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Ohne Perspektiven für geschlossene Betriebe gingen in wenigen Wochen Tausende hessische Firmen und Arbeitsplätze verloren, warnte am Montag der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK).
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Ohne Perspektiven für geschlossene Betriebe gingen in wenigen Wochen Tausende hessische Firmen und Arbeitsplätze verloren, warnte am Montag der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK).

Lockdown

Hessens Wirtschaft fürchtet eine Pleitewelle

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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  • Jutta Rippegather
    Jutta Rippegather
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Arbeitgeber-Vertreter warnen vor strikten Ausgangssperren in Hessen und einer Pflicht zum Arbeiten daheim. Auch eine FFP2-Maskenpflicht ist umstritten.

Auch in Hessen ist das mutierte ansteckendere Coronavirus angekommen. Ein Ende des Lockdowns ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Am heutigen Dienstag beraten die Ministerpräsident:innen mit der Kanzlerin über weitere Verschärfungen.

Im Vorfeld hatte sich Hessens Landeschef Volker Bouffier (CDU) offen gezeigt für eine Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken im öffentlichen Nahverkehr. Es gibt Stimmen, die wesentlich stärkere Einschnitte fordern – bis hin zu Ausgangssperren. Sollte es dazu kommen, befürchtet die Wirtschaft eine Pleitewelle. Auch eine Homeoffice-Pflicht ist im Gespräch.

Ohne Perspektiven für geschlossene Betriebe gingen in wenigen Wochen Tausende hessische Firmen und Arbeitsplätze verloren, warnte am Montag der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK). Gesundheit gehe vor. „Wir dürfen aber nicht panisch und vermeidbar Tausende wirtschaftliche Existenzen aufs Spiel setzen“, sagte Eberhard Flammer, Präsident des HIHK. Lösungen sieht er in der niederschwelligen und häufigen Anwendung von Schnelltests sowie der Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske im Einzelhandel.

Mit digitalen oder telefonischen Terminvergaben ließe sich Verkauf und Beratung auch im stationären Handel ermöglichen. „So könnten Kontakte sicher nachverfolgt und Abstände gewahrt werden, während der Wirtschaftskreislauf stabilisiert würde.“ Sollten genug Schnelltests zur Verfügung stehen, könnte sich Flammer auch Teilöffnungen von Gaststätten vorstellen. Von einer Ausweitung der Corona-Beschränkungen auf weitere Branchen wie die Industrie rät er ab. „Wird Hessens Industrie heruntergefahren, stürzt die Konjunktur ins Bodenlose.“

Betriebe als sichere Orte

Auch bezüglich einer möglichen Homeoffice-Pflicht gibt es in der Wirtschaft große Vorbehalte. „Homeoffice ist nur eine Möglichkeit, Kontakte zu beschränken; eine pauschale Pflicht bringt hier gar nichts“, sagte Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU). Betriebe seien sichere Orte, so Pollert. Da Hygiene und Covid-19-Arbeitsschutzmaßnahmen konsequent angewendet und eingehalten würden, sei das Infektionsrisiko gering.

Bereits jetzt gebe es komplexe Pandemiepläne, vielfältige Regelungen zum Homeoffice und Datenschutz sowie betriebliche Vereinbarungen. „Die hessischen Arbeitgeber ermöglichen Homeoffice überall dort, wo es auch möglich ist“, versicherte der VhU-Hauptgeschäftsführer. Zudem könnten vor allem Fertigungsbetriebe und auch viele Dienstleistungsunternehmen nur dann laufen, wenn ihre Beschäftigten auch vor Ort die Arbeit erbringen könnten.

Auch beim hessischen Handwerk sieht man nur wenig Möglichkeiten, durch vermehrtes Homeoffice viel zu erreichen. Die meisten Tätigkeiten und auch die Arbeitsvorbereitung könnten fast ausschließlich nur in den Betrieben vor Ort geleistet werden, sagte Stefan Füll, Präsident des Hessischen Handwerkstags. Die Anzahl jener, die auch im Homeoffice tätig sein könnten, schätzt Handwerkstags-Vizepräsident Wolfgang Kramwinkel auf kaum mehr als zehn Prozent.

Gegen eine FFP2-Maskenpflicht hat die hessische Linksfraktion grundsätzlich nichts einzuwenden. Bedingung: Die Masken müsse es kostenlos geben. „Die Nutzung des ÖPNV und die Möglichkeit, Lebensmittel zu kaufen, darf nicht vom Einkommen abhängig sein“, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin, Christiane Böhm, am Montag in Wiesbaden.

Notwendig sei zudem eine Aufklärung zur richtigen Handhabung. Menschen mit Vollbart etwa könnten die Masken nicht korrekt tragen. Untersuchungen zufolge führe die vermeintliche Sicherheit zur Reduzierung des Abstandhaltens. Die Linken-Abgeordnete drängt auf weitere Eingriffe bei Kontakten: „Dazu gehören eine Homeoffice-Pflicht, wo immer möglich, ein Wechselmodell in den Schulen und das Herunterfahren gesellschaftlich verzichtbarer Produktionen.“

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