Ein Arzt mit Stethoskop.
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Politik

Hessens Unis lehnen Landarztquote ab

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Auf dem Land herrscht Ärztemangel. Bei einer Anhörung im Hessischen Landtag werden mögliche Schritte dagegen diskutiert.

Die Universitätsmediziner in Frankfurt, Gießen und Marburg wehren sich gegen die Einführung einer Landarztquote. Das machten sie bei einer Anhörung am Donnerstag im Sozialausschuss des Hessischen Landtags deutlich. Man solle auf die Motivation der Studierenden setzen „und nicht auf Zwang“, sagte Ferdinand Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Frankfurter Uni.

Unstrittig ist, dass in Teilen Hessens ein Mangel an Haus- und Fachärzten herrscht, etwa an Kinder- und Jugendärzten, Urologen und Hals-Nasen-Ohren-Ärzten, wie die Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung schilderten. Mehrere Bundesländer haben bereits beschlossen, einen bestimmten Anteil von Studienplätzen an junge Menschen zu vergeben, die sich verpflichten, sich als Ärzte auf dem Land niederzulassen.

Die hessische SPD hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, um eine solche Landarztquote auch in Hessen einzuführen. CDU und Grüne haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, dass sie diesen Weg ebenfalls gehen wollen. Der CDU-Gesundheitspolitiker Ralf-Norbert Bartelt bekräftigte dieses Vorhaben in der Anhörung.

Die Universitäten halten das für den falschen Weg. Es sei nicht gut, wenn sich junge Menschen für mehr als 20 Jahre festlegen sollten, sagten Udo Rolle und Annette Becker von den medizinischen Fachbereichen in Frankfurt und Marburg. Zudem sei zu befürchten, dass wohlhabende junge Leute mit einer Zusage einen Medizinstudienplatz ergatterten, um sich später von der Landarztverpflichtung freizukaufen, fügte Becker hinzu. Die Unis plädieren stattdessen dafür, Studierende während des Studiums gezielt für die Arbeit auf dem Land zu interessieren, zum Beispiel mit Mentorenprogrammen.

Aufgeschlossen für eine Landarztquote zeigten sich hingegen Kommunal- und Ärzteverbände. Da die Quote aber frühestens in 15 Jahren Wirkung zeigen werde, seien dringend weitere Schritte nötig, um die Probleme zügig anzugehen.

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