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Aktuell teilen sich den hessischen Krankenhausmarkt zu je einem Drittel kommunale, freie gemeinnützige und private Träger.

Gesundheit

Hessens Krankenhäuser in finanzieller Not

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Corona-Einschränkungen haben die Kliniken ausgeblutet. Der Gesundheitsökonom befürchtet eine Privatisierungswelle und fordert ein Landeskonzept zur Daseinvorsorge.

Auf die Corona-Krise könnte eine Privatisierungswelle bei den öffentlichen Kliniken folgen. Davor warnt der Gesundheitsökonom Thomas Busse, Leiter des Zentrums für Gesundheitswirtschaft und -recht an der Frankfurt University of Applied Sciences. Weniger pessimistisch sieht Reinhard Schaffert die Lage, der Geschäftsführer des Klinikverbunds Hessen. Noch ist der Dachverband der Krankenhäuser in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft zuversichtlich. Er hofft auf Nachbesserungen beim Finanzierungssystem. Die aktuellen Zusagen reichten bei Weitem nicht aus, um die Verluste zu kompensieren, die durch die Corona-Einschränkungen entstanden seien und weiter entstünden.

Das Verbot von planbaren Eingriffen ist inzwischen aufgehoben. Doch von Normalbetrieb sind die Kliniken noch weit entfernt. Die Arbeit ist aufwendiger. Jeder Patient muss bei der Aufnahme und noch einmal während des Aufenthalts getestet werden; so sieht es der Beschluss des Bundes vor, auf das Konzept des Landes warten die Krankenhäuser noch. Auch dürfen maximal Zweibettzimmer belegt werden, die Behandlung von Covid-Patienten und Nichtinfizierten hat strikt voneinander getrennt zu erfolgen. „Das hat erhebliche Auswirkungen auf Ablauf und Personaleinsatz in den Kliniken, vom Material und der persönlichen Schutzausrichtung ganz zu schweigen“, sagt Clemens Maurer, Vorstandsvorsitzender des Klinikverbunds. Hinzu kommen die Kosten für die Betten, die als Reserve für Corona-Patienten leerstanden und auch künftig leerstehen müssen. Abgerechnet werden sie über eine Fallpauschale – nach Ansicht der Verbunds der falsche Ansatz. „Wir wollen, dass das Budget von 2019 fortgeschrieben wird“, sagt Schaffert. Andernfalls sei nichts planbar. Bund und Land müssten Verantwortung übernehmen, die Kosten der Krise dürften nicht überwiegend der gesetzlichen Krankenversicherung überlassen werden. Erst recht nicht den Städten und Landkreisen, denen die Steuereinnahmen wegbrechen.

Zumal die Vergangenheit zeigt, wohin es führen kann, wenn Kommunen klamm sind. Irgendwann können sie ihr Krankenhaus nicht mehr halten und verkaufen es an Private. Aktuell teilen sich den hessischen Krankenhausmarkt zu je einem Drittel kommunale, freie gemeinnützige und private Träger. Ein gutes Gleichgewicht, sagt Gesundheitsökonom Busse. Die Finanznot der Kommunen in Kombination mit den unterfinanzierten Kliniken könnten es gefährden. Busse warnt vor einer Übermacht der Privaten. „Die macht erpressbar.“

Auch habe die Politik dann keinerlei Einfluss mehr darauf, dass stationäre Grundversorgung für jeden erreichbar bleibe. Im überversorgten Rhein-Main-Gebiet wäre ein Krankenhaussterben nicht das große Problem. „Aber auf dem Land.“ Die Lösung sieht Busse in einem Netz von großen Kliniken in Trägerschaft des Landes. „Das muss die Versorgung sicherstellen.“

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