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Von Frankfurt aus fährt die HLB in alle Himmelsrichtungen.

Schienenverkehr

Die Hessische Landesbahn steuertauf Wachstumskurs

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Der Konzern steigt in Elektroantrieb ein, will aber auch neue Dieselfahrzeuge anschaffen. Der Personalmangel ist behoben.

Die Hessische Landesbahn (HLB) will weiter expandieren. Am Freitag wird Geschäftsführer Veit Salzmann das Angebot für das Wetteraunetz beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) abgeben. Und mit drei Elektrobussen für das Stadtnetz in Hofheim erfolgt in einem Jahr der Einstieg in alternative Antriebe. Außerdem müssen drei weitere Ausschreibungen für Buslinien in Kassel gewonnen werden. Und vom 15. Dezember an fährt das landeseigene Unternehmen mit fünf neuen Fahrzeugen die Verstärkerzüge zwischen Frankfurt und Eltville.

Der in Frankfurt ansässige Konzern spürt Rückenwind. In Zeiten der Debatten über Klimaschutz und Verkehrswende stehen die Zeichen auf mehr öffentlichen Personennahverkehr. Das Geschäft läuft gut. Für kommendes Jahr ist ein Umsatz von 430 Millionen Euro geplant und ein Gewinn von 3,5 Millionen Euro. Selbst das Problem des Personalmangels sei gelöst, versichert Salzmann. Wäre nur noch das Manko an Gleisen und Haltestellen. „Wir brauchen Infrastruktur, Infrastruktur, Infrastruktur.“ Bedingung dafür seien beschleunigte Planungsverfahren, sagt Salzmann. Die in drei Jahren realisierte S-Bahn-Anbindung des Flughafenstadtteils Gateway Gardens stimme ihn optimistisch.

Das Unternehmen Unter dem Dachdes Konzerns befinden sich die drei Töchter HLB Hessenbahn und Hessenbus, die Verkehrsleistungen erbringen, sowie HLB Basis, die Infrastruktur und Fahrzeuge bereitstellt. Hinzu kommen Beteiligungen.

Eigentümerist das Land Hessen. Dort und in angrenzenden Bundesländern betreibt die Hessenbahn etwa die Netze Lahntal-Vogelsberg-Rhön und Main-Lahn-Sieg, in der Wetterau, das Taunusnetz, die „3LänderBahn“ und das Teilnetz Südhessen-Untermain.

Die 59 Busliniensind in Hofheim und Kassel unterwegs sowie in den Landkreisen Gießen, Wetterau, Main-Taunus und Hochtaunus. Die HLB betreibt die Regiotram Kassel. jur

Die HLB-Werbekampagne hat sich nach seiner Darstellung gelohnt. 400 Triebfahrzeugführer stehen auf der Gehaltsliste der HLB. Weitere 61 befinden sich aktuell in der zehnmonatigen Ausbildung. Diese zusätzlichen Kräfte könnten unter anderem die Lücke füllen, die der neue Tarifabschluss gerissen hat, der den Lokführern unter anderem mehr Freizeit beschert. Alle Unternehmen zahlten inzwischen gleich und gut, sagt Salzmann. „Die Zeit der Kopfgeldprämien sind vorbei.“ Keiner könne es sich leisten, beim Personal zu sparen: „Der Wettbewerb findet nicht mehr beim Lohn statt, sondern bei der Instandhaltung und dem Fahrzeugkauf.“

Die HLB gehört zwar dem Land. Doch bei den Ausschreibungen wird das Staatsunternehmen genauso behandelt wie jeder andere Bewerber. Letzter dicker Brocken war der Zuschlag für die Strecke Aschaffenburg-Wiesbaden, in die der Konzern 180 Millionen Euro für die Fahrzeuge und noch mal 30 Millionen Euro für die Werkstatt steckte.

Sollte die Wetteraulinie erfolgreich verteidigt werden können, so braucht Salzmann weitere 140 Millionen Euro für 30 neue Dieselfahrzeuge. Saubere Diesel für nichtelektrifizierte Strecken seien keinesfalls ein Auslaufmodell. Es sei falsch, sich auf einen Antrieb festzulegen. Ein weiteres Wasserstoffpilotprojekt neben der Königsteiner Bahn sei nicht absehbar. Auf kürzeren Strecken könnte sich Elektroantrieb eignen – etwa auf der reaktivierten Horloffbahn, die die HLB gerne betreiben würde. „Man kann sich nicht auf eine Technik festlegen. Alle haben ihre Berechtigung.“

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