Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Kriminalität

Hessenweite Razzia gegen Kinderpornografie

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
    schließen

Polizei durchsucht mit Großaufgebot hessenweit Wohnungen von Tatverdächtigen. Dateien mit schwersten Missbräuchen an Kleinkindern und Säuglingen gefunden.

Mit einer Großrazzia ist die hessische Polizei gegen Männer vorgegangen, die im Verdacht stehen, kinderpornografische Inhalte verbreitet oder zumindest besessen zu haben. Durchsucht worden seien in den vergangenen drei Tagen 32 Objekte in ganz Hessen, wie das Landeskriminalamt und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Donnerstag gemeinsam mitteilten. Verdächtigt werden 35 Männer im Alter von 17 bis 60 Jahren. Sie sollen sich zwischen Oktober 2017 und September 2019 kinderpornografische Inhalte aus dem Internet verschafft haben.

Es ist bereits die dritte großangelegte hessenweite Razzia gegen Kinderpornografie innerhalb weniger Monate. Im Mai waren 54 Wohnungen durchsucht worden, im August 39. In den meisten Fällen erhalten die Ermittlungsbehörden Hinweise von Internetdienstleitern oder der US-amerikanischen Organisation National Center for missing and exploited children, die von Internetprovidern über Missbräuche im Zusammenhang mit Kinderpornografie informiert wird. Gerade die Hinweise dieser Organisation haben seit 2019 stetig zugenommen, so dass das Land Hessen im Oktober 2020 eine besondere Organisation zur Nachverfolgung ins Leben rief (siehe Infobox). Die staatsanwaltlichen Ermittlungen leitet die Zentralstelle zur Bekämpfung von Internetkriminalität (ZIT). Im vorliegenden Fall hatte ein ausländischer Internetdienstleister, ein sogenannter Filehosting-Dienst, die Missbräuche an das Bundeskriminalamt gemeldet, das dann seinerseits die jeweils zuständigen Länder informierte.

BAO Fokus

Die Besondere Aufbauorganisation (BAO) wurde von Hessen im Oktober 2020 ins Leben gerufen um zielgerichteter gegen Sexualverbrechen sowie Verbreitung und Besitz von Kinderpornografie vorgehen zu können.

Angesiedelt ist die BAO beim Landeskriminalamt, das die Einsätze koordiniert. Die derzeit 156 Ermittlerinnen und Ermittler der Sondereinheit arbeiten aber in den hessischen Polizeipräsidien. Seit der Gründung vor knapp einem Jahr hat die BAO mehr als 750 Dursuchungsbeschlüsse bei Tatverdächtigen erwirkt. ote

Für großes Aufsehen sorgen immer wieder spektakuläre Ermittlungserfolge, bei denen abgeschottete Kinderpornoringe im Darknet aufgedeckt werden. In den vorliegenden Fällen erfolgte der Zugang aber über zwei öffentlich zugängliche Links. Auch dies sei strafbar, betonte ZIT-Sprecherin Julia Bussweiler: „Nur weil es öffentlich zugänglich ist, muss es nicht legal sein.“ Zumal die heruntergeladenen Inhalte in diesen Fällen extrem drastische sexuelle Missbrauchshandlungen an Säuglingen und Kleinkindern gezeigt hätten.

Um die bereitgestellten verbotenen Inhalte im Internet zu finden, ist laut Bussweiler mehr notwendig, als einfache Suchbegriffe einzugeben. Der Aufwand wird offensichtlich vor allem von jungen Männern betrieben. 40 Prozent der in den vergangenen drei Tagen heimgesuchten Tatverdächtigen seien jünger als 25 Jahre alt. Im vergangenen Jahr waren sogar 54 Prozent der Tatverdächtigen im Deliktbereich Verbreiten, Besitz oder Herstellung von kinderpornografischen Inhalten jünger als 21 Jahre. In vielen Fällen handelt es sich um das Weitersenden pornografischer Aufnahmen von Schülerinnen, das ebenfalls strafbar ist. In den jüngsten Fällen wiegen die Funde aber schwerer.

Obwohl die 35 Männer nicht über eine Plattform miteinander vernetzt waren, entschloss sich die ZIT zu einer konzertierten Aktion. So erfolgten fast parallel Durchsuchungen in Frankfurt, Gießen, Groß-Gerau, Hanau, Marburg, Weilburg sowie den Landkreisen Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Fulda, Gießen, Groß-Gerau, Kassel, Lahn-Dill, Main-Kinzig, Main-Taunus, Offenbach, Schwalm-Eder, Vogelsberg, Waldeck-Frankenberg und Wetterau. Im Einsatz waren 289 Ermittlerinnen und Ermittler. Die Durchsuchungen sind aufwendig, da Datenträger wie USB-Sticks leicht zu verstecken sind. Beschlagnahmt wurden laut ZIT zahlreiche Beweismittel, vor allem Computer und Datenträger.

Zum einjährigen Bestehen der BAO Fokus am 1. Oktober will das Landeskriminalamt genauere Zahlen zu den Erfolgen im Kampf gegen Kinderpornografie präsentieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare