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Volker Bouffier und Tarek Al-Wazir ziehen auf einer gemeinsamen Bustour durch Hessen ein erstes Resümee über die letzten Monate. 

Pressereise

Hessens Regierung sucht schöne Bilder mit Schafen und Schulen

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Hessens Ministerpräsident Bouffier und sein Stellvertreter Al-Wazir demonstrieren bei einer Pressereise, wie das Vertrauen zwischen Schwarz und Grün gewachsen ist. Dabei bekommt jeder sein Heimspiel.

Vieles im Leben ist eine Frage des Vertrauens, nicht nur in der Politik. Das zeigt sich schon wenige Minuten bevor Ministerpräsident Volker Bouffier und sein Vize Tarek Al-Wazir das kleine Gehege mit den Schafen im Hof des Klosters Gnadenthal betreten. Eine Gruppe Drittklässler aus Niederbrechen hat Spaß mit den Tieren. Ein Schaf wendet sich jedoch ab, es lässt sich nicht von jedem füttern. „Die haben noch kein Vertrauen“, erklärt Sebastian Stenzel, der das Umweltlernen anleitet. „Die brauchen ziemlich lang, um Vertrauen zu kriegen.“ Dann aber ist es so weit, auch das Schaf namens „Kuschel“ frisst das Futter, zur Freude der Kinder.

Das Vertrauen ist da. Es hat allerdings ein bisschen Zeit gebraucht, nicht nur bei den kleinen wolligen Tieren. Sondern auch bei den großen Tieren aus der Politik, die am Donnerstag aus Wiesbaden in den Kreis Limburg-Weilburg gekommen sind, um das vorbildliche Umweltlernen auf dem Biolandbetrieb zu würdigen und zugleich ihren Koalitionsjahrestag mit öffentlichen Auftritten zu begehen.

CDU und Grüne waren keine Wunschpartner, als sie vor sechs Jahren zusammenfanden. Inzwischen, nach dem ersten Jahr der zweiten gemeinsamen Legislaturperiode, nimmt man es dem CDU-Politiker Bouffier umstandslos ab, wenn er erklärt: „Die Koalitionspartner arbeiten vertrauensvoll zusammen.“

Sein Stellvertreter, der Grüne Tarek Al-Wazir, fügt hinzu: „Wir haben öfter als Sie denken unterschiedliche Meinungen.“ Die allerdings diskutiere man so konstruktiv, bis es eine Lösung gebe, „die gut für Hessen ist“.

Bei der Pressereise jedenfalls herrscht eitel Sonnenschein zwischen den vertrauten Partnern. Die Glocke des ehemaligen Klosters Gnadenthal, das heute von einer „Jesus-Bruderschaft“ geführt wird, ruft hell zum Mittagsgebet. Die Sonne scheint vom blauen Januarhimmel. Beste Gelegenheit für harmlose Fotos und Fernsehaufnahmen der Regierungspolitiker mit Kühen und Schafen.

Im Kuhstall vom Hof Gnadenthal werden Milchkühe gefüttert.

Hier lässt sich auch zeigen, wie gut zusammenpasst, was bei den Grünen Umweltschutz heißt und bei der CDU „Bewahrung der Schöpfung“. Das Land unterstützt den Hof bei den Schülerführungen unter dem Motto „Bauernhof als Klassenzimmer“ finanziell. Denn dort lernten die Kinder, „dass die Kuh nicht lila ist und die Milch nicht im Supermarkt entsteht“, formuliert Al-Wazir.

Draußen vor dem Tor des Hofs hat sich ein Dutzend Bauern aufgereiht für eine kleine Kundgebung. Sie fordern „Verlässlichkeit“ in der Agrarpolitik und beklagen Probleme mit der Düngemittelverordnung. Bouffier blüht auf. Die Probleme der Landwirte kenne er „seit 30 Jahren im Detail“, antwortet der Ministerpräsident dem Bauern Olaf Pöhlmann und seinen Mitstreitern. „Die meisten Leute haben keine Ahnung, was Landwirtschaft bedeutet“, urteilt er und hat die Bauern damit geschickt auf seine Seite gebracht. Al-Wazirs Einwurf, dass die Düngemittelverordnung durchaus ihre guten Gründe habe, wenn bereits Trinkwasserbrunnen wegen zu hoher Belastung geschlossen werden müssten, kommt weniger gut an.

Dafür kann der Grünen-Politiker ein Heimspiel absolvieren, als es vom Bauernhof zur nächsten Station ins wahre Klassenzimmer geht. Die Leibnizschule in Al-Wazirs Heimatstadt Offenbach ist die erste Schule, die Geld aus dem hessischen Programm „Digitale Schule“ erhält, das von Bund und Land finanziert wird. Fast eine halbe Million Euro fließt für die WLAN-Ausstattung der Schule, die bereits über ein ausgefeiltes Schulportal für Lehrer und Schüler im Internet verfügt.

Lehrer Carlo Stockmeier demonstriert den Gästen, wie sich Tablets im Musikunterricht einsetzen lassen. Seine Schülerinnen und Schüler produzieren elektronische Klangkunstwerke, indem sie mal einen Trompeten-Sound, mal eine Klavierpassage sampeln. Al-Wazir plaudert angeregt über die elektronische Musik der Gruppe Kraftwerk. Das ist eher nicht Bouffiers Welt.

So ergänzen sich die beiden in der Koalition. Aber wie lange noch? Seit Bouffier eine Krebserkrankung vor einem Jahr mit Bestrahlung behandeln musste, wird spekuliert, wann er das Amt abgibt. „Gehen Sie mal davon aus: Wir bleiben noch ein bisschen zusammen“, sagt Bouffier auf entsprechende Fragen. Und fügt hinzu: „Das liegt in Gottes Hand und in der Kunst der Ärzte.“

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