Bürogebäude, in dem neben der Lehrkräfteakademie auch das Staatliche Schulamt Friedberg und die dazugehörigen Studienseminare unterkommen könnten, denen der Mietvertrag in Friedberg gekündigt wurde und die gerade ebenfalls auf der Suche nach einem neuen Domizil sind. In Dortelweil wäre das zu vergleichsweise geringen Mietpreisen von zehn Euro je Quadratmeter möglich, wie aus der Anzeige in den einschlägigen Immobilienportalen hervorgeht.

Bei den Betroffenen stößt das auf einhellige Ablehnung. Vor allem wegen der Erreichbarkeit. „Ein tolles Haus, aber leider am völlig falschen Platz“, urteilt Kilian. „Dort fehlt die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr“, moniert Angela Scheffels vom Hauptpersonalrat der Lehrerinnen und Lehrer. Vor allem für Beschäftigte, die aus Südhessen anreisten, sei das kaum zumutbar. Auch Stefan Wesselmann, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), hält Dortelweil für indiskutabel. Die Akademie dürfe nicht in die „Prärie“ ziehen, sagt er, sondern müsse in Frankfurt bleiben, wenn auch nicht im maroden Erwin-Stein-Haus.

Ministeriumssprecher Bender geht davon aus, dass in den nächsten Wochen eine Entscheidung fallen werde. An einer Stelle immerhin kann er die Kritiker beruhigen. Bad Vilbel sei als Standort für die Akademie „tot“. Aktuell scheine Dortelweil allenfalls für das Friedberger Schulamt und die Studienseminare noch eine Option.

Was aus der Lehrkräfteakademie auf Dauer wird, ist damit allerdings nicht gesagt. Die Landesregierung will langfristig 3000 Arbeitsplätze aus dem Ballungsraum aufs Land verlegen. Die Finanzverwaltung hat damit schon vor geraumer Zeit begonnen. „Daran werden sich alle beteiligen müssen“, sagt Bender. Im Erwin-Stein-Haus heißt es bereits, vielleicht sei man in fünf Jahren ja in Alsfeld zu Hause.

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