Gesundheit

Hessens Uniklinik-Ärzte am Limit

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Rund 10 000 Überstunden haben sie schätzungsweise gesammelt. Am Dienstag streiken sie für bessere Arbeitsbedingungen.

Patienten der hessischen Universitätskliniken müssen Dienstag mit Einschränkungen rechnen: Der Marburger Bund (MB) hat für den 4. Februar alle dort tätigen Ärztinnen und Ärzte sowie alle Zahnärztinnen und Zahnärzte zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Derzeit werde mit den Geschäftsführungen in Frankfurt, Gießen und Marburg über Notvereinbarungen verhandelt, informiert MB-Landessprecherin Caroline Backes auf FR-Anfrage. Die Versorgung von Akutfällen bleibe gewährleistet. „Kein Patient muss sich Sorgen machen.“

Der Arbeitskampf richtet sich nicht gegen die Kranken, sondern gegen das erste Angebot des Landes bei den Tarifverhandlungen. Ziel sind bessere Arbeitsbedingungen, von denen auch Patienten profitieren würden. Die Arbeitsbelastung sei gestiegen, es bleibe immer weniger Zeit für die Tätigkeit am Bett, sagt Backes. Die Mehrarbeit wachse ins Uferlose: Eine einzige Ärztin habe 2644 Überstunden aufgebaut. „Das ist die Regel, nicht die Ausnahme.“ Und stehe im Widerspruch zu Aussagen des Landes, dass Überstunden regelmäßig ausgezahlt werden. Nach Schätzungen des MB sind es rund 100 000 Überstunden an den drei hessischen Uniklinik-Standorten mit rund 2100 Ärzten. Etwa die Hälfte davon hat bereits an der noch laufenden Befragung teilgenommen, die dem Landesverband zusätzliche Munition für die aktuellen Tarifverhandlungen liefern soll. „Das Land stellt sich immer als familienfreundlicher Arbeitgeber vor“, sagt Backes. „Wir machen jetzt den Realitätscheck.“

Das erste Zwischenfazit der Umfrage zeige, dass die Wirklichkeit eine andere sei. Grund dafür sei der Personalmangel, sagt Backes. „Die überwiegende Mehrheit sagt, das ist ein Riesenproblem.“ Dabei gehe es nicht alleine um Ärzte. Auch in der Pflege bräuchte es mehr Leute. Zu leiden hätten darunter Forschung und Lehre, aber auch die Motivation der Beschäftigen. Das deckt sich mit den Ergebnissen der bundesweiten Umfrage des MB. Demnach denkt jeder fünfte Befragte über einen Berufswechsel nach. Rund drei Viertel haben das Gefühl, dass die Gestaltung der Arbeitszeiten sie in ihrer Gesundheit beeinträchtigt. Knapp die Hälfte gab an, die hohe Arbeitsverdichtung, der Personalmangel und der ökonomische Erwartungsdruck der Klinikbetreiber bringe sie an ihre Grenzen.

Vor diesem Hintergrund fordert der MB bessere Arbeitsbedingungen zu besonders belastenden Zeiten, eine spürbare Erhöhung der Zuschläge für die Arbeit in der Nacht und sonntags im Bereitschaftsdienst. Das Angebot der Arbeitgeber sei eine „grobe Missachtung und Fehleinschätzung der tatsächlichen Belastung“.

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