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Später Schnee auf Kirschblüten: Die kalten Temperaturen schädigen die Ernte. Foto: Felix Kästle/dpa
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Später Schnee auf Kirschblüten: Die kalten Temperaturen schädigen die Ernte.

Landwirtschaft in Hessen

Hessische Bauern fürchten Nachtfröste

  • VonJohannes Blum
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Zehn Prozent der Zuckerrübenbestände sind durch die Nachtfröste vernichtet. Besonders bei Kirschen, Pfirsich und Aprikosen gibt es Einbußen.

Die Temperaturen in den Nächten waren in Hessen vergangene Woche oft im Minusbereich. Für frühblühende Obstbäume wie den Pfirsich oder die Aprikose ist das schon zu viel. Bereits bei minus zwei Grad halten die Blüten der Obstbäume der Kälte nicht mehr Stand.

Bei Obstbauer Ralf Wurbs im Hanauer Stadtteil Klein-Auheim sind allerdings 100 Prozent der Pfirsich- und Aprikosenbäume betroffen. Das ist für ihn ärgerlich. Jedoch mache es wirtschaftlich nicht viel aus, „weil es in der Region sowieso ein gefährliches Spielchen ist“, sagt der Landwirt. Aprikosen und Pfirsiche lieben wärmerer Regionen als Rhein-Main. Für den Spargel haben diese Temperaturen keine großen Auswirkungen. Darüber hinaus baut er Erdbeeren an, die bisher verschont geblieben sind. Hier müsste es über längere Zeit Fröste geben, damit Kälte überhaupt erst in den Boden dringen kann.

In Ockstadt bei Friedberg hofft Jörg Gröninger auf wärmere Temperaturen, nicht nur nachts: „Es ist auch am Tag kalt. Die Bienen und Hummeln fliegen dann nicht, und so findet auch keine Befruchtung statt“, erklärt der Landwirt. Kirschen sind seine Leidenschaft und diese fangen nun an zu blühen. Aktuell sind die Einbußen noch schwer zu schätzen und können zwischen 30 und 70 Prozent liegen. Dagegen tun kann der Obstbauer sehr wenig. Die Bäume stehen bewusst nicht in Senken, wo sich die kalte Luft sammelt, und eine Frostberegnung ist in der eher trockenen Wetterau nicht möglich. Hierbei würden die Obstbäume mit Wasser besprüht, sodass das Eis die Blüte schützen könnte. Gröninger ist Landwirt im Haupterwerb. Für ihn heißt das, die Verluste mit dem Verkaufspreis zu kompensieren. Doch das ist schwer möglich, wenn beispielsweise aus der Türkei Kirschen günstig eingeflogen werden.

Weil die Apfelblüte noch etwas auf sich warten lässt, hat auch. Erhard Stegmann nur leichte Verluste zu beklagen. Sein Obstbaubetrieb hat er im bayrischen Klingenberg-Röllfeld. Von hier beliefert er das etwa 50 Kilometer entfernte Rhein-Main-Gebiet mit Äpfeln, Saft und Apfelwein. Für ihn ist es ein Teilschaden, aber noch kein wirtschaftlicher. Die Blüte ist vom Frost noch nicht betroffen. Gefährlich wird es, wenn es in ein, zwei Wochen Frost gibt.

Bei den jungen Zuckerrüben hat der Frost laut Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer großen Schaden angerichtet. Auf mindestens zehn Prozent der Flächen seien die Rüben vernichtet. Dies seien 1500 bis 2000 Hektar. Im Riedstädter Stadtteil Wolfskehlen geht Stefan Manke regelmäßig seine Reihen ab. Lohnt es sich, noch mal auszusäen? „Die kalten Nächte setzen den Zuckerrüben schwer zu. Es sieht aber so aus, als ob sie weitestgehend überleben werden“, sagt der Landwirt. Bei ihm ist jede zehnte Pflanze betroffen. „Wenn einzelne Pflanzen erfrieren, kann man davon ausgehen, dass die anderen etwas mehr Platz bekommen zum Wachsen und dass sie einen gewissen Ausfall ausgleichen.“ Im schlimmsten Fall müsste er das Feld umpflügen und neu aussäen, was Einbußen von 30 bis 40 Prozent bedeuten würde. „Es ist ein Nervenkitzel, aber das ist Landwirtschaft generell. Egal ob Fröste, ob Trockenheit oder die Herausforderung beim Klimawandel, das alles ist vor 30 Jahren viel seltener vorgekommen“, erklärt der Landwirt. „Wir sehen uns immer mehr mit extremeren Wettersituation konfrontiert. Es ist ein Abwägen von Risiken.“

Im Weinbau sieht es dem entgegen zurzeit relativ gut aus. Bei Michael Martin aus Erbach in Eltville sind die Reben noch nicht ausgetrieben. Vor einem Jahr war das anders, erklärt er: „Die letzten Jahre war es bei uns viel früher warm als der 30-jährige Schnitt. Von daher sind wir dieses Jahr eher im Normalbereich.“ Die jungen Triebe sind sehr frostempfindlich und besonders in Senken, wo sich die Kaltluft am besten hält, anfällig. 2011 hat es ihn mit seiner frühestens Rebsorte, dem Goldenen Muskateller, wortwörtlich eiskalt erwischt. Noch sind die Knospen am Schwellen und, solange es keinen Austrieb gibt, sind diese auch geschützt.

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