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Hygienetipps für die Kinder an der Valentin-Senger-Grundschule in Frankfurt.

Schule

Hessische Eltern wollen mehr Unterricht

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In einem offenen Brief an Hessens Kultusminister Lorz fordert eine Initiative die Öffnung der Schulen. Und mahnt vor einem Bildungsdefizit.

In einem offenen Brief an den hessischen Kultusminister Alexander Lorz (CDU) und weitere Vertreter des Ministeriums fordern Eltern von Grundschulkindern aus dem Main-Taunus-Kreis mehr Unterricht in der Schule. Der vorgesehene Präsenzunterricht von ein bis zwei Tagen in der Woche sei viel zu wenig, belaste die Familien und führe zu einem Bildungsdefizit sowie mehr Ungerechtigkeit in der Gesellschaft.

„Wir Eltern haben gerne und mit großem Verständnis das Homeschooling umgesetzt und unterstützt“, heißt es in dem Schreiben. Auch hätten sie Verständnis dafür gehabt, dass die Kinder ihre Lehrerinnen und Lehrer seit der Schließung der Schulen am 16. März viele Wochen nicht mehr gesehen haben.

Dies habe „viel Kraft“ gekostet, dennoch hätten die Eltern die politische Entscheidung des Lockdowns umfassend mitgetragen, um die sozialen Kontakte zu reduzieren. Damit sei es gelungen, die Covid-19-Erkrankungen einzudämmen.

Nun werde versucht, in weiten Teilen der Gesellschaft wieder einen möglichst normalen Betrieb herzustellen, etwa durch die Öffnung der Geschäfte oder von Freizeiteinrichtungen. „Bei den Schulen findet eine Öffnung jedoch nicht in gleichem Maße statt“, monieren die Unterzeichner des Briefes.

Lediglich ein Viertel des üblichen Unterrichts solle in den Schulen stattfinden, der Großteil müsse weiterhin zu Hause geleistet werden, Eltern würden zur Hilfslehrern gemacht. Je nachdem, wie viel oder wenig Unterstützung die Kinder daheim durch die Familie erhielten, nehme die Bildungsungerechtigkeit zu.

Homeschooling möglichst auf null reduzieren

Nötig sei es, den Präsenzunterricht auszuweiten und das Homeschooling möglichst auf null zu reduzieren. Hessen solle, fordern die Eltern, zu einem weitgehend regulären Unterricht an den Schulen zurückkehren.

Die Autorinnen und Autoren des Briefes verweisen auf andere europäische Länder, die ebenfalls der Corona-Situation ausgesetzt sind. So seien in Dänemark die Schulen weitgehend wieder geöffnet, die Kinder seien dort wie in Hessen in kleine Gruppen aufgeteilt. Die Lehrer arbeiteten im Schichtdienst. Wenn möglich, werde im Freien unterrichtet. Auch in Island und Schweden finde Präsenzunterricht wie gewohnt statt. „Und dies schon seit mehreren Wochen, ohne dass es zu neuen Infektionswellen gekommen ist“, schreiben die Eltern.

Ein Sprecher des Kultusministeriums teilte auf Anfrage mit, man verstehe die Sorgen der Eltern um die Bildung ihrer Kinder. Ziel sei es, so viel Unterricht wie möglich in den Schulen zu erteilen. Allerdings sei allein aus personellen und aus Platzgründen zurzeit kaum mehr möglich. Vielen Eltern gingen zudem die jetzigen Öffnungen schon viel zu schnell.

Gleichzeitig arbeite man intensiv daran, die Möglichkeiten für ein wirksames und strukturiertes Lernen zu Hause zu schaffen. „Dieses Thema treibt uns um“, sagte der Ministeriumssprecher. Gemeinsam mit Experten werde ein Modell entwickelt, wie es nach den Sommerferien mit dem Homeschooling weitergehen könne. Noch in diesem Schuljahr sollten den Schulen dazu detaillierte Vorgaben zugehen.

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