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Straßensperren im Kampf gegen die Verbreitung des Corona-Virus in Turano Lodigiano. Der Patient aus Hessen war in der Lombardei, wo er sich mutmaßlich angesteckt hat.

Coronavirus

Hessens erster Corona-Patient war in Italien

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31-Jähriger aus Wetzlar ist an einer milden Form von Covid-19 erkrankt. Experten rechnen mit weiteren Fällen, auch in Frankfurt.

Hessen hat den ersten nachgewiesenen Fall eines Patienten, der nicht in China mit dem neuartigen Coronavirus infiziert ist. Er wurde am späten Donnerstagabend bestätigt, teilte das hessische Sozialministerium am Freitag mit. Es handelt es sich um einen 31 Jahre alten Mann aus Wetzlar mit milden grippeähnlichen Symptomen. Er wurde stationär in der Lahn-Dill-Klinik in Wetzlar aufgenommen.

Ein zweiter Fall einer Corona-Infektion in Hessen wurde am Freitagabend vom Sozialministerium bestätigt. Demnach habe sich ein 29-Jähriger aus dem Hochtaunuskreis mit dem Virus infiziert.

Am vorigen Sonntag hatte sich der 31-Jährige aus Wetzlar demnach in der italienischen Lombardei aufgehalten, die das Robert-Koch-Institut am Donnerstag zum Corona-Risikogebiet erklärt hatte. Am Freitagvormittag informierten Sozialminister Kai Klose (Grüne) und der Landrat des Lahn-Dill-Kreises, Wolfgang Schuster (SPD), im Kreishaus Wetzlar über die aktuelle Situation.

Lob gab es für die Behörden: „Wir haben hier im Lahn-Dill-Kreis ein standardisiertes Verfahren gesehen, das beispielhaft abgelaufen ist“, sagte Klose. Es habe einen Verdachtsfall gegeben, den das Labor in der Virologie des Universitätsklinikums Marburg bestätigte. „Anschließend haben wir schnellstmöglich die Öffentlichkeit informiert.“ Vorbildlich, sagte Landrat Schuster, habe sich auch der Patient verhalten. „Er hat alles richtiggemacht.“ Der Mann habe sich in dieser Woche beim Kreisgesundheitsamt gemeldet, wo der Abstrich vorgenommen wurde. „Und seit gestern Abend wissen wir, dass der Test positiv ist.“

Im Moment, sagte die Leiterin des Gesundheitsamts, Gisela Ballmann, ermittele und befrage ihre Behörde Kontaktpersonen des Patienten. Bei engem persönlichem Kontakt zum Erkrankten werde häusliche Quarantäne verhängt. Sie bat die Bevölkerung, sich bei Fragen nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet oder Gebieten mit Fällen von Coronavirus-Infektionen telefonisch an das jeweils zuständige Gesundheitsamt zu wenden, um die persönliche Situation zu besprechen. „Unser oberstes Ziel ist es, Infektionsketten zu unterbrechen, um die Weiterverbreitung des Virus einzudämmen.“ Stephan Becker, Leiter der Virologie des Universitätsklinikums Marburg, erwartet, dass sich das Sars-CoV-2 weiter ausbreitet: „Wir müssen uns aufgrund der leichten Übertragbarkeit darauf einstellen, dass es nicht bei diesem einen Fall bleiben wird.“ In der Regel verlaufe die Erkrankung milde.

Davon geht auch René Gottschalk aus, der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, das am Mittag über den aktuellen Stand in der Stadt informierte. Schaue man sich den Verlauf in China an, sei es sehr wahrscheinlich, dass der Höhepunkt der Infektionswelle noch nicht erreicht ist: „Ich glaube, dass wir in eineinhalb Monaten den Zenit überschritten haben.“ Der Ärztliche Direktor der Uniklinik, Jürgen Graf, appellierte an die Bevölkerung, bei gesundheitlichen Problemen die richtigen Stellen zu kontaktieren: Bei nicht lebensbedrohlichen Symptomen sind die niedergelassenen Ärzte die richtige Adresse, außerhalb der Sprechzeiten der Ärztliche Bereitschaftsdienst.

Die Notaufnahmen der Kliniken könnten andernfalls ihrer eigentlichen Aufgaben nicht mehr nachkommen. Bei einem Coronaverdacht empfehle es sich, zunächst in der Arztpraxis anzurufen, sagte Antoni Walczok, Infektiologe im Gesundheitsamts. Ob Großveranstaltungen stattfinden können, müsse im Einzelfall entschieden werden.

Die hessenweite Hotlinehat ist unter der Nummer 0800 / 555 466 6 zu erreichen. Mehr Informationen unter https://soziales.hessen.de.

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