Innenminister Peter Beuth (CD) und der Integritätsbeauftragte für die hessischen Polizei, Harald Schneider.
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Innenminister Peter Beuth (CD) und der Integritätsbeauftragte für die hessischen Polizei, Harald Schneider.

Personalie

Hessens Spezialist für brisante Einsätze

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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  • Georg Leppert
    Georg Leppert
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Harald Schneider hat viele umstrittene Polizeieinsätze geleitet und war schon im Ruhestand. Jetzt wird er der erste Integritätsbeauftragte der hessischen Polizei.

Der Tag, an dem Harald Schneider bundesweit bekanntwurde, war kein guter Tag für die Polizei. Am 3. Juni 2013 saß er auf dem Podium einer Pressekonferenz, die aus dem Ruder lief.

Zwei Tage zuvor war die Polizei unter ihm als Einsatzleiter bei einer kapitalismuskritischen Blockupy-Demonstration extrem hart vorgegangen. Weil vereinzelt Pyrotechnik gezündet worden war, kesselten die Beamten mehrere Hundert Menschen an der Spitze des Protestzugs ein – darunter Familien mit Kindern. Zahlreiche Demonstranten wurden brutal umgestoßen, zudem setzten Schneiders Einheiten großflächig Pfefferspray ein.

Bei der Pressekonferenz war die Stimmung aufgeheizt – doch Schneider ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Obwohl Journalisten von einer „Gewaltorgie“ sprachen, obwohl ihn sein Chef, der Frankfurter Polizeipräsident Achim Thiel, komplett im Stich ließ und schweigend auf dem Podium saß, wurde Schneider nicht emotional. Minuziös schilderte er den Einsatz, verteidigte die Härte der Beamten. Auf Frage eines Reporters, der berichtete, er sei von einem Polizisten umgestoßen und als „Idiot“ tituliert worden, antwortete Schneider aber: „Ich finde das nicht gut, so etwas dulde ich nicht.“ Kurzzeitig ermittelte nach der Demonstration die Staatsanwaltschaft gegen Schneider. Die hessische Linke hatte ihn angezeigt. Doch die Vorwürfe der Körperverletzung und Freiheitsberaubung erhärteten sich nicht. Schneider machte weiter Karriere.

Der Mann, der als Spezialist für brisante Einsätze galt, war auch bei der Eröffnung des Neubaus der Europäischen Zentralbank im März 2015 in leitender Position tätig. Nach den schwersten Ausschreitungen, die es in Frankfurt in den vergangenen Jahrzehnten gegeben hat, sagte Schneider, die Polizei habe 4000 Gewalttätern gegenüber gestanden. Die Zahl dürfte weit übertrieben gewesen sein.

Doch die Kritik an der Polizei, die die Randale über Stunden nicht beenden konnte, richtete sich diesmal nicht gegen Schneider persönlich. Im Fokus stand etwa Polizeipräsident Gerhard Bereswill, Schneider kam unbeschadet durch die Krise und wurde ein gutes Jahr später Präsident der hessischen Bereitschaftspolizei.

Schneider hatte 1975 bei der Polizei angefangen. 44 Jahre lang war er dabei, „mit Leib und Seele“, wie er sagt. Vor acht Mona-ten wurde der Südhesse in den Ruhestand versetzt und hatte mehr Zeit für die Enkel. Jetzt, mit 63 Jahren, übernimmt er eine neue Aufgabe, als erster Integritätsbeauftragter der hessischen Polizei. Sein Anspruch: „Fehlverhalten“ müsse verhindert oder zumindest frühzeitig erkannt und benannt werden, „um eine offene Fehlerkultur zu erreichen“.

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