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Hessischer Landtag.

Gut gebrüllt

Hessens Thronfolger

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Die SPD hat ihre Verhältnisse geklärt, die CDU noch nicht. Dabei gibt es einen mit 110 Kilo gewichtigen Kandidaten. Die Kolumne aus dem Hessischen Landtag. Die Kolumne „Gut gebrüllt“.

Er ist noch da und er ist noch Ministerpräsident. Volker Bouffier hat noch nicht abgedankt, im Gegenteil: Er hat in dieser Woche kraftvolle Reden im Landtag gehalten. Man muss das dazusagen, seit er vor einer Woche ein Interview gegeben hat, das den Anlass zu mancherlei Spekulationen gegeben hat.

Genau genommen war es nur ein Halbsatz, der die Spekulationen befeuert hat, aber der hatte es in sich. Dieser Halbsatz lautete: „aber dafür spricht viel“. Wofür? Dafür, einen Nachfolger rechtzeitig vor der nächsten Landtagswahl in den Sattel des Regierungschefs zu heben, um ihn landesweit bekannt zu machen.

Bouffier jedenfalls ist noch da und zeigte sich beim Parlamentarischen Abend, dem alljährlich größten Treffpunkt von wichtigen und sehr wichtigen Menschen im Innenhof des Landtags, guter Dinge. Anders als sein bisheriger Gegenspieler im Parlament, der bisherige SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel, der nicht gekommen war.

Der Oppositionsführer hat sich konsequent aus der Landespolitik verabschiedet. Seine Nachfolgerin Nancy Faeser musste beim Parlamentarischen Abend die vorgezogenen Glückwünsche abwehren und den hundertfach gehörten Scherz ertragen, das Open-Air-Fest finde zu ihren Ehren statt. Denn ihre Wahl zur SPD-Fraktionsvorsitzenden stand erst am übernächsten Morgen an.

Erst danach wirkte sie gelöst und absolvierte heiter den Parlaments- und Interview-Marathon. Für einen Umzug ins neue Büro war keine Zeit. Nur das Foto ihres Sohns Tim hat sie schon auf den neuen Schreibtisch gestellt.

Jetzt sind die Verhältnisse bei den Sozialdemokraten geklärt. Bei den Christdemokraten hingegen noch nicht.

Finanzminister Thomas Schäfer gilt als wahrscheinlichster Nachfolger Bouffiers. Die SPD hat ihn deswegen schon als „Prinz Charles der hessischen Politik“ verspottet, aber darüber muss sich Schäfer nicht grämen: Diese Bezeichnung hatten die Sozialdemokraten auch schon für Bouffier gewählt, als er noch Innenminister in Roland Kochs Regierung war. Das hat ihn nicht daran gehindert, 2010 Ministerpräsident zu werden.

Schäfer genießt sein politisches Gewicht, während sein körperliches Gewicht zurückgegangen ist. Einst wog er bei fast zwei Metern Länge 140 Kilo, heute immerhin noch 110. Der Bild-Zeitung hat er erzählt, dass das mit dem Stress im Wahlkampf im vergangenen Jahr zusammenhing, aber auch mit dem Verzicht auf das eine oder andere Bier, was ihm als Sohn eines Brauers schwerfalle. Immerhin: „Ein Hungerhaken ist aus mir ja noch nicht geworden“, sagte Schäfer.

In der Tat: Im Vergleich zu Prinz Charles sieht Schäfer immer noch proper aus. Aber ob das für einen Wahlsieg gegen Faeser reichen würde?

Kurz vor dem Parlamentarischen Abend war dem Finanzminister von Journalisten die „Kronprinzen-Frage“ gestellt worden. „Bei Kronprinzen kenne ich mich nicht so aus“, denn Adelsfragen seien nicht seine Sache, entgegnete Schäfer in dem augenzwinkernd-jovialen Ton, mit dem er schwierigen Themen auszuweichen pflegt.

Diese Frage solle man besser an Königin Silvia von Schweden richten, die am Freitag ihre Aufwartung in Bouffiers Staatskanzlei machte. Der royale Besuch konnte allerdings auch keine Hinweise geben, wie die Thronfolge bei der CDU in Hessen geregelt werden sollte.

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