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Hessische Filmförderung will flexibler werden

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Von: Jana Ballweber, Lilli Hövener

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Die hessische Filmförderung richtet sich neu aus.
Die hessische Filmförderung richtet sich neu aus. © Nicolas Armer/dpa

Hessen-Film und Medien rückt Nachwuchs, Diversität und Nachhaltigkeit in den Fokus.

Die hessische Filmförderung soll auf neue Füße gestellt werden. Auf einer Pressekonferenz am Montag präsentierten die Geschäftsführerin der HessenFilm und Medien GmbH, Anna Schoeppe, und die hessische Wissenschaftsministerin Angela Dorn die neue Richtlinie, mit der die Filmförderung flexibler, diverser und nachhaltiger werden soll.

Als einen der ersten Schritte für diesen langfristigen Prozess habe die Landesregierung sich darauf geeinigt, die Förderdarlehen künftig aus eigenen Haushaltsmitteln zu zahlen, sagte die Ministerin. Das entlastet die Produktionsfirmen, weil auf die Förderung künftig keine Zinsen mehr anfallen. Bislang stand das Land nur als Bürge für die Darlehen zur Verfügung.

Außerdem sollen Filmeschaffende die Möglichkeit bekommen, das Geld aus einem Darlehen, das sie eigentlich zurückzahlen müssten, stattdessen in das nächste Projekt in Hessen zu stecken. Mit diesem „Erfolgsdarlehen“ sollen die Firmen eine langfristige Beziehung zum Standort Hessen aufbauen, hofft Marion Wagner, Leiterin der Förderabteilung der HessenFilm und Medien GmbH.

Filmförderung

Im Jahr 2022 stehen der HessenFilm und Medien GmbH insgesamt 9 Millionen Euro zur Verfügung, die an Filmschaffende verteilt werden können.

Für die Entscheidung, welche Projekte wie viel Geld erhalten, gibt es drei Jurys: die Main-Jury, die Jury für die Stoffentwicklung und die Nachwuchs-Jury. Die Gremien tagen dreimal im Jahr.

2020 förderte die Gesellschaft insgesamt 263 Projekte, darunter auch Corona-Hilfen für Kinos. jaba

Auch mit der Neuausrichtung des sogenannten Hessen-Effekts soll das Bundesland für die Branche attraktiver werden. Künftig müssen Firmen nur noch 125 Prozent der Fördersumme innerhalb des Landes ausgeben statt wie bisher 150 Prozent. „Indem wir den Firmen hier größere Handlungsspielräume einräumen, wollen wir Fördertourismus vermeiden“, betont Geschäftsführerin Schoeppe. Firmen sollen keine Anreize bekommen, häufig den Drehort zu wechseln, um in möglichst vielen Bundesländern Förderungen zu erhalten.

Die gesamte Branche soll nachhaltiger werden. Gemeinsam mit anderen Ländern hat die hessische Filmförderung ökologische Mindeststandards für den Dreh eines Films ausgearbeitet, an die sich alle, die eine Förderung wollen, halten müssen. Das bedeutet zum Beispiel, für die eigenen Produktionsräume ausschließlich Ökostrom zu nutzen und keine Inlandsflüge anzutreten, wenn die Bahnfahrt weniger als fünf Stunden dauern würde.

Um die Förderung flexibler zu gestalten, sollen Projekte künftig auch schon in frühen Stadien Geld bekommen. Um lange Wartezeiten zu vermeiden, entscheidet über diese frühen Förderungen keine Jury, sondern die Geschäftsführung innerhalb von vier Wochen. „Das ist besonders in Zeiten der Pandemie wichtig, wo viele Unternehmen sich eher auf die Stoffentwicklung konzentrieren und den Produktionsprozess aufgeschoben haben. Auch in diesen Phasen soll es künftig Förderungen geben“, verspricht Schoeppe. Um Bürokratie abzubauen, reicht künftig ein Antrag aus, um die verschiedenen Phasen einer Filmproduktion fördern zu lassen. Große Produktionsfirmen können auch für mehrere Projekte gleichzeitig Unterstützung beantragen.

Ein weiterer Schwerpunkt der neuen Strategie soll das Thema Diversität sein. Um die Filmlandschaft vielfältiger zu gestalten, sollen Jury-Mitglieder und Mitarbeiter:innen an Workshops gegen Diskriminierung teilnehmen. Außerdem sollen diskriminierungssensible Lektorate von Drehbüchern und die Kinderbetreuung während der Dreharbeiten ausgebaut werden. Bereits seit 2020 gibt es bei der HessenFilm und Medien das Weiterbildungsprogramm Step für unterrepräsentierte Gruppen.

„Die Neuausrichtung beginnt nicht heute, und sie endet auch heute nicht“, sagt die Geschäftsführerin. „Die neue Förderrichtlinie ist der Kernbaustein der neuen Strategie und ein Meilenstein auf dem Weg zu einem attraktiven Filmstandort Hessen.“

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