Roland Ullmann (r.) als Offenbacher Polizeichef 2013 bei einer Kundgebung gegen Polizeigewalt. 
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Roland Ullmann (r.) als Offenbacher Polizeichef 2013 bei einer Kundgebung gegen Polizeigewalt. 

Personalie

Hessens neuer Landespolizeipräsident: Ein Polizist, der anpacken will

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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  • Fabian Scheuermann
    Fabian Scheuermann
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Roland Ullmann übernimmt die Führung des hessischen Landespolizeipräsidiums in unruhigen Zeiten. Am Freitag zeigt er sich betont optimistisch.

Bodenständig, aufgeräumt, souverän – diesen Eindruck vermittelte Roland Ullmann in den vergangenen Jahren stets bei seinen öffentlichen Auftritten in Offenbach. Seit fast zehn Jahren führte der 62-Jährige das dortige Polizeipräsidium Südosthessen.

Damit war der Mann, der am Freitag zum Landespolizeipräsidenten berufen wurde, auch für den Kreis Offenbach sowie den Main-Kinzig-Kreis zuständig, aus dem er stammt. Es war bereits das vierte hessische Polizeipräsidium, in dem er tätig war, sodass Innenminister Peter Beuth (CDU) feststellen konnte: „Er kennt die hessische Polizei, und die hessischen Polizistinnen und Polizisten kennen ihn.“

Eines der schlimmsten Verbrechen in der Bundesrepublik fiel in die Zuständigkeit seines Polizeipräsidiums Südosthessen: der rassistische Mordanschlag von Hanau im Februar, bei dem der Täter zehn Menschen und sich selbst tötete. Ullmann bemühte sich in den Wochen danach sichtlich, Handlungsfähigkeit und Problembewusstsein zu zeigen. Bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für Südosthessen – als der Präsident wieder einmal gesunkene Fallzahlen und eine verbesserte Aufklärungsquote präsentieren konnte – sagte er Ende März: „Die Bekämpfung des Rechtsextremismus hat höchste Priorität.“

Besuch im Offenbacher Ausländerbeirat

Sehr unterschiedliche Reaktionen rief ein Besuch Ullmanns im Offenbacher Ausländerbeirat Ende Februar hervor. Er war mit mehreren Revierleitungen zur Sitzung des Gremiums gekommen, um nach dem Anschlag in Hanau Fragen aus den migrantischen Offenbacher Communitys zu beantworten. Trotz der aufgewühlten Stimmung blieb er den Abend über ruhig und versicherte, Migrantinnen und Migranten in der Region hätten „keine verstärkte Gefahrenlage“ zu befürchten.

Manche der Anwesenden lobten den Besuch der Beamten im Ausländerbeirat und die viele Zeit, die sie für die Beantwortung ihrer Fragen mitgebracht hatten. Der Vertreter einer marokkanischen Moscheegemeinde in Offenbach beispielsweise verließ den Saal des Rathauses zufrieden. Er fühlte sich eingebunden. Andere äußerten Kritik: So sagte Mahshid Najafi, die sich im Offenbacher Seniorenrat engagiert, sie habe den Eindruck gewonnen, Ullmann sei ihren Fragen „irgendwie ausgewichen“.

Die Frage etwa, warum die Internetbeiträge des mutmaßlichen Täters von Hanau der Polizei nicht vor der Tat aufgefallen seien, blieb unbeantwortet. Nur dass man die Beiträge nicht bemerkt habe, wurde bestätigt. „Wenn man sensibler gegenüber Rechtsradikalen wäre, würde man so etwas mitbekommen“, befand Najafi.

Motto: „Wir packen’s an“

Zuversichtlich präsentierte sich der neue Landespolizeipräsident am Freitag in Wiesbaden. Angesichts des Polizeiskandals um illegale Abfragen von Dienstrechnern, die offenbar im Zusammenhang mit Drohmails stehen, sagte Ullmann: „Es gibt einfachere Zeiten, um eine solche Aufgabe zu übernehmen.“ Sein Motto laute aber: „Wir packen’s an.“ Und fügte den legendären Satz an, den Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Blick auf die Zuwanderung von Flüchtlingen gesagt hatte: „Wir schaffen das.“

Vor 47 Jahren hatte Roland Ullmann bei der Hanauer Polizei seine Laufbahn begonnen, im Jahr 1973. Elf Jahre später wechselte er zur Kriminalpolizei, wo er sich intensiv mit der Bekämpfung von Raub- und Rauschgiftdelikten befasste.

Innenminister Peter Beuth hob hervor, Ullmann habe in den 1990er Jahren im Polizeipräsidium Frankfurt die bundesweit erste Kriminalinspektion für Organisierte Kriminalität aufgebaut. Danach war Ullmann unter anderem als Vizepräsident der Präsidien Mittelhessen, Westhessen und Südosthessen tätig, bevor er in Offenbach die Führung übernahm. Dazwischen lag eine Station als Referatsleiter im Landespolizeipräsidium – jener Behörde im Innenministerium, die er ab jetzt leitet.

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