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Die Sorge um ihre Schafe, Rinder, Ziegen oder Alpakas treibt die Weidetierhalter auf die Straße. Michael SChick

Landwirtschaft

Hessens Tierhalter haben Angst vor dem Wolf

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Die Schäfer sehen sich in ihrer Existenz bedroht und gehen mit Schafen und Alpakas auf die Straße. Das Land verspricht ihnen höhere Fördermittel.

Der Protest richte sich nicht gegen den Wolf, sagt Burkhard Ernst am Rande der Kundgebung auf dem Wiesbadener Luisenplatz. „Es geht um ein bundeseinheitliches sinnvolles und nachhaltiges Management.“ Die Landesregierung, sagt der Schäfer aus Nordhessen, „speist uns mit Häppchen ab“. Er und seine Kollegen stünden unter enormem Druck. „Es fehlt der Nachwuchs, immer mehr Schäferschulen schließen.“ Die hessischen Politiker müssten sich entscheiden, was ihnen wichtiger für den Natur- und Artenschutz ist: die Rückkehr der Wölfe oder das Offenhalten der Landschaften durch Weidehaltung in Rhön, Vogelsberg, Taunus oder auch im Odenwald.

27 tote Schafe

In den östlichen Bundesländernwie Sachsen Brandenburg und Sachsen-Anhalt sind derzeit jeweils wieder zehn und mehr Wolfs-Rudel nachgewiesen. In Niedersachsen leben mindesten neun Familien.

In Hessensind bislang nur Einzeltiere ein- oder durchgewandert, seit 2011 waren es acht Wölfe, von denen drei als Verkehrsopfer endeten.

Bis November 2019wurden in Hessen 35 Exemplare nachgewiesen. Bei zwölf Angriffe starben 27 Schafe, sechs wurden verletzt; zu Schaden kamen auch Kälber und Rehe. jur

Agrarministerin Priska Hinz (Grüne) will beides. „Schaf- und Ziegenherden“, sagt sie, „schaffen und pflegen seltene Lebensräume wie etwa blütenreiche Magerrasen.“ In Hessen gebe es nur vereinzelt Wölfe; komme es zu Angriffen, biete das Land unbürokratische Hilfe. Hinz sichert eine Erhöhung der Fördermittel des Landes für besseren Schutz gegen Attacken zu. Und erntet trotzdem Buhrufe von den mehreren Hundert Weidetierhaltern, die – begleitet von einigen Schafen und Alpakas – in die Landeshauptstadt gekommen sind. Sie überreichen Hinz einen Forderungskatalog und bekommen eine Einladung, ihn mit ihr am 28. Januar zu diskutieren.

Die Halter von Weidetieren, darunter auch Rinder oder Pferde, empfinden die Rückkehr der Wölfe als existenbedrohlich. „Die Sorgen und der ständig steigende Stress um die Sicherheit unserer Tiere machen uns und unsere gesamten Familien neben den vielen anderen Problemen krank“, heißt es im Aufruf des Landesverbands für Schafzucht und -haltung. Hinzu kommen die Kosten, sagt Ernst, Herr über 500 Mutterschafe und sieben Hunde. Bis zu 20 000 Euro koste ihn der Schutz der Herde, 3500 Euro bekomme er vom Land. Eine Entschädigung für ein erwiesenermaßen vom Wolf gerissenes Tier gibt es einzig bei fachgerechter Umzäunung.

Der Protest stößt auf Zustimmung: „Es darf nicht sein, dass die Freilandhaltung unmöglich wird oder alte Haustierrassen wie die Weiße Gehörnte Heidschnucke, das Rhönschaf oder zum Beispiel das Harzer Hochvieh aussterben“, konstatiert der Landesjagdverband. „Schluss mit der Wolfsromantik“, fordert die FDP-Landtagsabgeordnete Wiebke Knell. „Wir befürworten die neuen Sonderregelungen im Bundesnaturschutzgesetz, die in Ausnahmefällen eine Tötung von sogenannten Problemwölfen, ein Fütterungsverbot und Hybridenentnahme vorsehen“, sagt Heinz Lotz von der SPD. Heidemarie Scheuch-Paschkewitz von der Linken fordert eine ausreichende finanzielle Ausstattung der Schäfer, damit sie ihre Herden schützen können.

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