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Hörsäle und Seminarräume sind seit zwei Semestern geschlossen. Studiert wird vor allem von zu Hause aus.
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Hörsäle und Seminarräume sind seit zwei Semestern geschlossen. Studiert wird vor allem von zu Hause aus.

Corona-Pandemie

Hessens Studierende gehen einsam durch zweites Corona-Semester

Neben Jobs fehlen den jungen Leuten während der Pandemie auch soziale Kontakte

Eigentlich wollte Daniele sein Studium in diesem Semester beenden. „Ich wäre jetzt schon fertig“, sagt er. Noch drei Module und die Bachelorarbeit fehlten dem Studenten an der Frankfurt University of Applied Science für dieses Ziel. Doch die Corona-Pandemie sowie eine langwierige Job- und Wohnungssuche durchkreuzten seine Pläne.

Auch im zweiten Semester unter Corona-Bedingungen fanden viele Lehrveranstaltungen an den Hochschulen nur digital statt. Persönlicher Austausch und Treffen mit Kommiliton:innen fehlen und erschweren das Studium. Außerdem gibt es nur noch wenige Nebenjobs, mit denen sich Studenten finanzieren können.

„Die Ungleichheiten zwischen Studierenden verschärfen sich enorm“, sagt Luise Brunner vom Referat für Studienbedingungen des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) der Goethe-Universität. Dazu gehören finanzielle Nachteile wie auch unzureichende technische Ausstattung, ergänzt Mitreferentin Paula Hirsch. Auch könnten nicht alle von zu Hause aus lernen.

Normalerweise arbeiteten die meisten Studierenden nebenher, sagt Hirsch. „Momentan haben sehr viele ihre Jobs verloren.“ Entsprechend groß seien die finanziellen Sorgen. Und die staatliche Unterstützung kann die Löcher nicht stopfen. Die Überbrückungshilfe von 500 Euro etwa, die in finanzielle Not geratene Studierende beantragen können, reiche in Frankfurt gerade, um die Miete zu zahlen; die liege für Studentinnen und Studenten durchschnittlich bei 450 Euro monatlich. Probleme bei Studienfinanzierung und Wohnungssuche habe es in Frankfurt schon vor Corona gegeben, die hätten sich jetzt aber verschärft. Notfalls führe dies zu einem Studienabbruch.

Auch Daniele hatte Schwierigkeiten, eine bezahlbare Unterkunft zu finden. Vier Monate lang suchte er eine Wohnung, nachdem er im Oktober aus dem Studierendenwohnheim ausziehen musste. Der Aufenthalt dort ist auf vier Jahre befristet, und weil Daniele einen Studiengangwechsel hinter sich hat, ging diese Zeit vor seinem Studium zu Ende. Nun wohnt er mit seinem Bruder in einem privaten Wohnheim. „Da zahlt man mehr, dafür bekommt man die Wohnung sofort“, sagt der 26-Jährige.

Um die Miete zahlen zu können, suchte er sich einen zweiten Nebenjob – in einem Corona-Testcenter. Außerdem ist er als Netzwerktechniker tätig. „Zurzeit kann man nur diese zwei Jobs machen“, sagt der angehende Wirtschaftsinformatiker, die klassischen Studierendenjobs in der Gastronomie oder bei der Messe fielen ja weg. Neue Jobs gebe es etwa in Kliniken, Gesundheitszentren und in der Logistik, sagt Gabriele Schäfer vom Studentenwerk Gießen.

Und was machen Studierende, die keine Wohnung gefunden haben? Viele seien wieder zu ihren Eltern gezogen, sagt Paula Hirsch. Auch, um während des Lockdowns nicht ständig alleine zu sein. Manche schliefen bei Freund:innen auf der Couch. Daniele kam mehrere Monate in der Einzimmerwohnung seines Bruders unter. Solche Möglichkeit haben aber nicht alle – vor allem internationale Studierende, die keine Wohnung finden, stünden vor Problemen, da sie wegen der Pandemie-Beschränkungen auch nicht in Hostels übernachten dürften, sagt Hirsch.

Arbeit und Studium zu koordinieren, sei nicht einfach, noch weniger, seit das Studium digital stattfindet, sagt Daniele. Deshalb belegte er in diesem Semester nur ein Modul. Gruppenarbeiten ohne echte Treffen findet er komplizierter. „Wir sollten ein Video aufnehmen und schneiden“, erzählt er. Sich in der Gruppe abzustimmen, sei ganz ohne persönliche Kontakte schwierig gewesen.

Auch Hirsch berichtet von der Schwierigkeit bei Gruppenarbeiten. Einige Studierende könnten sich nicht die dafür nötige technische Ausstattung leisten, hätten keine Kamera und kein Mikrofon. Trotzdem seien in manchen Onlineseminaren Präsentationen Pflicht. Luise Brunner sieht es auch als problematisch an, dass die studentischen Arbeitsplätze an der Universität während der Pandemie nur eingeschränkt zur Verfügung stehen. „Nicht alle Studierenden haben zu Hause geeignete Bedingungen zum Lernen.“

Seit Corona seien Studierende „sehr auf sich alleine gestellt“, sagt Hirsch. Statt des Inputs von Dozent:innen und der Diskussionen im Seminar laufe jetzt das meiste im Selbststudium. Das sei arbeitsaufwendig und erfordere viel Organisation. Außerdem gehe die Motivation schnell verloren. Und es sei schwer, Kontakt zu Dozierenden herzustellen, die teils selbst nicht mit der digitalen Lehre zurechtkämen,

„Man kommt nicht richtig im Studium an“, bleibe orientierungslos, wenn es keinen Kontakt zu Kommiliton:innen und Dozent:innen gibt, stellt Paula Hirsch fest. „Selbst mir fällt es schwer, Kontakte zu halten“, sagt die Asta-Referentin, die Soziologie studiert und schon mehrere Jahre in Frankfurt wohnt. Andere, die jetzt erst das Studium aufnähmen, fänden erst gar keine sozialen Kontakte. Das studentische Leben, das sonst einer der Gründe sei, überhaupt ein Studium aufzunehmen, gehe verloren. Außerdem sei die Einsamkeit „psychisch sehr belastend“. mit dpa

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