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Die Baubranche boomt noch immer. Auszubildende, die beispielsweise Maurer werden wollen, sind dort sehr willkommen.
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Die Baubranche boomt noch immer. Auszubildende, die beispielsweise Maurer werden wollen, sind dort sehr willkommen.

Wirtschaft

Hessens Handwerk erfährt einen Knick in der Konjunktur

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Corona macht den hessischen Handwerksbetrieben zu schaffen. Das hat auch Auswirkungen auf die Ausbildung.

Das hessische Handwerk hat durch die Corona-Pandemie einen deutlichen Knick in der Konjunktur erlitten. Die einzelnen Branchen sind sehr unterschiedlich betroffen. Sorge bereitet den Betrieben vor allem der Mangel an Auszubildenden.

„Wir haben neun gute Jahre hinter uns, doch im zehnten Jahr hat sich alles schlagartig verändert“, bilanziert der neugewählte Präsident des hessischen Handwerkstags, Stefan Füll, das vergangene Jahr. Die Geschäftslage vieler Betriebe habe sich deutlich verschlechtert, erläuterte er am Freitag in Wiesbaden. Nur noch 35 Prozent bezeichneten sie als gut, im vorigen Jahr waren es noch 50 Prozent. 30 Prozent hielten sie sogar für schlecht, das ist eine Verdreifachung gegenüber 2019.

Besonders stark betroffen seien etwa Friseure, Kosmetiker oder auch die Kraftfahrzeugwerkstätten. Deutlich besser sehe es in der Baubranche aus, die kaum Einbußen zu verzeichnen habe. Bislang habe sich die Krise allerdings noch nicht auf die Zahl der Beschäftigten ausgewirkt. „Viele sehen den nächsten Monaten aber mit Sorge und einem Gefühl der Unsicherheit entgegen“, sagte Füll. Ein Ausblick über die weitere konjunkturelle Entwicklung sei angesichts beginnender Impfungen und aufkommender Virusmutationen sehr schwierig.

Handwerk in Zahlen

38 Milliarden Euro hat das hessische Handwerk zuletzt in einem Jahr erwirtschaftet. Knapp 370 000 Beschäftigte in gut 75 000 Betrieben zählen zum Handwerk in Hessen. Die höchste Dichte an Handwerksbetrieben im Vergleich zur Einwohnerzahl gibt es im Odenwaldkreis. Dort kommen auf 1000 Menschen 15 Betriebe. Mehr Infos unter www.handwerk-hessen.de

Einen starken Einbruch bei der Zahl der Auszubildenden beklagte Vizepräsident Wolfgang Kramwinkel. Diese sank von mehr als 10 200 auf nur noch gut 9100, ein Rückgang von elf Prozent. „Uns haben schon vor Corona Auszubildende gefehlt, doch die Pandemie hat diesen Mangel noch verstärkt.“ Besonders der Kontakt zu künftigen Lehrlingen habe gelitten, sagte der Handwerksvertreter. So hätten kaum Ausbildungsmessen stattgefunden, das Werben um Nachwuchs in den Schulen sei so gut wie nicht möglich gewesen, zudem habe es kaum Berufspraktika gegeben. „Die Jugendlichen und die Betriebe hatten also kaum eine Gelegenheit, sich gegenseitig kennenzulernen“, bedauerte Kramwinkel. Nach Auskunft von Bernhard Mundschenk, dem Geschäftsführer des Handwerkstags, sind im vergangenen Jahr daher mindestens 1000 Lehrstellen unbesetzt geblieben.

Noch an anderer Stelle mangelt es dem hessischen Handwerk an Nachwuchs: „Wir haben sehr gute Erfahrung mit der Ausbildung von Geflüchteten gemacht“, sagte Kramwinkel. Diese seien zumeist sehr motiviert und lernten diszipliniert. Noch 2019 hatte es rund 1150 Lehrverträge mit Geflüchteten gegeben, 2020 seien es ein Drittel weniger gewesen. Dies liege neben Corona auch daran, dass zuletzt weniger Menschen nach Deutschland gekommen seien.

Zur aktuellen Diskussion um die Abschaffung des Sitzenbleibens wegen der häufigen Schulschließungen äußerten sich die Handwerksvertreter skeptisch. Im Handwerk selbst gebe es ja auch Prüfungen und auf diese werde man nicht verzichten, sagte Geschäftsführer Mundschenk. Zudem, ergänzte HHT-Präsident Füll, müssten die Betriebe sich darauf verlassen können, dass Schulabgänger einen bestimmten Bildungsstand erreicht hätten. Wenn alle ohne Ausnahme ihre Abschlüsse machen könnten, sei dies nicht gewährleistet.

Die Forderung nach mehr Homeoffice, wie sie gerade von Politik und Wissenschaft an die Wirtschaft herangetragen wird, können Füll und Kramwinkel zwar nachvollziehen. Allzu viele Möglichkeiten, dies im Handwerk umzusetzen, sehen die beiden allerdings nicht. Die allermeisten Arbeiten müssten eben direkt vor Ort geleistet werden. Insgesamt sei es vielleicht möglich, bis zu zehn Prozent der Beschäftigten, vor allem aus den Büros, zu Hause arbeiten zu lassen, sagte Kramwinkel.

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