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Den Frühchen auf der Neonatologie ermöglicht die Milchbank einen besseren Start.

Gesundheit

Hessens erste Frauenmilchbank

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In Frankfurt werden Frühchen mit Spenden anderer Mütter aufgepäppelt.

Am 15. Juni ging es los: Da trank das erste Frühchen an der Neonatologie der Uniklinik Frankfurt Milch, die nicht aus der Brust seiner Mutter kam. Die Spenderin hat selbst ein Frühgeborenes. Aber so viel Milch, dass sie noch ein zweites Kind ernähren kann. Mit dem Wundermittel, das gegen Krankheiten vorbeugt, sogar Leben retten kann. Kein industrielles Produkt kann das. „Muttermilch liefert Kalorien, Proteine, Fett. Sie ist ein Lebensmittel im Wortsinn, weil sie Frühgeborenen hilft“, sagt Thomas Klingebiel, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Frankfurt. Mit seinem Team und in Kooperation mit dem DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen hat er Hessens erste Frauenmilchbank aufgebaut.

Eröffnen sollte sie eigentlich schon im März. Doch wegen der hohen Anforderungen an Logistik und Qualität hat sich der Start etwas verschoben. Die Kooperation mit den Blutspende-Kollegen ist europaweit einmalig, sagen sie. Die Ansprüche sind die gleichen wie die an Blutspenden. Jeder Produktionsschritt wird dokumentiert und ist rückwirkend nachvollziehbar. Die Frauen sind der Klinik bekannt, haben selbst Kinder in der Frühchenstation liegen. Fünf Spenderinnen sind es derzeit. Pro Jahr benötige man etwa 60, sagt Rolf Schlößer, an der Kinder- und Jugendmedizin der Experte für Neonatologie. Im ersten Jahr soll sich der Einsatz der Frauenmilchbank einzig auf die Uniklinik konzentrieren. Hat sich die notwendige Routine eingestellt, sollen Kinder in ganz Hessen von dem neuen Angebot profitieren.

Zunächst wird untersucht

Derzeit sind die Wege kurz. Mütter mit zu viel Milch werden vom Personal der Neonatologie angesprochen und aufgeklärt. Besteht Bereitschaft, bekommt die Spenderin etikettierte Milchfläschchen sowie eine Kühltasche für den Transport der Milch. Die Mitarbeiter des ebenfalls in Niederrad stationierten Blutspendedienstes holen die eingefrorene Milch aus der Neonatologie ab, wiegen die Fläschchen und nehmen sie in Augenschein.

Nach zwei Blutuntersuchungen der Spenderin wird ihre Milch aufgetaut, gemischt, in Babyfläschchen in Portionen von rund 50 Milliliter abgefüllt und pasteurisiert. Das tötet Bakterien ab, nicht aber die sogenannten Oligosaccharide, die wichtig für das unreife kindliche Verdauungssystem sind. Sechs Monate ist das Produkt nun im Kühlschrank der Frauenmilchbank haltbar, die derzeit nicht mehr ist als ein kleiner Raum im Gebäude des Blutspendediensts in Niederrad.

In kleinsten Portionen erhält das Kind die Spende über 24 Stunden verteilt. So lange, bis die eigene Mutter selbst Milch produziert, was nicht selten der Fall ist, wenn der Stress sich einigermaßen gelegt hat.

Für Schlößer, der das Projekt initiiert hat, ist es ein wunderbarer Weg, seinen winzigen Patienten und deren Familien noch besser zu helfen. Die Frauenmilchbank sei für alle gut. Das müssten auch Politik und Krankenkassen erkennen, von denen es keinen Cent gab. Realisiert wurde die Bank mit Spenden der Kinderhilfestiftung und des Frankfurter Fördervereins zur Bekämpfung von Tumorerkrankungen.

Für den Blutspendedienst hat sich ein völlig neues Betätigungsfeld eröffnet. Das hatte sich allerdings erst während der Realisierung herausgestellt. Denn Frauenmilch ist keine Medizinprodukt wie Blut. Es ist eine Lebensmittel, über dessen Sicherheit das örtliche Gesundheitsamt wacht.

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