Gut gebrüllt

Hessens politische Hygiene

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Am Donnerstag war Internationaler Händewaschtag. Die Debatten in Hessens Parlament haben sich gewaschen. Die Kolumne aus dem Landtag.

Es mangelt nicht an wunderlichen Thementagen, die irgendjemand ausgerufen hat. Im Oktober etwa gibt es einen Internationalen Tag des Eies, der von den Eierproduzenten erkoren worden ist, den Weltnudeltag und den Weltstatistiktag.

Ein Gedenktag aber, der uns in anderen Jahren merkwürdig vorgekommen wäre, passt in die Zeit. Am Donnerstag war Internationaler Händewaschtag, 2008 ausgerufen von der Weltgesundheits-Organisation WHO.

In unserem Postfach landete sogar eine Pressemitteilung zum Thema. „Händewaschen reduziert die Anzahl der Keime auf den Händen auf bis zu ein Promille“, ließ Grünen-Gesundheitspolitiker Marcus Bocklet wissen. Regelmäßiges und gründliches Händewaschen müsse selbstverständlich sein. Bei jedem anderen Thema hätte es eine Debatte gegeben, die sich gewaschen hat. Das Lob des Händewaschens aber blieb unwidersprochen.

Im Hessischen Landtag kennen wir uns damit aus. Gründlich einseifen, mindestens 20 Sekunden lang waschen, gründlich abtrocknen. Die Anleitung samt Piktogrammen hing seit der vorigen Pandemie neben dem Waschbecken.

Angesichts von Covid-19 ist sie durch eine aktualisierte Version ersetzt worden, auf der das Gleiche steht. Nur dass sich jetzt, da das Infektionsrisiko das Land beschäftigt, vermutlich mehr Abgeordnete und Landtagsbedienstete daran halten.

Begriffe wie Händedesinfektion, Händehygiene und Händewaschen haben Einzug in politische Debatten gehalten. Wobei: Wer die alten Reden durchschaut, findet sogar einen Beitrag über Händehygiene von 2015. Sie stammte von Ex-Sozialminister Stefan Grüttner. Er erläuterte: „Die Anforderungen an Händehygiene, Wäsche- und Flächendesinfektion werden entschieden umfangreicher.“ Konnte er etwa fünf Jahre in die Zukunft schauen? Nicht ganz. Es waren andere Zeiten – und Grüttner gab Auskunft über den Einsatz von Therapiehunden in Praxen.

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