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Die Not in einigen öffentlichen Krankenhäusern ist groß.
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Die Not in einigen öffentlichen Krankenhäusern ist groß.

Hessen

Hessens öffentliche Kliniken in Not

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Die Anforderungen an Hygiene und weniger Behandlungen könnten zu Insolvenzen führen. Noch immer trauen sich viele Menschen nicht ins Krankenhaus.

Die Pandemie trifft alle Krankenhäuser. Auch diejenigen, die nicht direkt in der Covid-Versorgung tätig sind – etwa Psychiatrien. Einige öffentliche und kommunale Häuser stünden nun wirtschaftlich auf der Kippe, sagt Reinhard Schaffert, Geschäftsführer des Klinikverbunds Hessen.

Die Unterstützung des Landes sei sehr gut, nicht aber die aus Berlin. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU habe zu Beginn der Pandemie versprochen, dass kein Krankenhaus wegen Covid in ein Defizit rutschen werde. „Inzwischen berechnen einige Geschäftsführer bereits, wie viel Zeit ihnen unter den jetzigen Bedingungen noch bis zum Gang zum Insolvenzgericht bleibt.“

Die Verluste sind hoch. Verantwortlich dafür sind Personalausfälle, der enorme Hygieneaufwand und ein Rückgang bei den Behandlungen. Mehrbettzimmer könnten nicht komplett besetzt werden, die Arbeitsprozesse verlangsamten sich, sagt Schaffert. „Das ist ein Riesenaufwand.“ Noch immer werde vieles verschoben, was nicht unbedingt nötig sei. Der Leistenbruch etwa oder der Einsatz einer künstlichen Hüfte. Nach der ersten Corona-Welle im Sommer sei nur ein leichter Nachholeffekt spürbar gewesen.

Dachverband

Im Klinikverbund Hessen haben sich alle hessischen Krankenhäuser in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft sowie die hessischen Spitzenverbände der Trägerorganisationen zusammengeschlossen.

Die Kliniken erheben für sich den Anspruch, eine wohnortnahe qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung zu bieren. Nutzen würden diese mehr als die Hälfte der Patientinnen und Patienten in Hessen. jur

Unter den Versicherten der AOK Hessen etwa sank die Zahl der Krankenhausaufnahmen in der Zeit vom 16. März bis 5. April 2020 um 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Spitzenreiterinnen waren Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems mit einem Rückgang um 67 Prozent, gefolgt von denen des Verdauungssystems mit 49 Prozent und des Kreislaufsystems (39 Prozent). Für die ersten sechs Kalenderwochen 2021 zeigt die Statistik ein ähnliches Bild: „Nach wie vor ist die einzige schlüssige Erklärung für das hier dargestellte Gesamtphänomen, dass es offenbar erhebliche Ängste gibt, sich in einer Klinik mit Covid-19 zu infizieren“, sagt AOK-Sprecher Riyad Salhi auf FR-Anfrage.

Die DAK hat in einer Sonderanalyse Kinder und Jugendliche unter die Lupe genommen. Demnach fiel während des Lockdowns im März/April vorigen Jahres in Hessen jede dritte Operation bei Kindern aus. Bei den behandelten psychischen Erkrankungen im ersten Halbjahr 2020 lag der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr bei 15 Prozent. Im Bundesdurchschnitt waren es minus 12 Prozent.

Das hat auch rein praktische Gründe. „Wir behandeln Patientinnen und Patienten, die teilweise aufgrund ihrer Erkrankung besondere Schwierigkeiten bei der Einhaltung von Abstands- und Hygienevorschriften haben“, erläutert Reinhard Belling, Vorstandsmitglied im Klinikverbund und Geschäftsführer des Vitos-Konzerns, der den Großteil der psychiatrischen Fachkliniken in Hessen betreibt. Selbst im Sommer bei niedrigen Infektionszahlen sei nicht annähernd eine volle Belegung möglich gewesen.

Gleichzeitig seien „Symptombelastung und Fallschwere“ der behandelten Patient:innen angestiegen. „Da diese Kliniken keinen Anspruch auf eine Ausgleichspauschale haben, stehen wir jetzt vor erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten.“ Auch in dem Jahr der Pandemiebekämpfung sei stets die qualifizierte Versorgung aller behandlungsbedürftigen Menschen gewährleistet, versichert Clemens Maurer, Vorstandsvorsitzender des Klinikverbunds. Landesregierung und Krankenhausgesellschaft hätten „ein gut funktionierendes Konzept der gestuften Versorgung aufgebaut“. Dies bedeute eine permanent große Beanspruchung des Personals, verbunden mit erheblichen physischen und psychische Belastung, zu der die eigene Gefährdung durch die Infektion noch hinzukomme. Das betreffe alle Krankenhäuser – nicht nur jene, die Covid behandeln.

Geschäftsführer Schaffert erinnert an die Debatte, in Deutschland gebe es zu viele Kliniken. Diese Diskussion, sagt er, könne erst nach der Pandemie weitergeführt werden. Bis dahin gelte es, das existierende Netz aufrechtzuerhalten und zu unterstützen. „Sonst müssen am Ende die falschen schließen.“

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