Hessen

Hessens Theater hoffen auf Unterstützung

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Kulturschaffende fordern bei einer Anhörung im Landtag verlässliche Finanzierung und Planungssicherheit. Die Parteien zeigen sich offen für eine Beteiligung am Masterplan.

Die hessischen Theater- und Kulturmacher setzen große Hoffnungen in einen „Masterplan Kultur“, den sich die schwarz-grüne Koalition zum Ziel gesetzt hat. Das hat sich bei der Anhörung von mehreren Dutzend Kulturschaffenden am Donnerstag im Landtag gezeigt.

Dabei brachten insbesondere die festen und freien Bühnen ebenso wie die Amateurtheater, Kinder- und Jugendtheater sowie Theaterpädagogen ihre Hoffnung auf verlässliche Finanzierung und Planungssicherheit zum Ausdruck. Fast alle Anzuhörenden äußerten den Wunsch, dass die Praktiker nicht nur bei der Erarbeitung des Masterplans einbezogen würden, sondern auch bei seiner Umsetzung.

Effi Rolfs von der Frankfurter Theaterallianz schlug einen regelmäßigen Austausch zwischen der Politik und den Kulturschaffenden vor. „Wir empfehlen die Einführung eines Jour fixe, ein-, zwei-, drei- oder viermal pro Jahr“, sagte sie.

Wolfgang Schneider vom Fonds Darstellende Künste warb dafür, Pilotprojekte, die sich bewährt hätten, dauerhaft zu finanzieren. Dazu zählte er etwa den Kulturkoffer und das Programm Flux, das ebenfalls Theater an die Schulen bringt, und die seit vielen Jahren funktionieren.

Mühsame Bürokratie

Nicht immer geht es bei den Forderungen um mehr Geld. So berichtete Katharina Fertsch-Röver vom Landesverband Theaterpädagogik, dass die bürokratischen Hürden für die Anträge zu hoch seien. Dadurch würde Fördergeld „oftmals nicht abgerufen“, sagte sie.

Andere Anzuhörende wünschten sich Unterstützung bei der Infrastruktur. „Wir haben in ganz Hessen Probleme, Proberäume zu bekommen“, berichtete Norbert Deforth vom Verband Hessischer Amateurtheater.

Die Landespolitik zeigte sich aufgeschlossen für eine intensive Beteiligung der Kulturschaffenden. Die Grünen-Abgeordnete Mirjam Schmidt sprach vom „Masterplan Kultur, wo wir Sie alle mit ins Boot nehmen wollen“.

Ihre CDU-Kollegin Ines Claus wies darauf hin, dass die Landesregierung die Theaterförderung seit 2014 verdoppelt habe. Die Koalition habe sich aber vorgenommen, die Mittel für die freie Theaterszene und dort insbesondere für Festivals weiter zu erhöhen. Zugleich warf Claus die Frage auf, ob bewährte Theaterförderprogramme wie der Kulturkoffer und Flux, die sich an Kinder und Jugendliche richten, nicht auch als Vorbilder für Erwachsenenangebote dienen könnten.

Gernot Grumbach (SPD) zeigte sich nach der Anhörung „mehr denn je davon überzeugt, dass die Selbstausbeutung der Beschäftigten beendet und die Mittel dringend aufgestockt werden müssen“. Dafür sprach sich auch Linken-Fraktionschefin Janine Wissler aus. „Künstlerinnen und Künstler hangeln sich von Projekt zu Projekt und von Jahr zu Jahr“, beklagte sie. „Das muss anders werden, vor allem vor dem Hintergrund der oftmals viel zu aufwendigen Antragsverfahren, für die häufig einfach die personellen Ressourcen fehlen.“ Sie erinnerte an das Ziel, dass „Kultur für alle“ geboten werden solle.

Der FDP-Abgeordnete Stefan Naas zeigte sich „ein bisschen erschreckt“, dass der lange angekündigte Masterplanprozess noch immer nicht vorangekommen sei. Der AfD-Abgeordnete Frank Grobe widmete sich der Frage, ob die soziokulturellen Zentren auch Angebote hätten, „die Zielgruppe Einwanderer an die deutsche Kultur heranzuführen“.

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