Corona-Test: Ein Abstrich wird an einer Patientin genommen.
+
Corona-Test: Ein Abstrich wird an einer Patientin genommen.

Gesundheit

Hessens neue Strategie für Corona-Tests

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
    schließen

Das Land legt seine Prioritätenliste für Corona-Tests vor. Immer häufiger muss die Polizei gerufen werden, weil aggressives Verhalten gegen das Personal in den Testcentern zunimmt.

Ganz oben stehen Menschen mit eindeutigen Covid-19-Symptomen. Gefolgt von direkten Kontaktpersonen eines Infizierten und Menschen, bei denen die Warn-App rot angeschlagen hat. Das legt die neue hessische Teststrategie fest, die Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Donnerstag vorgestellt hat. Sie gilt ab sofort und soll dafür sorgen, dass die Laborkapazitäten dort zum Einsatz kommen, wo sie am dringendsten benötigt werden. Es ist eine Empfehlung und Handlungshilfe für Labore, Ärzte und Pflegeheime. „Wünschenswert“ sei, dass sich auch kommerziell arbeitende Anbieter und Labore daran halten, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Obwohl die Regeln strenger geworden sind, kommen die Labore wieder an ihre Grenzen: Nachdem es zu Ende der vergangenen Woche außergewöhnlich flott ging, müssen Getestete jetzt wieder länger auf das Ergebnis warten, so eine Hausärztin auf FR-Anfrage. Aktuell dauere es wieder zwei Tage. Es waren auch schon vier.

Die Strategie beinhaltet fünf Stufen und lehnt sich an die des Bundes an. Lediglich die direkten Kontaktpersonen rangieren in Hessen weiter vorne. Zweithöchste Priorität genießen außer ihnen und den App-Gewarnten auch Menschen in sensiblen Bereichen, in denen es zu einem Ausbruch kam: Bewohner:innen und Beschäftigte von Pflegeheimen sowie Mitarbeiter:innen von Praxen. Auf Rang drei rangieren Personen aus Einrichtungen oder Unternehmen, in denen es zum Ausbruch kam – etwa Kitas, Schulen, Flüchtlingsheime.

Verfahren

Der PCR-Test ist der Goldstandard. Das Erbmaterial der Viren wird so stark vervielfältigt, dass es nachgewiesen werden kann, auch wenn es nur in geringen Mengen vorkommt.

Der Antigentest weist Eiweißstrukturen von Sars-CoV-2 nach und funktionieren ähnlich wie ein Schwangerschaftstests. Vorteile sind geringere Kosten, ein zeitnahes Testergebnis und die leichte Handhabung auch außerhalb eines Labors. Sie sind aber weniger sensitiv, eine größere Virusmenge ist notwendig. Ein negatives Ergebnis schließt demnach eine Infektion nicht aus. jur

Die ersten drei Kategorien sollten einen PCR-Test bekommen, lautet die Empfehlung. Bei knappen Kapazitäten ist auch ein Antigentest möglich. Bei diesen Schnelltests liegt das Ergebnis innerhalb von 30 Minuten vor. Sie sind aber anfälliger für falsch positive Ergebnisse. Einer aktuellen Studie der Berliner Charité zufolge liegt die Zuverlässigkeit zwischen 88,24 Prozent und 100 Prozent.

Die Strategie sieht den Einsatz der Antigentests standardmäßig vor für regelmäßige Kontrollen des medizinischen und pflegerischen Personals. Die Erfahrung zeige, dass dieses oft das Virus in die Einrichtungen trage, sagte Klose. Selbst bei höheren Infektionszahlen in der Region sollen die Antigentests Besuche in Pflegeheimen ermöglichen – weiterhin mit Maske, Abstand und unter Einhaltung der Hygiene. „Prävention muss immer vor Diagnostik gehen“, mahnte der Minister. Ein negatives Testergebnis sei kein Freibrief. „Das ist immer nur eine Momentaufnahme.“ Die Hygieneregeln blieben der wichtigste Schutz in der Pandemie. Warum viele Pflegeheime noch nicht die Möglichkeit des anlasslosen Testens von Bewohner:innen und Personal nutzten, könne er sich nicht erklären. Grünes Licht vom Sozialministerium sei dafür jedenfalls nicht notwendig.

Unterdes bereitet die Kassenärztliche Vereinigung (KV) das Ausweiten der Kapazitäten vor. Für Frankfurt, Offenbach und Groß-Gerau sind neue Testcenter geplant. „Sie sollen so bald wie möglich starten, genaue Termine können wir allerdings noch nicht nennen“, sagt Pressesprecher Alexander Kowalski. Personal sei ausreichend vorhanden. Testwillige, die die Kriterien des Robert-Koch-Instituts erfüllten, würden schnellstmöglich getestet. Die Positivrate liege bei vier bis fünf Prozent. „Die Lage in den Testcentern ist herausfordernd“, sagt Kowalski. Immer wieder müsste die Polizei eingeschaltet werden. Die Mitarbeitenden in den Testcentern und der Hotline würden beschimpft, beleidigt und seien mit jeder sonstigen Form von Aggressivität konfrontiert, hatte dieser Tage der KV-Vorstand beklagt. Die neue Teststrategie, meint Kowalski, wird daran nichts ändern. „Es wird vermutlich auch weiterhin Menschen geben, die felsenfest glauben, ein Recht auf Testung zu haben, und entsprechend reagieren, wenn ihnen dann der Test verweigert wird.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare